7 Einblicke in das "Betriebssystem" der MSP-Community von Pax8
Rund 1.700 Besucher, darunter 1.100 MSPs aus der ganzen Welt, besuchten die Beyond EMEA in Kopenhagen von Pax8. Warum dieses Event in Zeiten des Umbruchs der IT-Service-Branche mehr ist als nur eine Hausmesse.
EMEA-Konferenz? Bloß keinen Rückstand riskierenDie meisten der rund 1.100 MSP-Teilnehmer der Beyond 2026 in Kopenhagen kamen aus Europa, darunter viele aus UK, Niederlande und rund 110 aus Deutschland. Es waren aber auch circa 100 aus den USA und Kanada, sowie rund 50 aus dem asiatisch-pazifischen Raum (APAC) da. Warum? Wo doch die Premiere in Sydney 2027 (14. bis 16. März 2027) und die Flaggschiff-Beyond kommenden Sommer (6. bis 8. Juni 2027) in Chula Vista bei San Diego stattfinden? Es hat etwas mit der Geschwindigkeit der KI-Entwicklung zu tun und damit, dass es Partner gibt, die die Nase vorne haben wollen und zu jeder Beyond anreisen, egal, wo auf welchem Kontinent sie sich mit Pax8 und der MSP-Community vernetzen können.
Alle Teilnehmer, die in Kopenhagen dabei waren, haben nämlich noch während des Events in der dänischen Hauptstadt einen Early-Bird-Zugang zur Pax8-Pattform 8os und 8bot bekommen und ihr Konto wurde mit 1.000 US-Dollar Guthaben aufgeladen. "Ich ein paar Monaten kann sehr viel passieren", sagt Pax8-Europachef Harald Nuij im CRN-Gespräch. Einen potentiellen Rückstand wollen manche Partner auf ihrer "AI Journey" eben nicht riskieren. Das passt ganz ausgezeichnet zum Appell von Libby McIlhany, Chefin der Produktentwicklung bei Pax8, an die Partner, mit 8os und 8bot anzufangen: "Stop talking, let's building".
"Aha-Moment" nach Gesprächen mit MSPs
Pax8 habe sich Anfang dieses Jahres entschieden, ein eigenes KI-Betriebssystem zu entwickeln, nachdem man im Markt keine Lösung gefunden habe, die alle Tools für die "agentic workforce" in einer Plattform vereint, die man managen, einfach zu bedienen und Bots schnell erstellen sowie ausrollen kann, sagt McIlhany gegenüber CRN.
Pax8 höre auf die Bedürfnisse der MSPs, das sei "extrem wichtig", so die Managerin. An den MSPs vorbeientwickeln wolle Pax8 nicht. Zukaufen, wenn die Software eines Unternehmens für diese spezielle Zielgruppe nicht passt, erst recht nicht "Wir sahen keine andere Lösung im Markt, die Tokens, Agents, Budgets, Kostenmanagement, Governance und Kontrolle vereint". In den Gesprächen mit MSPs habe sie einen "Aha-Moment" erlebt, der zur Entscheidung für die Entwicklung von 8os im eigenen Haus geführt habe. Im Sommer fiel dann laut McIlhany eine weitere Entscheidung für 8bot, das "Betriebssystem" für agentisches Arbeiten. Über MCP-Server von Pax8 können MSPs Daten aus ihren Systemen mit 8os verbinden - eine "enorme API-Beschleunigung", so McIlhany, die seit 5 Jahren für Pax8 arbeitet und übrigens auch ein bisschen deutsch spricht.
Die Preise für die Nutzung der 8bots stehen noch nicht fest. "Das Preismodell legen wir später fest. Wir wollen zunächst die Erfahrungen der Partner sehen und berücksichtigen", sagt McIlhany.
Was kommt als Nächstes?
Beyond-Kunden in Kopenhagen haben den Status eines Early-Birds und können sofort mit 8os und 8bots loslegen. Andere Partner müssen auf die allgemeine Verfügbarkeit warten, die McIlhany für Jahresanfang 2027 in Aussicht stellt. Bis dahin fließt weiteres Feedback in die KI-Entwicklung. Plattformen sind eigentlich nie fertig, sie werden "on a flight" innoviert. Ein durchaus großer Schritt wäre es, wenn neben 8bots von Pax8 Lösungen von Dritten angeboten würden. Wenn also Partner eigene Agents in die KI-Plattform integrieren und verwalten könnten, die sie beispielsweise für bestimmte Prozesse bei Kunden entwickelt haben? "Ja, das ist vorgesehen", so McIlhany.
