Proofpoint-CEO zur IT-Sicherheit vor KI: "Das Problem ist nicht klein"
Absicherung des "agentischen Arbeitsraums" durch Technologie ist für Sumit Dhawan eine absolute Notwenigkeit. Denn jedes Gespräch, das der Proofpoint-CEO weltweit führt, dreht sich um diesen Punkt. Welche Strategie der Security-Anbieter verfolgt und warum das Partner-Ökosystem wichtig ist, lesen Sie im exklusiven Interview mit CRN.
Für Sumit Dhawan, CEO von Proofpoint, verändert KI den Cybersecurity-Markt rasant. Da KI mit den Daten, auf die sie zugreift, immer leistungsfähiger wird, sieht Dhawan darin ein neues Problem, das Unternehmen dringend angehen müssen.
Konkret: Während Daten die Grundlage für KI bilden, wird der Zugriff auf Menge und Art dieser Daten für Unternehmen weltweit zu einer zentralen Frage. Dhawan erklärt, dass die Absicht der KI überprüft werden müsse, damit sichergestellt wäre, dass sie im Sinne des eingegebenen Prompts korrekt handelt.
"Es handelt sich um ein Intent- und Zugriffsproblem, das eng miteinander verknüpft ist. Dieser gesamte Problemkomplex muss von den Kunden gelöst werden. Und das Problem ist nicht klein. Es ist groß genug, um unsere Strategie, unsere Roadmap und unsere Investitionen maßgeblich zu bestimmen", sagt der CEO von Proofpoint.
Im exklusiven Gespräch mit unserer Schwesterpublikation CRN Asia während seines Besuchs in Singapur erklärte Dhawan, dass es heute nicht nur souveräner Angebote für KI und Sicherheit bedürfe, sondern auch kontinuierlicher Forschung und Entwicklung, um diesen neuen agentischen Arbeitsraum für Unternehmen abzusichern. Genau das treibe auch Proofpoints Strategie für die Zukunft an.
Alles dreht sich "Absicherung eines agentischen Arbeitsraums"
"Als KI-Agenten vor etwa neun Monaten Realität wurden, haben wird intensiv darüber nachgedacht, wie wir einen Schutz auf Verhaltens- und Intent-Ebene für KI-Agenten sicherstellen können. Denn diese arbeiten autonom, nicht deterministisch und greifen auf Informationen zurück, die überall im Unternehmen gespeichert sind. Kunden berichten uns von ihren Herausforderungen bei der Einführung von KI und fragen, wie sie sicherstellen können, dass ihre Daten geschützt sind“, so Dhawan.
Strategische Einführung und Absicherung von KI komme in nahezu jedem Kundengespräch, das der CEO weltweit führt, zur Sprache – auch in Singapur. "Wir nennen das die Absicherung eines agentischen Arbeitsraums. Denn sobald man KI einführt, hat man einen agentischen Arbeitsraum. Deshalb ist inzwischen jedes Gespräch eine Diskussion darüber, wie KI strategisch eingeführt und zugleich sicher für das Unternehmen nutzbar gemacht werden kann", betont der Manager.
Die Rolle der Partner
Vor diesem Hintergrund erklärte Dhawan, dass die Rolle der Partner äußerst wichtig werde, da sie Unternehmen dabei unterstützen können, ihren Weg zur Absicherung ihrer KI zu finden.
"Partner können sowohl strategisch als auch operativ eine ziemlich wichtige Rolle dabei spielen, Kunden von ihrem aktuellen Stand dorthin zu bringen, wo sie sein müssen. Allerdings ist das angesichts der Geschwindigkeit und Dynamik des Wandels nicht einfach. Das Wichtigste für Partner ist derzeit, sich zunächst intensiv mit der Technologie auseinanderzusetzen. Die Entwicklung verläuft sehr schnell. Ohne ein Verständnis der Technologie können Partner ihre zentrale Rolle bei der technischen Enablement-Arbeit kaum ausfüllen", so Dhawan.
