KI-Boom: Dell rechnet mit Nachfrage in die dagewesenen Dimensionen
Im vergangenen Quartal erzielte Dell mit seinen KI-Servern ein Umsatzwachstum von mehr als 750 Prozent. Das Unternehmen geht davon aus, dass die erst der Anfang eines grundlegenden Wandels in der Nachfrage ist und hob seine Umsatzprognosen entsprechend an. Die Börse folgt dem und schickt auch den Aktienkurs steil nach oben.
Dell Technologies übertraf am Donnerstag die Erwartungen der Wall Street beim Umsatz mit KI-optimierten Servern deutlich und erhöhte den Ausblick für dieses Segment im Gesamtjahr des Geschäftsjahres 2027 um 10 Milliarden US-Dollar auf 60 Milliarden US-Dollar. Der erwartete Anstieg des Umsatzes mit KI-optimierten Servern um das 2,4-Fache im laufenden Geschäftsjahr trieb die Dell-Aktie im nachbörslichen Handel um 39 Prozent auf 439,80 US-Dollar. Seit Jahresbeginn entspricht das einem Plus von 250 Prozent gegenüber 124,95 US-Dollar und einem Zuwachs der Marktkapitalisierung um 80 Milliarden US-Dollar auf rund 290 Milliarden US-Dollar.
Im ersten Geschäftsquartal, das am 1. Mai endete, verbuchte Dell 24,4 Milliarden US-Dollar Umsatz mit KI-optimierten Servern, darunter 16,1 Milliarden US-Dollar mit KI-Servern – ein Plus von 757 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zum Quartalsende lag der KI-Auftragsbestand bei 51,3 Milliarden US-Dollar. Angesichts der anhaltenden Dynamik im Verkauf von KI-Infrastruktur erhöhte Dell sein Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2027 um 27 Milliarden US-Dollar und das Gewinnziel um 5 US-Dollar je Aktie. "Unsere Pipeline zeigt, dass sich die Nachfrage nicht verlangsamt, sondern beschleunigt und das Angebot deutlich übersteigt, da Kunden die Infrastruktur sichern wollen, die sie für KI, klassische Rechenleistung, Storage und PCs benötigen", berichtete Dell-Vizechef und COO Jeff Clarke.
Aus seiner Sicht ist dieses exorbitante Wachstum kein einmaliger Effekt. Vielmehr zeigte er sich überzeugt, dass die bisherigen Regeln des Marktes durch das aktuelle Umfeld aus KI-Nachfrage, Lieferengpässen, Modernisierungsbedarf veralteter Infrastruktur und neuer Nachfrage durch das Wachstum von Agentic AI, außer Kraft gesetzt werden. "Ich glaube nicht, dass historische Märkte oder historische Sichtweisen darauf, wie sich der Markt verhält, heute noch angemessen sind", so Clarke. "Mit dem Aufkommen von Agentic AI finden wir neue Einsatzmöglichkeiten für Rechenleistung. Welchen Wert hat es, sie in jeden Workflow, jede Entscheidung, jedes Produkt und jede Kundeninteraktion Intelligenz einzubringen? Ich würde sagen: einen sehr hohen."
Clarke berichtete, dass Agentic AI tatsächlich "neue Nachfrage" schaffe. "Es gibt einen KI-Sog", sagte er. "Es gibt Inferenz. Agentic AI schafft einen neuen Markt für klassische Server, den wir so bisher nicht gesehen haben." Da klassische Server und Netzwerke zunehmend solche KI-Workloads übernehmen, stiegen Dells Umsätze mit klassischen Servern und Netzwerktechnik im Quartal um 92 Prozent auf 8,54 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 4,43 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. "Diese KI-Workloads mit sehr dicht gepackten Servern sehen wir in Neoclouds, bei einigen der fortschrittlicheren Enterprise-Anwender, Halbleiterunternehmen und großen Tech-Konzernen, die sie tatsächlich nutzen, um Inferenz- und Agentic-Workloads in ihren Umgebungen zu betreiben", führte er aus.
Weiter erklärte Clarke, der Markt für Agentic AI habe seit der Vorlage von Dells Finanzprognose auf dem Analystentreffen im vergangenen Oktober deutlich Fahrt aufgenommen. "Der Gamechanger seit damals ist, was sich bei Agentic entwickelt hat", präzisierte er. "Wir sehen, wie sich neue Kategorien des TAM (Total Addressable Market) ausweiten." Die Agentic-Revolution sei "ein völlig neuer Markt, der dadurch entsteht, dass Intelligenz in jeden Workflow und jeden Bereich wissensbasierter Arbeit eingebracht wird – und wir stehen erst am Anfang", sagte Clarke.
Dell gewinnt dadurch nach Clarks Aussage in allen Segmenten Marktanteile – bei KI-Servern, klassischen Servern, Storage und PCs. "Wir gewinnen", ist er überzeugt. "In Zeiten von Lieferverwerfungen und vielen Unsicherheiten im Markt wenden sich Kunden an Dell, weil sie dort einen verlässlichen Partner suchen", sagte er. Die "zukunftsgerichtete Pipeline" für Dell-Produkte sei "noch nie so kräftig gewesen", erklärte Clarke. "Sie wächst sogar stärker als in früheren Jahren, was uns das Vertrauen gegeben hat, die Jahresprognose beim Umsatz um 27 Milliarden US-Dollar anzuheben."
C.R. Howdyshell, CEO des zu Myriad360 gehörenden Unternehmens Advizex, bestätigte, die gemeinsame Dell-Vertriebspipeline von Advizex und Myriad360 habe sich im Laufe dieses Jahres trotz Speicherknappheit und Lieferkettenkrise verdoppelt. Er rechne damit, dass die kombinierten Dell-Umsätze von Advizex und Myriad360 in diesem Jahr um mehr als 50 Prozent steigen. "Wir sehen bei Unternehmenskunden eine starke Nachfrage nach Dell-KI-Servern", sagte er. Dabei schrieb Howdyshell dem Dell-Senior-Vice-President Gregg Ambulos, der seit 29 Jahren im Channel-Vertrieb von Dell-EMC tätig ist, eine Schlüsselrolle bei der Wiederbelebung des Dell-Channels in Nordamerika zu – unterstützt vom Dell-Management, darunter Global-Sales-Präsident Pete Trizzino.
"Wir arbeiten an einigen bedeutenden Deals, bei denen Kunden in früheren Jahren möglicherweise direkt gekauft hätten, doch Dell steht an unserer Seite", sagte Howdyshell. "Dells Bekenntnis zum Channel war noch nie stärker. Was Gregg Ambulos bei Dell zur Unterstützung des Channels getan hat, ist beispiellos. Das wird sowohl für Dell als auch für den Channel im aktuellen Verhältnis von Angebot und Nachfrage erhebliche Erträge bringen."
Weiter führte Howdyshell aus, Advizex-Myriad360 profitiere in der aktuellen Lieferkettenkrise von seinem höchsten Titanium-Status bei Dell. "Dell unterstützt den Channel mit KI-Go-to-Market-Initiativen und Server-Lieferfähigkeit zu einem Zeitpunkt, an dem andere OEMs mit Engpässen kämpfen", sagte Howdyshell. "Dell hat sich verpflichtet, gemeinsam mit Partnern KI-Server in den Enterprise-Markt zu bringen. Das macht einen großen Unterschied."
Insgesamt meldete Dell ein Rekordergebnis beim bereinigten verwässerten Gewinn je Aktie (Non-GAAP) von 4,86 US-Dollar – ein Plus von 214 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – bei einem Umsatz von 43,8 Milliarden US-Dollar, der um 88 Prozent zulegte. Der Gewinn je Aktie lag damit 60 Prozent über der Konsensschätzung von Zacks Investment Research von 3,04 US-Dollar, der Quartalsumsatz 23 Prozent über der Umsatzprognose von 35,46 Milliarden US-Dollar. "Die Nachfrage war in allen Geschäftsbereichen und Regionen stärker als erwartet, da Kunden entschlossen versuchten, sich Kapazitäten für ein breites Spektrum an IT-Anforderungen zu sichern", fasste Clarke zusammen.
Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte sagte Clarke, Dell sei weiterhin durch Lieferengpässe begrenzt. Das führe zu längerfristigen Gesprächen über drei, vier oder fünf Jahre mit Kunden darüber, wie sie die Versorgung sichern, um Wachstum und Modernisierung ihrer Infrastruktur zu ermöglichen. "Es geht letztlich um Zugang zu Lieferkapazitäten, denn offen gesagt kann ich ihnen heute nicht sagen, wie der Preis aussehen wird", erlärte er. "Aber wir arbeiten mit großen Kunden an Vereinbarungen und Absprachen, um sicherzustellen, dass sie bekommen, was sie für ihr Wachstum benötigen."
Clarke zufolge deutet die Dell-Vertriebspipeline darauf hin, dass die Lieferengpässe anhalten werden, "und damit die bisherigen Standards beim Aufbau von Pipelines im laufenden Quartal und in den folgenden Quartalen durchbricht". Dementsprechend stark sei die Pipeline für klassische Server beispielsweise im ersten Quartal gewachsen – und auch mit Blick auf mehrere kommen Quartale, sagte Clarke. "Das zeigt, dass mehr Kunden Zugang zu dieser Technologie suchen", konstatierte er. "Wir sehen wachsende Budgets. Wir sehen Budgetverschiebungen. Die Nachfrage, die wir sehen, bleibt robust, und wir sowie die Lieferkette müssen mehr Komponenten beschaffen, um diese Nachfrage für unsere Kunden zu erfüllen."
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden