Project Perception: Microsoft erweitert Security-Angebot für Partner

Mit dem Project Perception gibt Microsoft den Partnern neue KI-Werkzeuge an die Hand, mit denen sie die im Rahmen von Security Operations bei Kunden gewonnenen Erkenntnisse direkt in konkrete Korrekturen umwandeln können. Ab Anfang nächster Woche können sie diese als Private Preview testen.

(Foto: Microsoft)

Microsoft will seine unter dem Namen "Project Perception" laufenden agentischen Sicherheitssysteme am 3. August in eine Private Preview überführen. Cybersecurity-Fachkräfte sollen damit eine neue Möglichkeit erhalten, künstliche Intelligenz gegen Angreifer einzusetzen, die ihrerseits immer häufiger und auf neue Weise KI nutzen. Für Security-Solution-Provider im mehr als 500.000 Partner umfassenden Ökosystem des Anbieters aus Redmond im US-Bundesstaat Washington bietet Project Perception die Möglichkeit, über das Management von Security Operations Centern hinauszugehen und Probleme schneller zu beheben.

Das sei besonders wichtig in einer Zeit, in der Partner nicht schnell genug Security-Fachkräfte einstellen können, erklärte Scott Woodgate, General Manager Microsoft Security, im Gespräch mit CRN. Weiter führte er aus, Project Perception könne die Margen von Security-Partnern steigern – durch KI-Agenten, die als Mitglieder eines Red Teams, Blue Teams oder Green Teams agieren. Damit sind Sicherheitsteams gemeint, die Angreifer simulieren, Abwehrmaßnahmen übernehmen beziehungsweise Maßnahmen zur Behebung umsetzen.

"Die Chancen für Partner waren nie größer", zeigte sich Woodgate überzeugt. "Einige Partner betreiben bereits Security Operations für Kunden, haben aber bislang noch nicht die Gelegenheit genutzt, die Erkenntnisse daraus in konkrete Korrekturen im System umzusetzen. Jetzt verfügen sie über die Werkzeuge, um das End-to-End zu leisten – und sie haben auch die Fachleute dafür. … Damit ergibt sich die Chance, Kunden zu schützen und zugleich zu wachsen."

Startschuss für die Private Preview von Project Perception

Woodgate und weitere Microsoft-Security-Manager sprachen mit CRN während einer Auftaktveranstaltung für Project Perception, die am Montag in San Francisco stattfand. Kelly Yeh, Präsident des Microsoft-Solution-Providers Phalanx Technology Group mit Sitz in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia, sagte CRN in einem aktuellen Interview, sein Unternehmen verzeichne eine steigende Nachfrage nach Schulungen rund um Sicherheit und Nutzer-Endpunkte – und setze dabei nicht nur auf Tools von Microsoft, sondern auch auf Technologie von Drittanbietern.

Yeh hat deshalb mit seinen Kunden daran gearbeitet, Sicherheitsschulungen verpflichtend zu machen und zu überprüfen, ob Nutzer diese absolviert haben. Wenn der Kunde dies wünscht, kann das Nichtabschließen von Sicherheitsmodulen negative Auswirkungen auf Leistungskennzahlen von Mitarbeitern haben, die für Gehaltserhöhungen und Boni relevant sind.

Kunden dabei zu unterstützen, verpflichtende Mitarbeiterschulungen und die Durchsetzung von Richtlinien mit Phishing-Tests und weiteren Sicherheitsberichten messbar zu machen, könne ihnen auch bei Versicherungsfragen Vorteile bringen, unterstrich er. "Man kann ihnen Kennzahlen liefern. Das kann erstens helfen, die Versicherungskosten zu senken. Und zweitens: Wenn es doch zu einem Sicherheitsvorfall kommt, macht es die Police durchsetzbar. Es gibt der Versicherungsgesellschaft keinen Ausweg."

Project Perception: Arbeitsweise und Preismodell

(Foto: Microsoft)

Während frühe Leaks zu Project Perception vor allem dessen Fähigkeiten zur Aufdeckung von Schwachstellen in den Mittelpunkt stellten, zeige die tatsächliche Breite des Systems Microsofts Stärke als Security-Anbieter, erläuterte Woodgate. Dafür umfasst Project Perception laut Anbieter speziell entwickelte KI-Modelle, darunter Microsofts MAI-Cyber-1, organisatorischen Kontext, Signale und Sensoren über die gesamte IT-Umgebung hinweg, ein Orchestrierungs-Framework sowie Aktuatoren, die KI-Agenten dabei helfen, auf Basis einer Entscheidung zu handeln. Zudem soll Project Perception mit Microsofts generativer, KI-gestützter Chat-Oberfläche Security Copilot zusammenarbeiten.

Wie Security Copilot basiert auch Project Perception auf einem verbrauchsabhängigen Pay-as-you-go-Preismodell, das in Microsoft Security Compute Units gemessen wird. Agenten verbrauchen SCUs nicht in gleicher Geschwindigkeit; die Intensität der jeweiligen Aufgabe beeinflusst laut Microsoft den Verbrauch. Nutzer von Microsoft Defender werden innerhalb des Tools Zugriff auf die Multi-Agenten-Abwehr von Project Perception erhalten. Im Laufe der Zeit soll Project Perception laut Anbieter auf weitere Microsoft-Sicherheitsprodukte ausgeweitet werden.

Aleš Holeček, seit mehr als 22 Jahren bei Microsoft und im Februar zum President und Chief Architect von Microsoft Security befördert, sagte CRN bei dem Event, Project Perception könne Sicherheitsteams dabei unterstützen, ihre vorhandenen Fähigkeiten zu erweitern und zugleich niedrigschwellige Aufgaben zu automatisieren, damit sie sich auf größere Security-Herausforderungen konzentrieren können. "Unser Ziel mit Perception ist es, [Security-]Fachleuten zu helfen, ein etwas normaleres Leben zu führen", so Holeček. "Es ist ein sehr schwieriges und herausforderndes Umfeld, in dem man rund um die Uhr bestehen muss."

Microsoft sei damit aus seiner Sicht der Anbieter im Sicherheitsbereich, auf den man setzen sollte. Gründe dafür seien insbesondere die enorme installierte Basis des Unternehmens, ausgestattet mit Sensoren für Sicherheitssignale, die auch Abhilfemaßnahmen durchführen können, sowie eine Intelligenzschicht in der Mitte, die dabei helfe, Sicherheitskontext in Echtzeit zu verwalten.

Microsoft verspricht Partnern Umsatzchancen durch agentische Sicherheit

Parallel zu den Ankündigungen zu Project Perception sind die meisten Systemhäuser und anderen Partner derzeit noch damit beschäftigt, die zahlreichen neuen Partnerförderungen und Vorteile einzuordnen, die der Anbieter mit dem Beginn seines neuen Geschäftsjahres zum 1. Juli eingeführt hat. Am Mittwoch will Microsoft seine jüngsten Geschäftsergebnisse präsentieren.

Während der jüngsten digitalen Veranstaltung Microsoft Customer and Partner Solutions (MCAPS) Start for Partners erklärte Aarti Borkar, Corporate Vice President of Customer Success für Microsofts mehr als 20 Milliarden US-Dollar schweres Security-Geschäft, dass Ökosystempartner mit den neuen Möglichkeiten 60 bis 70 Prozent der Cybersecurity-Vorfälle automatisch lösen und dadurch ihren Umsatz steigern könnten, ohne die Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Große Enterprise-Security-Partner, die auf Services mit geistigem Eigentum, White-Labeling und Co-Managed-Angeboten setzen, verzeichnen demnach ein Umsatzwachstum von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Managed-Service-Provider wachsen um 24 Prozent. Bei kleinen und mittelgroßen Partnern liegt das Gesamtwachstum im Jahresvergleich bei 23 Prozent und das Wachstum im Bereich Managed Services bei 42 Prozent. "Und wir erwarten im Zeitalter agentischer Sicherheit noch mehr Potenzial, denn diese Zahlen berücksichtigen die agentische Chance noch gar nicht. Diese wird weiter wachsen, wenn der adressierbare Markt weiter expandiert", prognostizierte sie.

Ende Juli stellt Microsoft laut Anbieter für seine vier Security-Spezialisierungen – Cloud Security, Data Security, Identity and Access Management sowie Threat Protection – auf ein auditbasiertes Modell um. Außerdem entwickelt der Hersteller eine neue Spezialisierung für agentische Sicherheit für Partner, die KI nutzen, um Bedrohungen mit Maschinengeschwindigkeit zu erkennen, zu untersuchen und darauf zu reagieren, kündigte Steve Thomas, Director im Offers-and-Benefits-Team des Microsoft AI Cloud Partner Program (MAICPP), während der Veranstaltung an.

Microsoft hat in diesem Geschäftsjahr zudem seine Security-Post-Sales-Investitionen in Partner vervierfacht. Ziel sei es, sie dabei zu unterstützen, Kundenrisiken zu bewerten und Sicherheitsstrategien aufzubauen, sagte Uriel Rootshtain, Senior Director Microsoft Partner Incentives, während MCAPS. Der Anbieter hat den Betrag, den Partner mit Deployment-Accelerator-Engagements verdienen können, um 30 Prozent erhöht, einen Conversion-Bonus für verifizierte Ablösungen ausgewählter Wettbewerber eingeführt und erlaubt Partnern nun, pro Microsoft-Sentinel-Engagement bis zu 80 Prozent mehr zu verdienen. Auszahlungen erfolgen laut Rootshtain sowohl nach Abschluss der Erstbereitstellung als auch beim Erreichen von Verbrauchszielen.

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