Er erwähnt außerdem, dass Proofpoint bestimmte Partner häufig in Proofs of Concept und frühe Experimente einbinde, die das Unternehmen mit ausgewählten Kunden durchführt. Durch diese Maßnahmen könne Proofpoint in der Regel Technologieverständnis und ein Bewusstsein für den Mehrwert bei den Partnern aufbauen.
"Partner wollen mit KI stärkere Geschäftsmodelle aufbauen. Wir verzeichnen großes Interesse seitens der Partner daran, KI zu verstehen und dazuzulernen, damit sie die richtigen Lösungen in den Markt bringen können. Für Partner ist jetzt der ideale Zeitpunkt, ihre Fähigkeiten, Teams und Talente im Bereich Absicherung und Schutz von KI und Daten weiterzuentwickeln. Und sie haben bereits Partnerschaften mit Anbietern wie uns – daher ist es für sie naheliegend, auf bestehenden Beziehungen aufzubauen", fügt Dhawan hinzu.
Für Dhawan sind Partner zudem entscheidend für Proofpoints Go-to-Market im Mittelstand und bei kleineren Organisationen. "In dieser Region ist das ein sehr großer Bereich. Genau hier kommen auch Partner ins Spiel. Wir werden niemals genug investieren können, um jeden Kunden direkt zu betreuen – insbesondere, wenn es um technische Expertise geht. Unser Partnerökosystem hat das in der gesamten Region sehr gut geleistet. Wir bringen unsere Lösungen ein, befähigen unsere Partner, und deshalb ist es für uns extrem wichtig, sie zu unterstützen und erfolgreich zu machen, damit sie diese Reichweite zu den Kunden sicherstellen können", sagt er.
Nächste Seite: "Ich schätze Übernahmen, bei denen wir Technologien integrieren können, die außerhalb von Proofpoint entwickelt wurden" … .
CRN: Was ist Ihre Botschaft an Kunden, die noch herausfinden wollen, wie sie dieses KI-Problem angehen sollen?
Sumit Dhawan: Sehen Sie, jeder hat erkannt, dass man sich der KI nicht in den Weg stellen kann, weil sie Priorität auf Vorstandsebene hat. Sie ist eine Priorität für CEOs, und Cybersecurity- sowie Technologieteams müssen einen Weg finden, KI zu ermöglichen. Außerdem müssen sie die Governance von KI betrachten – zunächst als Prozess und Gremium, was ein guter Ausgangspunkt ist. Die gute Nachricht ist: Es gibt inzwischen Technologieplattformen und Lösungen, mit denen sich diese durch Gremien definierten Prozesse in technische Lösungen überführen lassen. Diese können mit Menschen in der Entscheidungsschleife betrieben werden, um das Verhalten von KI zu steuern und sicherzustellen, dass ein angemessenes Gleichgewicht und Zugriffsniveau auf Daten für KI besteht.
Erstens also: Stellen Sie sich der KI nicht in den Weg.
Zweitens: Wenn Sie einen Prozess haben, überführen Sie diesen stärker in Technologie und Lösungen, um das Konzept des agentischen Arbeitsraums und dessen Absicherung mithilfe technologischer Lösungen umzusetzen. Diese Technologien sind heute verfügbar. Vor einem Jahr waren sie das noch nicht. Genau darauf konzentrieren wir uns, und wir würden gerne mit Unternehmen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass ihnen das gelingt.
CRN: Suchen Sie auch Partnerschaften mit anderen Technologieanbietern, um gemeinsame Lösungen und Funktionen anzubieten?
Dhawan: Unsere Lösung ist bis zu einem gewissen Grad eine Cybersecurity- und Governance-Plattform. Deshalb integrieren wir eng in drei Bereichen: Unsere Technologie mit Datenplattformen, weil wir die Daten schützen müssen; mit KI-Plattformen, wozu Partnerschaften mit OpenAI, Anthropic, Databricks und weiteren Agentenentwicklungs- und KI-Plattformen gehören; mit anderen Cybersecurity-Lösungen, denn wenn jemand behauptet, ein einzelner Anbieter könne ein vollständiges Lösungspaket bereitstellen, ist das aus unserer Sicht ein ziemlich problematischer Weg und könnte am Ende zu einer kompromittierten Lösung führen.