Und mehr noch: Pax8 wird es Partnern ermöglichen, eigene agentische Lösungen in seine Plattform zu stellen. 8os wird also auch ein Vertriebskanal für Lösungen der Partner werden.
Wettbewerber zu Herstellern?
Mit der Entwicklung von 8os und 8bot stellt sich die Frage, ob Pax8 sich in Richtung eines Softwareherstellers entwickelt, und wenn ja, tritt man dann nicht in eine Wettbewerbssituation mit den Herstellern ein, die Pax8 im Portfolio führt.
"Ein Stück weit werden wir Software-Anbieter", sagt McIlhany. "Ich würde aber sagen, dass 8os und 8bot Ergänzungen zu den Lösungen unserer Hersteller sind. Konflikte sehen wir keine", so die Entwicklungschefin.
Kein Wettbewerber also, vor allem nicht zu Microsoft, dem größten Anbieter im Pax8-Portfolio, der vermutlich den größten Anteil zum Umsatz von Pax8 beiträgt.
Umsatzentwicklung und Expansionspläne
Wie hoch der ist, will EMEA-Chef Harald Nuij nicht verraten, sagt aber, dass Microsoft ein "höchststrategischer Partner" für Pax8 sei – einer der vier Titanium-Sponsor der Beyond in Kopenhagen (zudem: Crowdstrike, Hornetsecurity und Sentinelone) und weiteren rund 50 Edelmetall-Sponsoren, die allesamt mit Ständen vertreten waren – neben weiteren Herstellern, die zur Refinanzierung der mehrere Millionen Euro teuren Konferenz beitragen.
Stand 2024 bestätigte Nuij CRN einen Umsatz von rund 2 Mrd. US-Dollar für das rund 1.900 Mitarbeiter zählende Unternehmen. Das Update dazu: man sei zweistellig gewachsen, auf 2,5 Mrd. Dollar jährlich wiederkehrende Einnahmen (ARR). "Wir gewinnen Marktanteile", so der Manager.
Deutschland habe zuletzt ein "sehr starkes Wachstum" gezeigt, das Geschäft in UK laufe "hervorragend". Man sehe keine Marktsättigung, im Gegenteil: "Es geht immer weiter aufwärts", so Nuij. Mit der Arbeit des DACH-Teams unter Führung von Thorsten Oevel ist der Europa-Chef sehr zufrieden. Noch stärker zugelegt habe man in Schweiz. Zurückzuführen vor allem darauf, dass Distributor Alltron seinen CSP-Status von Microsoft verloren hatte und dieses Geschäft von Pax8 übernommen wurde.
Weitere Länder wird Pax8 kommendes Jahr erschließen, bzw. Teams aufstocken wie in Österreich und Spanien. Auch in Italien sondiert bereits ein Kollege den dortigen Markt. "Wir richten unseren Expansionsfokus 2027 mehr in die südlichen Länder Europas", so Nuij.
Zudem wächst Pax8 mit jedem neuen Hersteller im Portfolio. Ganz neu und auf der Beyond in Kopenhagen verkündet wurde die Partnerschaft mit Google für Workspace- und Chrome-Enterprise. Die Pressemitteilung dazu ist noch in Vorbereitung.
"They Call us a Distributor. They were Wrong"
Wie kein anderer Distributor … . Sorry, fast hätte CRN das verbotene Wort in den Mund genommen. Pax8 will so nicht klassifiziert werden, will auf gar keinen Fall in den Topf mit "alten Distributoren" geworfen werden. "They Call us a Distributor. They were Wrong", steht in der spektakulären Anzeige der New York Times, die damals im März 2024 für einiges an Aufsehen im Channel gesorgt hatte. "They", das war auf die Broadliner gemünzt, die "alten Wein in neuen Schläuchen" verkaufen würden, so Pax8-CEO Scott Chasin, der sich das Bashing gegen die zweit weltweit größten Distributoren viel Geld hatte kosten lassen.
