Also plant globale Expansion – Börse reagiert mit sattem Kursrutsch

Distributor Also hat viel Geld für weitere Expansionen in der Kasse, mit der größten Übernahme der Firmengeschichte sieht CEO Wolfgang Krainz seinen 15-Mrd.-Konzern bestens aufgestellt für den Weltmarkt. Den enttäuschenden Aktienkurs kompensiert der Vorstand - ein wenig - mit der 14. Dividendenerhöhung. Die Aktie von Also gibt am Dienstagmorgen kräftig nach.

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Also-CEO Wolfgang Krainz ist Europa zu klein geworden, er treibt die Expansion des Distributionskonzerns nach Zentralasien und den USA voran (Foto: CRN)

Also ist in Europa nun ein Distributionsschwergewicht mit seiner Präsenz in rund 30 Ländern: Die erstmals in der Bilanz 2025 vollständige Konsolidierung des übernommenen britischen Wettbewerbers Westcoast hat zu einem Umsatzplus von 39 Prozent auf 15,2 Mrd. Euro geführt, wie der Distributor heute seine Bilanz für 2025 vorstellt. Davon erlöst der Konzern 1,6 Mrd. Euro Cloud-Umsätze (plus 38 Prozent) und meldet 5,9 Mio. Nutzer, die auf diversen Plattformen angemeldet sind. Der größte Teil dürfte aus Abonnements von Microsoft stammen, die IT-Dienstleister über Also beziehen. Der Channel von Also besteht aus rund 140.000 Kunden. Also vertreibt Produkte und Lösungen von mehr als 800 Herstellern.

Nettogewinn sinkt

Der operative Gewinn 2025 kletterte um 22 Prozent auf 286 Mio. Euro (Ebitda), der Nettogewinn lag 110 Mio. Euro 8 Prozent unter Vorjahr (115 Mio. Euro). "Der Erfolg des Unternehmens basiert auf der Breite und Qualität seiner Geschäftsmodelle und einer klaren operativen Steuerung mit einer starken Kosten- und Cashflow-Disziplin. Das stringente Working Capital Management und kontinuierliche Effizienzsteigerungen haben sich bewährt und stärken die finanzielle Robustheit nachhaltig", kommentiert Also-Chef Wolfgang Krainz.

Seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr: Ebitda zwischen 300 und 340 Mio. Euro, die mittelfristige Aussicht - unter Berücksichtigung eventueller Akquisitionen: Ebitda zwischen 425 bis 525 Mio. Euro.

Globale Cloud-Expansion angestoßen

Weitere Übernahmen schließt der CEO nicht aus. Man werde "wie in der Vergangenheit ständig Akquisitionen prüfen", heißt es in der Meldung vom Dienstagmorgen. Der Cash-flow beträgt zum Stichtag Ende Dezember 830 Mio. Euro – ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Stichtag des Vorjahres.

Auch außerhalb von Euro sucht Also nun verstärkt nach neuen Märkten. Türöffner und Brückenkopf sind die Cloud-Plattformen des Distributors. So hat Also neue Gesellschaften für sein Cloud-Geschäft in den USA, Dubai, Kasachstan und Usbekistan gegründet. Es sei gelungen "bereits nach kurzer Zeit lokale Ökosysteme zu entwickeln und erste geschäftliche Erfolge zu realisieren", heißt es im Geschäftsbericht. "Durch die Nutzung etablierter Prozesse und des leistungsfähigen Also Cloud Marketplaces konnten frühzeitig neue lokale Reseller gewonnen und ein schneller Marktzugang geschaffen werden".

Die bestehende Cloud-Gesellschaft in Dubai werde in diesem Jahr den Markteintritt in den Vereinigten Arabischen Emiraten vollziehen. Weiterer Cloud-Gesellschaften würden in Aserbaidschan, der Ukraine und Saudi-Arabien gegründet. "Diese Märkte bieten hohes Wachstumspotenzial und eine steigende Nachfrage nach Cloud-Services".

Westcoast-Übernahme

In Europa sorgte Also mit der Übernahme von Westcoast, im Juli 2024 vom damaligen Also-CEO Gustavo Möller-Hergt und Westcost-Chef Joe Hemani eingefädelt, für Schlagzeilen – und zerstörte Luftschlösser beim Wettbewerber. Es war die bis dato größte Akquisition des Schweizer Distributionskonzerns. Zuvor hatte TK-Distributor Komsa den Einstieg von Westcoast bei den Hartmannsdorfern gemeldet. Der Deal aber kam so nicht zustande, weil nicht Westcoast, sondern Joe Hemani als Privatinvestor die Komsa-Anteile der Familie des Unternehmensgründers Gunnar Grosse übernommen hatte. Der damalige Komsa-Chef Pierre-Pascal Urbon sah sich in einer "Wachstumsfalle", weil zu sehr auf den deutschen Markt fokussiert.

Also hatte bei der Integration von Westcoast einen "bewusst neu entwickelten Ansatz" gewählt und den Fokus "auf dem Erhalt bestehender Stärken sowie auf der gezielten Optimierung von Prozessen, digitalen Vertriebskanälen und dem Vorratsmanagement" gelegt, "mit dem Ziel, die Margen nachhaltig zu steigern". Einen Teil des Verkaufspreises für die Westcoast-Gesellschaften erhielt Joe Hemani in Also-Aktien, so dass er bei Also investiert ist und zudem Hauptgesellschafter bei Komsa ist.

Diese ungewöhnliche Gesellschaftervermengung kommentierte Also im März vergangenen Jahres lediglich mit dem Hinweis, man wolle die Zusammenarbeit mit den Hemani gehörenden Firmen intensivieren, "um zusätzliches Potenzial zu erschließen". Eine weitergehende Zusammenarbeit ist wohl nicht erfolgt.

Börse reagiert mit zweistelligem Minus auf Geschäftszahlen

Mit Blick auf die Börse können Also-Aktionäre nicht zufrieden sein. Die Veröffentlichung der Zahlen am heutigen Dienstagmorgen löst einen kräftigen Kursrutsch aus: Die Also-Aktie sackt am Diensttagmorgen um 18 Prozent ab und verliert fast 35 Schweizer Franken auf 159 Franken (10 Uhr) – so schlecht wie zuletzt während der Corona-Pandemie im Mai 2022. "Aufgrund der sehr soliden finanziellen Lage" werde der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Erhöhung der Dividende auf 5,30 Franken je Aktie vorschlagen. Es ist die 14. Dividendenerhöhung in Folge.

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