Eno Telecom und Gernot Teufel trennen sich

Von extern kommende Geschäftsführer haben es bei Eno Telecom nicht leicht. Der TK-Markt stagniert seit Jahren, ein Umbau des Distributors ist nötig – immer im Einklang mit den Vorstellungen des Eigentümers, der Familie Horstmann, die Peter Horstmann die Führung von Eno anvertraut.

Neuorientierung: Das Kapitel Eno Telecom ist nach vier Jahren für Gernot Teufel zu Ende (Foto: Eno)

Anders als der IT-Markt zeigt das Segment der klassischen Telekommunikation nur bedingt Wachstumspotenzial – und das schon seit einigen Jahren. Mobilfunkvermarktung und TK-Geräteabsatz sind im gesättigten Markt hart umkämpft, Distributoren versuchen mit zahlreichen Diensten wie etwa Mietmodelle, Cloudbereitstellung oder Reparaturdienstleistungen für den TK-Fachhandel Geschäftsfelder auf- und auszubauen sowie neue Kundengruppen zu erschließen. Vermehrt adressieren sie etwa Systemhäuser. Ihre Stärken sehen sie in der Logistik, öffnen sie bisweilen für Handelsunternehmen, die in anderen Branchen tätig sind. Gleichzeitig straffen sie Prozesse, werden beim Personal schlanker (auch in der Führungsspitze), um die Kosten im Griff zu halten, trennen sich von einst boomenden Geschäftsfeldern, bereinigen das Portfolio um unprofitables Geschäft bestimmter Hersteller, nehmen dafür neue Vendoren auf. Handel ist Wandel und trifft alle Großhändler.

Daher ist der sehr allgemeine Satz aus der aktuellen Pressemitteilung von Eno Telecom nicht nur auf Eno gemünzt, sondern kann als allgemeine Beschreibung einer Branche gelesen werden, die mit all diesen Herausforderungen konfrontiert ist. "Mit dem Fokus auf nachhaltige Transformation stärkt das Unternehmen seine Position im Markt und richtet sich konsequent auf die Zukunft aus."

Keine Danksagung

Man habe "das gesamte Management verschlankt", heißt es vom Distributor Eno aus Nordhorn. Im Klartext: Gernot Teufel ist als Geschäftsführer von seinem Posten entbunden, und zwar "im gegenseitigen Einvernehmen", wie es im dritten Absatz der Pressemitteilung steht. Ein dürrer Satz, ohne Danksagung an den Manager, den Eno im Frühjahr 2022 als langjährigen Branchenkenner nach Nordhorn holte. Teufel lehnte einen Kommentar dazu ab. Auf seinem Linkedin-Profil lautet der aktuelle Eintrag: "Neuorientierung. Sabbatical".

Kurzer Rückblick auf 2022

Auch damals stand Eno vor einem personellen Umbruch: Geschäftsführer Sven Hollemann wurde entlassen - Knall auf Fall, nachdem zuvor die Familie Horstmann die nächste Generation ans Unternehmen herangeführt hatte, was unter der Aufsicht des erfahrenen Distributionsmanager Hollemann geschehen sollte. Hollemann ist als Manager der klaren Worte bekannt, für den diplomatischen Dienst fehlte ihm wohl die nötige Geschmeidigkeit.

Peter und Hendrik Horstmann aus der Gründerfamilie Horstmann wurden anschließend zu Geschäftsführern installiert, ein fünfköpfiger Beirat aus langjährigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen (alle mit Prokura versehen) gebildet, um die Geschäftsführung "in wesentlichen Belangen der Firmenentwicklung zu unterstützen und so firmenübergreifend wichtige Impulse zu geben", hatte im Mai 2022 der neue GF Peter Horstmann erklärt.

Zwei Jahre später schied Hendrik Horstmann als GF aus. Peter Horstmann, 56, ist nach der nun bekannt gemachten Trennung von Teufel alleiniger Geschäftsführer der Eno Telecom.

Mehr Verantwortung für Sven Gösch

Sven Gösch, seit mehr als 12 Jahren bei Eno Telecom, ist neuer COO und Geschäftsleiter beim TK-Distributor aus Nordhorn (Foto: Eno)

Sven Gösch, der seit über 12 Jahren bei Eno ist und dem 2022 einberufenen Beirat angehörte, ist nun neuer "Chief Operating Officer (COO) und steuert künftig das komplette operative Geschäft bei Eno". Offiziell wird der 43-Jährige im Impressum der Firmenwebseite als Mitglied der Geschäftsleitung geführt. Zuletzt fungierte Prokurist Gösch als Leiter Einkauf und Produktmanagement.

Gösch steht durchaus vor "Herausforderung", die er in seiner neuen Aufgabe sieht. "Eno hat in den vergangenen Monaten einen weitreichenden Wandel durchlaufen. Es war ein anspruchsvoller Prozess, das Unternehmen neu zu strukturieren und gleichzeitig profitabel für die Zukunft aufzustellen", sagt er zu seiner neuen Funktion.

Und er skizziert diese Zukunft - neben dem klassischen TK-Geschäft: "Neben unserem starken Kerngeschäft im Bereich Mobile Devices bieten wir ein in der Branche einzigartiges, breites Sortiment, das unter anderem die Segmente SDA und HE umfasst, sowie einen spezialisierten Vertrieb für den Automotive-Bereich. Mit der Bündelung von Einkauf, Vertrieb & Marketing unter einer Verantwortung, schaffen wir zusätzliche Synergien, ermöglichen schnellere Entscheidungen und bieten die notwendige Voraussetzung für die nächsten Entwicklungsschritte".

Künftige Schwerpunkte bei Eno Telecom

"CEO" Peter Horstmann legt dar, was Eno schon vor einiger Zeit als Schwerpunkte festgelegt hatte (u.a. Verkauf der Netzvermarktung an Mobilezone, die Schweizer zogen sich wenig später vom deutschen Markt zurück, Ausbau der Logistik): "Neben unserem etablierten Hardware-Business setzen wir verstärkt auf Servicedienstleistungen. Mein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Bereich Logistik & Fulfillment, in dem wir in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich nationale wie internationale Kunden gewinnen konnten".

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