CRN kennt derlei Umdeutungsversuche, die es immer wieder in Zeiten des technologischen Umbruchs gab und gibt. Nun wird man weder per Zeitungsanzeige noch per Deklamation oder sonstiger Verbalmethoden des Framings ein anderes Unternehmen als das, was man ist: Software-Lieferant und Anbieter von Dienstleistungen für den Channel.
Natürlich bekommen Systemhäuser und MSPs bei Pax8 Lizenzen, oft sogar "teurer als beim Wettbewerb", so ein MSP gegenüber CRN. Warum er dennoch zu Pax8 gewechselt sei, wo er doch in Westfalenseinen Firmensitz hat und ihm als Westfale sofort ein großer Distributor und CSP-Partner von Microsoft einfallen müsste?
Community-Building - Das Netzwerk rund um Pax8
"Wir wollten nicht nur einen Lieferanten haben, sondern einen Partner, der uns in der Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells hilft", so Markus Gratopp, Inhaber von Gratopp.it gegenüber CRN, der anmerkt, dass sich sein Haus mit aktuell rund 40 Bechäftiugten zu einem "Managed Intelligence Provider" (MIP) entwickelt habe. Später steht er mit Harald Nuij auf der Bühne der Beyond in Kopenhagen und berichtet über den Weg seiner Transformation. Pax8 reitet diesen Weg und viele kleinere Häuser folgen, weil sie sich schwertun, KI-Lösungen einzusetzen und als Dienstleistung an ihre Kunden zu verkaufen.
Pax8 hat einen Cloud-Marketplace, nun eine Plattform für die Einführung und Verwaltung von KI-Lösungen. Endkundengeschäft gibt es nicht, auch keine Pläne, dass IT-Dienstleister und MSPs ihre Kunden zur Beyond mitbringen können. Pax8-Account gehen auf Wunsch eines Partners mit ins Kundengespräch, mehr aber auch nicht. Pax8 biete "umfassendes Enablement" und "direkte Hilfe" für Partner an, sorge für den "wertvollen Austausch untereinander", so Gratopp im Hintergrundgespräch mit CRN. Auf der Abschluss-Party am Dienstagabend wird er sich lange mit Werner Leibrandt unterhalten.
Über 20 Jahre hatte der Top-Manager und ehemalige Leiter des Mittelstandsgeschäfts für Microsoft in Deutschland und Redmond gearbeitet. Seit Jahresbeginn ist Leibrandt COO und Mitgesellschafter bei der Systemhaus-Holding Axaitra, die gezielt größere Microsoft-Partner aufkauft (CRN-Artikel folgt). Nur so viel vorab: Axaitra hat in DACH mehrere Systemhäuser gekauft, steht für rund 500 Mitarbeiter und hat den handverlesenen Status eines Frontier-Partners von Microsoft. Seit kurzem gehört Axaitra zur Pax8-Community. "Pax8 ist für uns ein strategischer Partner", sagt Leibrandt in Gespräch mit CRN.
Peer-to-Peer, wie man neudeutsch den Austausch unter Geschäftsführern und Mitarbeitern nennt, die im gleichen Markt unterwegs sind und vor gleichen Herausforderungen stehen, ist das Gebot der Stunde. Pax8 ist nicht nur Teil dieser MSP-Community. Pax8 gibt MSPs und Systemhausnetzwerken wie GTIA und insbesondere der größten Microsoft-Community IAMCP Raum für Vernetzung - Community in der Community, sozusagen, wenn Kooperationen auf der Beyond vertreten sind.
Teil dieser Community zu sein, ist keine Folklore. Natürlich unterhält man sich bisweilen über alte Zeiten. Und das ist auch gut so. Aber dort stehen zu bleiben, will und kann sich niemand leisten.
Community ist wichtig, weil sie nämlich eines schafft, was KI nicht kann, so innovativ die Technologie auch sein mag: Vertrauen schaffen und Vertrauen stärken. "Trust" wurde in vielen der rund 90 Präsentationen und Sessions genannt und einmal mehr auf der Beyond in Kopenhagen beschworen und wohl auch gefestigt. Dieser Gemeinschaftsgeist eines sehr internationalen MSP-Netzwerks wird auf der Beyond EMEA kommendes Jahr in Madrid (3. bis 5. Oktober 2027) wieder zu spüren sein.
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