Komponentenkrise: Bechtle mit vorsichtigem Ausblick auf 2026
Die Unsicherheiten wegen stark steigender Speicherpreise und Lieferengpässe lasten auf Systemhäuser, doch Bechtle sieht sich aufgrund seiner Größe, eines breiten Portfolios und als strategischer Partner aller großen IT-Hersteller "klar im Vorteil" gegenüber dem Wettbewerb. Der Start ins neue Geschäftsjahr verlief "sehr erfreulich", so der scheidende CEO Thomas Olemotz in seiner letzten Bilanzpressekonferenz nach 19 Jahren an der Spitze bei Bechtle.
Die Prognose für 2026 von Bechtle nimmt der Kapitalmarkt enttäuschend auf, die Aktie verliert am Freitagvormittag mehr als 12 Prozent. Das Systemhaus rechnet mit einem Zuwachs des Geschäftsvolumens in einer Spanne von 5 bis 10 Prozent, beim Umsatz und Vorsteuerergebnis reicht die Spanne von 0 bis 5 Prozent Plus. "Wir werden die Prognosen in kürzeren Zeiträumen überprüfen. Wir halten am Gebot einer offenen und verlässlichen Kommunikation gegenüber dem Kapitalmarkt fest", sagt Bechtle-Chef Thomas Olemotz. Im Klartext: Das Systemhaus fährt auf Sicht, will nicht in die Situation kommen, zu viel zu versprechen, um im späteren Verlauf des Jahres seine Prognosen zurücknehmen zu müssen, wie man das im Laufe des letzten Geschäftsjahres hatte tun müssen.
Zum laufenden ersten Quartal sagt Olemotz vor dem Hintergrund der Komponentenkrise in der Branche nur so viel: "Unbelastet der aktuellen Verwerfungen zeigte der Januar ein sehr erfreuliches Ergebnis".
Bechtle hat 2025 das Geschäftsvolumen mit einem Plus von 8,1 Prozent auf knapp 8,6 Mrd. Euro abgeschlossen. Der Umsatz stieg um 1,6 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro. Das Vorsteuerergebnis (EBT) lag bei 324,2 Mio. Euro und damit im Rahmen der Erwartungen. Der Jahresendspurt mit einem Rekordmonat Dezember (erstmals über 1 Mrd. Euro Umsatz) und einem entsprechend starken vierten Quartal hatte die Bilanz 2025 beim Umsatz ins Plus gedreht. Bechtle verzeichnet ein Rekord beim Auftragseingang. Das stimmt den Bechtle-Chef vorsichtig optimistisch. Einen Einfluss auf die vor allem massiv steigenden Preise für Speicherkomponenten bei PCs, Server und Storage hat das Systemhaus nicht. Sehr wohl aber auf Verfügbarkeit und Alternativen, sollten Kunden nicht bereits sein, hohe Preise zu zahlen, die einige Hersteller aufrufen.
"Bechtle hat eine Größe und Bedeutung im Markt, die uns gegenüber den Mitbewerbern klar Vorteile verschafft", so Thomas Olemotz. Er verwies auf strategische Partnerschaften zu allen namhaften IT-Herstellern. Ohne Namen zu nennen, bestätigte der CEO Hinweise von CRN, dass einige Vendoren aktuell Lieferschwierigkeiten haben, andere wiederum, wie beispielsweise HP, nicht, weil sie offenbar ihre Supply Chain besser im Griff haben und längere Preisgarantien bei Angebotsnachfragen gewähren können. Über die Gründe von Lieferengpässen bei einigen Herstellern will Olemotz nicht spekulieren.
Zu den Konsequenzen der Verwerfungen bei Preis und Verfügbarkeit für Wettbewerber von Bechtle sagt er: "Die werden kleineren Systemintegratoren zusetzen. Es wird wahrscheinlich zu einer weiteren Konsolidierung führen".
Die Komponentenkrise indes fordert auch die Bechtle-Teams. "Es gibt tägliche, nächtliche Eskalierungsgespräche mit unseren Herstellern", so der Bechtle-Chef. Planungen im Projektgeschäft sind somit mit Unsicherheiten behaftet. Damit kämpft die gesamte IT-Dienstleistungsbranche.
Szenarien aufstellen, wie sich die Liefer- und Preiskrise wahrscheinlich auf Bechtle-Zahlen auswirken könnte, seien zu jetzigen Zeitpunkt "seriös nicht möglich", sagt Olemotz. "Vielleicht können wir zur Jahresmitte sagen, welches validierte Szenario wahrscheinlich ist". Dass diese, nicht Bechtle spezifische Marktunsicherheit dem Kapitalmarkt nicht gefällt, "ist nachvollziehbar", kommentiert der CEO den Kurseinbruch der Bechtle-Aktie heute Vormittag.
CEO-Nachfolge lange im Voraus geregelt
Erstmals nach 19 Bilanzpressekonferenzen stellte heute Morgen in Frankfurt/Main nicht CEO Thomas Olemotz die Bilanzzahlen 2025 vor, sondern CFO Christian Jehle, der zu Jahresanfang in den Vorstand von Bechtle eintrat und das Finanzressort von Olemotz übernahm. Was der seit 2007 für Bechtle tägige Thomas Olemotz nach seinem Ausscheiden zum Jahresende vorhat, kann er noch nicht verraten. Für Überlegenungen, wie er möglicherweise Phantomschmerzen nach seiner CEO-Tätigkeit präventiv begegnet, hat der Manager schlicht keine Zeit. Die kommenden Monate werden ihn weiter fordern, er wird und muss seine Aufgaben bis zum Ende seiner Amtszeit mit voller Kraft erledigen. "Der Abschied wird mit sicher nicht ganz leichtfallen. Ich blicke aber sehr zuversichtlich auf die zukünftige Führung von Bechtle", sagt er.
Die Weichen für die Ära nach CEO Thomas Olemotz hat der Aufsichtsrat von Bechtle bereits vor Monaten gestellt. Nachfolger wird Konstantin Ebert, dessen Vertrag bis Ende 2028 vorzeitig verlängert wurde.
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