Intel wirbt GPU-Spezialisten Demers von Qualcomm ab
Eric Demers, der bisher als Senior Vice President of Engineering Qualcomms GPU-Entwicklung leitete, wechselt zum Konkurrenten Intel. Das bestätigte Demers gegenüber CRN und erklärte, dass er bei Intel die GPU-Entwicklung für Rechenzentren mit Schwerpunkt auf KI übernehmen wird.
Intel verstärkt seine zuletzt kräftig ausgedünnten Führungsreihen mit einem prominenten Neuzugang im Bereich der KI-Chips für Rechenzentren: Eric Demers kündigte gegenüber CRN seinen Wechsel zu Intel an, wo er als Senior Vice President mit Fokus auf KI die Entwicklung der Datacenter-GPUs verantworten wird. Er kommt von Qualcomm, wo er als Senior Vice President ebenfalls die GPU-Entwicklung leitete. Ein Sprecher Intels lehnte eine offizielle Stellungnahme zu der Personalie ab. Auch Qualcomm reagierte nicht auf eine entsprechende Anfrage.
Anshel Sag, leitender Analyst bei Moor Insights and Strategy, zeigte sich am Freitag auf Nachfrage von CRN überrascht über Demers' Wechsel. Vor allem, weil dieser fast 14 Jahre lang bei Qualcomm und dort eine feste Größe in diesem zunehmend wichtigen Geschäftsbereich war. Aus Sicht des Analysten ist der Personalwechsel deshalb "bedeutender, als viele denken". "Meiner Erfahrung nach konzentrieren sich viele nur auf die Führungskräfte. Und auch er ist zwar eine Führungskraft, vor allem aber ist er GPU-Architekt. Und davon gibt es auf seinem Niveau nicht viele, denn er kann eine GPU-Architektur quasi von Grund auf neu entwickeln", sagte Sag.
So war Demer als Leiter der GPU-Entwicklung bei Qualcomm etwa federführend für die Architektur und Hardware der Adreno-GPUs des Unternehmens verantwortlich, deren Einsatzgebiete von Mobilgeräten über PCs, IoT-Geräte und Automotive-Systeme bis hin zu Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen reichen. In den letzten Monaten vor seinem Wechsel waren er und sein Team mit der Implementierung der neuesten Adreno-GPUs -in die kommenden Snapdragon X2 Series Chips für Windows-PCs beschäftigt.
Nach Sags Dafürhalten ergibt es Sinn, dass Demers die Leitung der GPU-Entwicklung für den Rechenzentrumsbereich übernimmt, da sich der Manager und sein Team in den letzten Jahren bereits verstärkt auf KI konzentriert haben. "Wenn man sich die heutige GPU-Architektur von Qualcomm anschaut, ist viel davon ebenfalls auf KI ausgerichtet, und das Unternehmen setzt bereits Maßnahmen um, um KI auf der Architektur effizienter und leistungsfähiger zu machen", erklärte der Analyst.
Vor seinem Wechsel zu Qualcomm im Jahr 2012 war Demers CTO der Grafikabteilung von AMD. Dorthin war er 2006 durch die Übernahme des Grafikchip-Entwicklers ATI gekommen, bei dem er nach mehreren Stationen bei kleineren Chipfirmen, darunter Silicon Graphics, seit 2000 tätig war.
Verstärkung für Intels KI-Offensive
Die Verpflichtung von Demers ist Teil von Intels jüngstem Vorstoß, konkurrenzfähige Beschleunigerchips zu entwickeln und damit Nvidia herauszufordern, das den KI-Infrastrukturmarkt dominiert. Dafür muss sich Intel aber zunächst gegen zahlreiche andere Mitbewerber wie AMD und Qualcomm durchsetzen, die bereits weiter zu Nvidia aufgeschlossen haben, während Intel seit einem Jahrzehnt Schwierigkeiten hat, eine erfolgreiche Strategie für beschleunigtes Computing zu entwickeln und umzusetzen. Das zeigte sich jüngst wieder, als Intel selbst das bescheidene Umsatzziel von 500 Millionen US-Dollar für seine Gaudi-Chips im Jahr 2024 verfehlte.
Unter Lip-Bu Tan, der im vergangenen März CEO von Intel wurde, hat das Unternehmen KI – insbesondere im Rechenzentrumsmarkt – inzwischen zur obersten Priorität gemacht, organisatorische Veränderungen vorangetrieben, neue Führungskräfte eingestellt und eine neue Strategie definiert, die offene Systeme, Softwarearchitektur und einen jährlichen GPU-Launch vorsieht. Im vergangenen Herbst stellte das Unternehmen die erste GPU dieser Roadmap vor – eine 160-GB stromsparende Data-Center-GPU mit dem Codenamen "Crescent Island". Zudem hat Intel die Entwicklung des Beschleunigerchips "Jaguar Shores" für Rack-Scale-Lösungen angekündigt.
Allerdings musste Tan einen Rückschlag einstecken, als Sachin Katti, den er als Leiter der neuen, eigenständigen KI-Gruppe von Intel eingesetzt hatte, das Unternehmen im vergangenen November für einen Job bei OpenAI verließ. Zu diesem Zeitpunkt erklärte Tan, dass er die Leitung der KI-Gruppe sowie der Intel Advanced Technologies Group, die zuvor von Katti geführt wurden, selbst übernehmen werde. Dies begründete er mit den jüngsten Veränderungen, die die Teams erfahren hätten. Vergangenen Oktober bezeichnete Tan KI in einem internen Memo als "eine von Intels wichtigsten Prioritäten und spannendsten Chancen" und erklärte, diese Chancen bestünden "nicht nur im traditionellen Bereich des allgemeineren Computings" – also CPUs –, "sondern auch in den aufkommenden Bereichen der Inferenz-Workloads, die von agentischer KI und physischer KI angetrieben werden". "Um diese Chancen zu nutzen, müssen wir entschlossen handeln und unsere Größe sowie unser Ökosystem nutzen, um Intel als bevorzugte Compute-Plattform für die nächste Generation KI-basierter Workloads zu positionieren", so Tan in dem Memo.
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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