IBM-CEO: Schwäche im zweiten Quartal wegen "Auftragsverschiebungen"
Die Probleme von IBM im zweiten Quartal seien nur von kurzer Dauer, erklärte CEO Arvind Krishna in einer Telefonkonferenz mit Analysten zum enttäuschenden Quartal. Er kündigte zahlreiche Gegenmaßnahmen an.
IBM-CEO Arvind Krishna verteidigte die Innovationsstrategie des Anbieters, senkte jedoch zugleich IBMs Umsatzprognose für das Gesamtjahr um mehr als 600 Mio. US-Dollar. Grund für die Verschiebung von Infrastrukturprojekten: Kunden sehen sich mit steigenden Kosten für knapp verfügbare Speicher, Storage, Server und andere Rechenzentrumsinfrastruktur konfrontiert.
"Das sind Verschiebung, keine Stornierungen", betonte der CEO während IBMs jüngster Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen mit Analysten. Krishnas Zuversicht beruht unter anderem darauf, dass ein Drittel dieser größten Infrastrukturprojekte bereits abgeschlossen wurde.
Krishna zufolge, sei "notmalerweise" damit zu rechnen, dass zwei Drittel bis drei Viertel dieser Aufträge in den nächsten sechs Monaten abgeschlossen würden. "Das ist noch kein vollständiger Beweis, aber ein guter Hinweis", dass IBMs Probleme nur von kurzer Dauer sein würden, sagte Krishna.
IBM verzeichnete in mehreren Bereichen ein zweistelliges Wachstum im Berichtszeitraum, darunter in Teilen des Portfolios, bei denen Kunden nutzungsbasiert und nicht pro Lizenz oder nach anderen Modellen zahlten, so der IBM-Chef. "Wir werden die Nachfrage dort weiter verstärken, denn die Pipelines sind stark, ebenso die Signale unserer Kunden. "Ein großer Teil der Nachfrage ist verschoben, nicht storniert, auch wenn es manchmal schwierig ist, den genauen Zeitpunkt auf Monatsbasis vorherzusagen", machte er klar.
Noch vor der Veröffentlichung der Zahlen zum abgelaufenen zweiten Quartals zum 30. Juni hatte der CEO öffentlich Stellung bezogen und mit einer Gewinnwarnung die Börsenanalysten auf schlechte Zahlen vorbereitet. Krishnas Schreiben war ungewöhnlich scharf gegen das eigene Unternehmen formuliert, unter anderem fiel der Satz: "Wir haben in diesem Quartal versagt". Die Reaktion der Börse war heftig: Die IBM-Aktie sank um rund 25 Prozent – einer der stärksten Rückgänge in der 115-jährigen Geschichte des Unternehmens (CRN berichtete).
IBM: Verzögerte Infrastruktur-Deals führten zur Zielverfehlung im zweiten Quartal
Chris Bogan, Vice President of Sales beim in Houston ansässigen IBM-Lösungspartner Mark III Systems, sagte CRN in einem Interview nach der Veröffentlichung von Krishnas Schreiben, dass der Großteil des IBM-Geschäfts seines Unternehmens aus Hardware bestehe. Trotz der Ergebnisse erwarte Mark III in diesem Geschäft weiterhin "ein Spitzenjahr".
Die IBM-Hardwareprojekte von Mark III werden stärker aus Fachbereichsbudgets finanziert als aus klassischen IT-Ausgaben – mit Fokus auf bessere Kundenerfahrung, Umsatzgenerierung und die Produkte, die der Kunde herstellt. Der von Kunden bezogenen Lösungen gäben Kunden ein "greifbares Verständnis" dafür, wie Technologie ihr Geschäft verbessert habe, sagte Bogan. "Diese Mainframes, die Power-Systeme, all das: Die ganze Welt läuft aus gutem Grund darauf. Wir haben die Fähigkeiten, diese Komponenten zusammenzuführen."
IBM senkt Umsatzwachstumsprognose für 2026
Krishna und sein Team senkten das erwartete Umsatzwachstum für das Gesamtjahr ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten auf 4 bis 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zuvor hatte IBM für das Jahr ein Wachstum von mehr als 5 Prozent prognostiziert.
IBM-Finanzchef Jim Kavanaugh bezeichnete die neu prognostizierte Wachstumsrate von 4 Prozent als "Anker". Sie sei "nicht unser Anspruch". Dieser "Anker" solle dem Kapitalmarkt zeigen, welches Maß an Produktivität und operativer Hebelwirkung IBM habe, um bei diesem niedrigen Niveau Ergebnis und freien Cashflow aufrechtzuerhalten, so der CFO.
IBM passte außerdem die Erwartungen für den Softwareumsatz für 2026 auf 6 bis 8 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr an. Zuvor hatte das Unternehmen zweistelliges Wachstum in Aussicht gestellt, nannte aber nun die niedrigere Spanne für den Fall, sollte IBM weiterhin Projektverschiebungen hinnehmen müssen.
Das Wachstum bei IBM Power, IBM Storage und der z17-Aktualisierung veranlasste den Anbieter, die Infrastrukturumsätze für das Gesamtjahr auf ein niedriges einstelliges Wachstum anzuheben. "Die Nachfrage nach Storage und Power bleibt stark, und wir sichern weiterhin Bestände und beschleunigen unsere Lieferkette, um die Chancen zu nutzen, die wir vor uns sehen", sagte Kavanaugh.
IBM erwartet, dass die Consulting-Sparte im Gesamtjahr im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich wächst. IBM rechnet weiterhin damit, den Cashflow im Gesamtjahr um rund 1 Milliarde US-Dollar gegenüber dem Vorjahr steigern zu können.
Mit Blick auf die Ereignisse gegen Ende des Quartals erklärten IBM-Manager in der Telefonkonferenz, dass "Dutzende" großer Infrastruktur-Deals nicht wie geplant abgeschlossen worden seien.
Diese Deals laufen üblicherweise über Enterprise License Agreements für einen Mainframe und den zugehörigen Software-Stack, meist mit einem hohen Anteil an Transaktionsverarbeitungssoftware sowie Daten- und Automatisierungsprodukten, sagte Kavanaugh. IBM verzeichnete weiterhin starke Käufe von OpEx-, abonnement- und nutzungsbasierter Software außerhalb von CapEx-Verkäufe. Die verteilte Infrastruktur weist laut Anbieter nun einen Auftragsbestand von fast 500 Mio. US-Dollar auf – ein "Rekordwert", so IBM.
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IBM wichtigste Einnahmequelle: Enterprise License Agreements
Rund 80 Prozent des jährlichen IBM-Softwareumsatzes sind wiederkehrende Abonnement- und nutzungsbasierte Erlöse. Diese Umsätze stammen von Red Hat, Confluent, HashiCorp und anderen Produkten. IBMs jährlich wiederkehrender Umsatz lag bei 24,6 Mrd. Dollar, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Enterprise License Agreements, die mit den übrigen 20 Prozent der Softwareverkäufe verbunden sind, sind für IBM von hoher Bedeutung, "weil sie langfristige strategische Kundenverpflichtungen schaffen, die die Einführung unserer Softwareprodukte ausweiten und einen Multiplikatoreffekt erzeugen", sagte Kavanaugh.
IBM habe die Preise im Juli gehalten, betonte der CEO. "Unsere Teams sind etwas zurückhaltender und weniger aggressiv als andere, wenn es darum geht, einige dieser Hardwarepreissteigerungen einzupreisen", sagte Krishna.
IBM plant Änderungen bei Vertrieb, Automatisierung und Go-to-Market
Als Teil seines Plans, die Umsetzung künftig zu verbessern, will IBM die Ausgaben für Drittanbieter senken, KI und Automatisierung für bessere Softwareentwicklungszyklen nutzen, Vertrieb und Marketing verbessern sowie weitere Maßnahmen zur besseren Umsetzung ergreifen, kündigten IBM-Manager in der Telefonkonferenz an.
"Im zweiten Quartal sind wir hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wir haben uns mit Kunden zu ihren verschobenen Transaktionen ausgetauscht und haben ein klares Verständnis dafür, was sich ändern muss", so der IBM-Chef.
IBM ändert zudem sein Go-to-Market-Modell: Um die Abdeckung auf Tausende zusätzliche Kunden auszuweiten – über die Fortune 1000 hinaus – und damit möglicherweise neue Chancen für Lösungspartner zu eröffnen, die mit dieser Kundenbasis arbeiten. Besonders auf diese Kunden ausgerichtete Bereiche des IBM-Geschäfts sind laut Krishna Red Hat, HashiCorp, Confluent, Watsonx und IBM Storage.
Der Anbieter investiert außerdem in Forward-Deployed Engineers (FDEs) – ein von Palantir populär gemachtes Modell, bei dem Mitarbeiter des Anbieters mit Kunden zusammenarbeiten, um dessen Technologie einzuführen. Mehrere Technologieanbieter haben in diesem Jahr in FDEs investiert; einige, darunter Microsoft und Salesforce, bezeichnen diese Ingenieure ausdrücklich als Ressource für Channel-Partner.
Quantencomputing – die nächste Innovation
Krishna sagte Investoren, er behalte im Blick, was der nächste große technologische Umbruch für die Gesellschaft sein könnte: IBM investiert in Quantencomputing, mit zugesagten 10 Mrd. Dollar für Quanten in den nächsten fünf Jahren, der erwarteten Auslieferung des ersten großskaligen, fehlertoleranten Quantencomputers bis 2029 sowie der Anderon-Foundry für reine Quanten-Wafer, die der Anbieter gemeinsam mit dem US-Handelsministerium bauen will.
Krishna bekräftigt IBMs KI-Strategie
Während der Telefonkonferenz zeigte sich IBMs CEO durchweg zuversichtlich, was die Investitionen des Anbieters in KI-Innovationen betrifft. Massive Investitionen in KI-Infrastruktur und -Modelle werden den Druck auf Unternehmen erhöhen, messbare Renditen zu erzielen. Dadurch werde sich der Wert im Laufe der Zeit stärker in Richtung Orchestrierungs- und Datenschichten verschieben, um Ergebnisse, Kosten und Governance über mehrere Modelle und Agenten hinweg zu optimieren, sagte Krishna. Kunden wollten zudem Kontrolle über ihre proprietären Daten – all das spreche für IBMs Neutralität und unternehmensgerechte operative Kontrolle.
IBM-Produkte und -Services ermöglichten laut CEO die Orchestrierung von KI-Agenten über Modelle, Clouds und On-Premises-Umgebungen hinweg – mit integrierter Observability, Bewertung, Governance, Identitätsmanagement und Sicherheit. "Unsere KI-Strategie ist die richtige für IBM und passt zu dem, wofür wir bekannt sind: Hybrid, Souveränität und Vertrauen", so Krishna in der Telefonkonferenz.
Red Hat und HashiCorp liefern Wachstum
Wie Krishna bereits in seinem Schreiben vor der Ergebnisbekanntgabe erklärte, erwies sich Red Hat im Quartal als Lichtblick: Das Wachstum beschleunigte sich von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 11 Prozent.
Der jährlich wiederkehrende Umsatz von Red Hat OpenShift liegt nun bei 2,2 Mrd. Dollar. Die Containerisierungs- und Virtualisierungsprodukte des Open Source-Anbieters verzeichneten seit Anfang 2024 Vertragsabschlüsse im Umfang von rund 680 Mio. Dollar – wenngleich das Geschäft mit Red Hat Enterprise Linux im vergangenen Quartal und im Quartal davor durch Hardwareengpässe und Verfügbarkeit negativ beeinträchtigt wurde.
Krishna identifizierte einen milliardenschweren adressierbaren Gesamtmarkt für das Aufspüren von Sicherheitslücken bei Kunden mithilfe der kürzlich veröffentlichten IBM- und Red-Hat-Funktion Lightwell. Lightwell-Abonnements kosten 1 Mio. Dollar pro Jahr. Obwohl Lightwell erst seit wenigen Wochen verfügbar ist, habe die Funktion Kunden bereits mehr als 7.500 Open-Source-Patches zur Absicherung von Schwachstellen bereitgestellt.
Diese Zahl umfasst nicht die 30.000 Pakete, die mit Linux, HashiCorp, Confluent, Red Hat OpenShift und ähnlichen Produkten aus IBMs Portfolio umgesetzt wurden. Zu den Nutzern zählen laut CEO Bank of America, Morgan Stanley, Wells Fargo und Goldman Sachs.
Das kürzlich übernommene HashiCorp-Geschäft habe "ein weiteres Rekordquartal bei den Buchungen erzielt und das Umsatzwachstum in der ersten Jahreshälfte beschleunigt", sagte IBMs Finanzchef Kavanaugh. Confluent wiederum sei "stark gestartet und liegt nach dem ersten vollständigen Quartal nach Abschluss der Übernahme im Rahmen unserer Erwartungen".
IBM-Hardware-Nachfrage bleibt stark
Die Manager erklärten, die z17-Aktualisierung liege programmbereinigt weiterhin bei fast 130 Prozent – ein Rekord für die Z-Serie und deutlich über dem Stand der z16 zu diesem Zeitpunkt ihres Zyklus. Das entspreche programmbereinigt 1 Mrd. Dollar mehr Mainframe-Umsatz und mehr als 3 Mrd. Dollar im Software-Stack.
"Wir sehen keine Hinweise darauf, dass Kunden den Mainframe verlassen", betonte CFO Kavanaugh. "Kunden investieren weiterhin in IBM Z, um geschäftskritische Workloads zu modernisieren – mit Fokus auf Resilienz, Sicherheit und zunehmend auch auf KI auf der Plattform. KI treibt zusätzliche Kapazitätssteigerungen und neue Workloads, da Kunden KI näher an ihren sensibelsten Daten ausführen wollen."
Fast die Hälfte der z17-Kunden nutzt KI-Funktionen mit IBMs Spyre Accelerator. Kunden, die den KI-Assistenten Watsonx Code Assistant for Z einsetzen, steigerten ihre MIPS-Kapazität (Millionen Instruktionen pro Sekunde) dreimal schneller als Kunden, die ihn nicht einsetzen, so der CFO. Z-Nutzer könnten auf der Plattform einen zwei- bis 15-fachen Total-Cost-of-Ownership-Vorteil erzielen, statt Workloads zu verlagern.
IBMs Geschäft mit verteilter Infrastruktur – dazu gehören Power-Enterprise-Server sowie Storage-Flash-Systeme, Bandlaufwerke und andere Datenspeicherprodukte – wuchs im Jahresvergleich um 37 Prozent, ein Rekordquartal. "Wir sehen dies als zunehmend wichtigen Wachstumsvektor für IBM, getrieben durch KI-Einführung und das rasante Wachstum von Unternehmensdaten", sagte Krishna.
IBMs Q2-Ergebnisse in Zahlen
IBM erzielte im zweiten Quartal zum Ende Juni 2026 einen Umsatz von 17,2 Mrd. Dollar, ein Wachstum von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn sank nach GAAP um 1 Prozent auf 9,9 Mrd. Dollar. Ohne GAAP lag der operative Bruttogewinn bei 10,2 Mrd. Dollar. Der Nettogewinn sank nach GAAP um 1 Prozent auf 2,2 Mrd. Dollar, ohne GAAP lag er bei 2,8 Mrd. Dollar.
IBMs Softwaregeschäft erzielte im Quartal 7,8 Mrd. Dollar Umsatz, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Automatisierungsgeschäft wuchs währungsbereinigt um 3 Prozent. Data wuchs um 18 Prozent. Transaction Processing ging um 9 Prozent zurück.
Die Infrastruktursparte verzeichnete im Jahresvergleich einen Umsatzrückgang von 7 Prozent auf 3,8 Mrd. Dollar. Hybrid Infrastructure sank um 10 Prozent. Innerhalb dieses Segments fiel IBM Z um 42 Prozent. IBMs CFO wies darauf hin, dass dieser Rückgang auf ein Wachstum von 70 Prozent im Vorjahr im Startquartal folgt und Z üblicherweise ein fünftes rückläufiges Quartal verzeichnet. Infrastructure Support ging um 1 Prozent zurück.
Cashflow steigt um 1 Mrd. Dollar
IBM erwirtschaftete im Quartal einen Netto-Cashflow aus operativer Tätigkeit von 2,6 Mrd. Dollar, fast 1 Mrd. Dollar mehr als zuvor. Der freie Cashflow sank um 300 Mio. Dollar auf 2,5 Mrd. Dollar. IBM beendete das Quartal mit 8,2 Mrd. Dollar an Barmitteln, gebundenen Barmitteln und marktfähigen Wertpapieren – 6,3 Mrd. US-Dollar weniger als zum Jahresende 2025. Bisher hat IBM in diesem Jahr 10,5 Mrd. Dollar in Übernahmen investiert.
Im Quartal stiegen die Consulting-Auftragseingänge um 6 Prozent, das zweite Quartal in Folge mit Wachstum. Das Geschäft erzielte im zweiten Quartal 5,3 Mrd. Dollar Umsatz, währungsbereinigt ein Plus von 1 Prozent. Der Strategie- und Technologiebereich von Consulting sowie Intelligent Operations wuchsen im gleichen Tempo.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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