Also reagiert auf Börsenbeben vom Februar
Handfeste Zahlen will Also nicht nennen, aber das zugekaufte Geschäft der britischen Westcoast zeigt im ersten Quartal 2026 "eine positive Entwicklung". Die ungewöhnliche Meldung zeigt, wie sehr den Distributor die Abstufung durch Börsenanalysten von UBS getroffen hat.
Die Meldung am Donnerstagmorgen, "Westcoast zeigt starke Leistung als Teil von ALSO", ist vom Distributor recht allgemein gehalten. Sie gibt lediglich eine positive Tendenz wider, und zwar in Bezug auf das Geschäft der zugekauften britischen Westcoast-Gruppe, mit der Also zu einem der ganz großen europäischen Distributor aufsteigt und rund 15 Mrd. Euro Jahresumsatz generiert. "Das erste Quartal 2026 von Westcoast zeigt eine positive Entwicklung, liegt über Q1 2025 und spiegelt die Vorteile der engeren Zusammenarbeit mit ALSO wider", heißt es. Konkreter wird Also nicht, nennt auch keine Zahlen.
Sondern ein technisches Detail: Das von Westcoast eingesetzte ERP sei aus "strategischen und operativen Gründen" nicht abgelöst worden. Eine Schnittstelle zum zentralen System der Also Holding wurde aber eingerichtet. "Konsistentes Reporting und Business Intelligence" seien aber möglich.
Es folgt eine knappe, eher technokratische Erklärung von Thomas Meyerhans, der als COO des Konzerns die zentralen operativen Funktionen verantwortet. "Unser Konzept der katalytischen Integration ermöglicht es uns, Opportunitäten frühzeitig zu nutzen und gleichzeitig einen starken Fokus auf operative Exzellenz zu bewahren".
Was heißt das konkret? In erster Linie personelle Maßnahmen: erfahrene Westcoast-Führungskräfte übernehmen zentrale Funktionen innerhalb der Gruppe. Also nennt Bereiche wie Recht, Marketing, Finanzen und Vendor-Management.
Gemeinsam will man "erhebliches Wachstumspotenzial" heben: "getrieben durch ein breites Anbieter- und Produktportfolio sowie die Monetarisierung digitaler Plattformen". Also betreibt verschiedene Plattformen: Cloud, KI, IoT, Cybersicherheit und Virtualisierung.
Synergien sieht der Distributor vor allem bei der Zusammenführung der Geschäfte in Frankreich und das Cloud-Geschäft im Vereinigten Königreich. Bis Anfang Juli dieses Jahres sollen Logistik und alle Verträge zu Cloud-Anbietern vereinheitlicht sein.
Dazu Sunil Madhani, CEO von Westcoast: "Unsere Teams haben sich schnell an die Strukturen und Prozesse von ALSO angepasst und gleichzeitig die Agilität bewahrt, die unser Geschäft auszeichnet. Die Zusammenarbeit verläuft nahtlos und äusserst effektiv, und wir sehen bereits konkrete kommerzielle Vorteile".
Crash der Also-Aktie am 17. Februar
Spätestens zum Halbjahresbericht, den Also voraussichtlich am 21. Juli 2026 veröffentlicht, wird der Konzern Zahlen zum Umsatz und Ertrag nennen und näher belegen können, ob sich die Synergien mit Westcoast greifen. Vor allem, ob Also beim Umsatz und vor allem der Rentabilität weiter zulegen kann.
Die eher unspektakuläre Meldung heute ist eine Reaktion auf die eher vorsichtige Ebitda-Prognose auf 2026. Also hatte sie Mitte Februar veröffentlicht und damit ein Börsenbeben verursacht. Der Kurs der Aktie stützte am 17. Februar 2026 um beispiellose 31 Prozent ab. Die erhöhte Dividende auf 5,30 Schweizer Franken machte das im Wert drastisch gefallene Papier plötzlich für Renditejäger an der Börse attraktiv.
So richtig erholt hat sich die Also-Aktie von diesem Schwarzen Faschingsdienstag immer noch nicht. Vom Tiefststand dieses Jahres bei rund 133 Franken kletterte das Papier auf aktuell fast 149 Franken. Mitte Juli 2025 lag der Kurs bei 276 Franken
Vor allem die Herunterstufung der Also-Aktie durch Analysten der UBS Bank lastet auf dem Distributor. Nach Vorlage des Ausblicks für 2026 Mitte Februar halbierte UBS das Kursziel nahezu und setze es von 310 auf 170 Franken herunter. Der Londoner UBS-Analyst Christopher Tong hebt sich mit seiner Einschätzung von Branchenkollegen anderer Bankhäuser ab, die die Also-Aktie beim aktuellen Niveau für unterbewertet halten und ihre Kauf-Empfehlung beibehalten hatten. UBS dagegen senkte sie auf "neutral".
Transparenzhinweis: Der Verfasser dieses Artikels hält keine Positionen an der Also-Holding-Aktie oder entsprechender Derivate.
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