Das, was wir tun, machen wir nach meiner Meinung nach am besten im Markt. Gleichzeitig bieten wir Integrationen mit anderen Anbietern aus Bereichen wie Netzwerksicherheit oder Endpoint-Security. Wir integrieren uns in diese Lösungen, damit Unternehmen am Ende die besten und zugleich integrierten Plattformen erhalten. Das ist unsere Partnerschafts- und Ökosystemstrategie.
CRN: Welche Busteine in dieser Strategie fehlen noch?
Dhawan: Wir kündigen kontinuierlich neue Partnerschaften an. Kürzlich haben wir eine vertiefte Partnerschaft mit OpenAI auf Basis der APIs bekannt gegeben. Eine ähnliche Partnerschaft haben wir mit Anthropic und deren APIs geschlossen. Wir suchen fortlaufend nach weiteren Integrationen – mit dem klaren Ziel: agentischen Arbeitsraum abzusichern.
CRN: Proofpoint hat in der Vergangenheit mehrere Übernahmen getätigt [u.a. Hornetsecurity aus Hannover, CRN Deutschland]. Werden Sie weitere Akquisitionen anstreben?
Dhawan: Auch wenn ich stolz auf all die organische Innovation bin, die wir leisten, wissen wir zugleich, dass viele kluge Köpfe kontinuierlich die Bedürfnisse der Kunden analysieren und Technologien entwickeln. Ich schätze Übernahmen, bei denen wir Technologien integrieren können, die außerhalb von Proofpoint entwickelt wurden. Häufig suchen deren Gründer nach einer Möglichkeit, ihre Technologie schnell von Tausenden Kunden einsetzen zu lassen. Wenn wir diese Technologie in Proofpoint einbringen können, unterstützt das unser Ziel und unsere Mission, den agentischen Arbeitsraum als Bestandteil unserer Plattform abzusichern.
Wenn wir es Kunden erleichtern können, diese Lösungen als Teil der Plattform zu übernehmen, begrüßen wir das. Deshalb sind wir immer auf der Suche. Ich verbringe einen beträchtlichen Teil meiner Zeit damit, Gründer zu treffen und laufend zu prüfen, was sinnvoll ist. Ich sehe es als Teil meiner Aufgabe, sicherzustellen, dass wir alles, was für unsere Kunden sinnvoll ist und was wir nicht selbst entwickeln, in die Proofpoint-Familie holen und unseren Kunden als Teil unserer Plattform bereitstellen.
Derzeit kündigen wir nichts an. Aber ganz grundsätzlich: Üblicherweise haben wir alle sechs bis neun Monate eine Akquisition getätigt. Ich denke, dass wir bei Technologieübernahmen wahrscheinlich in etwa bei diesem Rhythmus bleiben werden. Aber um ehrlich zu sein: wir betrachten das nicht rein kalendarisch, aber grob läuft es darauf hinaus, dass wir etwa alle sechs bis neun Monate eine Übernahme umsetzen können.
CRN: Was steht als Nächstes für Proofpoint an?
Dhawan: Zunächst einmal befinden wir uns in einem sich rasant entwickelnden Bereich. Für mich ist die große, breit angelegte Vision, die wir formuliert haben, sehr umfassend: den agentischen Arbeitsraum abzusichern und unseren Kunden eine echte Plattform zum Schutz vor KI-getriebenen Bedrohungen sowie zur sicheren Nutzung von KI bereitzustellen. Denn genau diese beiden Komponenten machen den agentischen Arbeitsraum aus. Es gibt Fähigkeiten, die auf unserer Roadmap am Horizont stehen. Wir freuen uns darauf, einige davon auf der Proofpoint Protect Conference vorzustellen [21. bis 23. September in San Diego / Kalifornien, CRN].
Der Beitrag erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation CRN Asia.
CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden