IBM-Aktie stürzt nach Gewinnwarnung ab
IBM kassiert seine Gewinnprognose für das zweite Quartal. CEO Arvind Krishna lässt die Auswirkungen der Komponentenkrise – Kunden schieben Projekte auf, Lieferverzögerungen – nicht gelten und kritisiert ungewöhnlich scharf die eigene Belegschaft.
IBM-Aktien brach am Dienstag an der Wall Street um mehr als 25 Prozent ein, nachdem der Technologiekonzern eine Gewinnwarnung für das zweite Quartal veröffentlicht hatte. In einem Brief an die Investoren erklärte Arvind Krishna, Vorstandsvorsitzender und CEO von IBM, dass ein unerwarteter Rückgang der Umsätze mit Mainframe-Z-Systemen und zugehöriger Software zu einem erwarteten Rückgang der Infrastrukturumsätze des Unternehmens um 7 Prozent für das Quartal geführt habe.
Die IBM-Nachrichten, die Krishna als "enttäuschend" bezeichnete, wirkten sich laut einem Bericht von Seeking Alpha auf andere Aktien der gesamten IT-Branche aus, insbesondere auf Software- und Beratungsunternehmen wie ServiceNow und Salesforce.
Umsätze mit Infrastruktur sinken – Komponentenkrise lastet auf IT-Budgets
In seinem Schreiben wies Krishna darauf hin, dass IBM, das im Laufe des Quartals die Markteinführung seines Mainframes z17 abgeschlossen hatte, für dieses Jahr – beginnend mit diesem Quartal – einen Rückgang der Infrastrukturumsätze im niedrigen einstelligen Bereich erwarte. "Die Entwicklung fiel schlechter aus als erwartet, was auf Einbußen bei der Z-Performance und dem zugehörigen Software-Stack zurückzuführen ist, vor allem im Bereich der Transaktionsverarbeitung", erklärte der CEO in seinem Schreiben.
"In den letzten Juniwochen beobachteten wir, dass Kunden ihre vierteljährlichen Investitionsausgaben auf den Kauf von Servern, Speicher und Arbeitsspeicher verlagerten, um sich angesichts erwarteter Preiserhöhungen mit der knappen Infrastruktur zu versorgen. Diese Dynamik wirkte sich auf das Kaufverhalten der Kunden aus", sagte Krishna. "Zwar hatten wir in unseren Erwartungen gewisse Auswirkungen durch die Lieferkette einkalkuliert, doch das Ausmaß der Neuausrichtung der Investitionsausgaben hatten wir nicht vorhergesehen. Zudem waren die Kunden in diesem Quartal durch sich rasch entwickelnde, branchenweite Cybersicherheitsbedenken abgelenkt."
IBM-CEO geht mit eigenen Teams hart ins Gericht
Krishna spielt auf die Komponentenkrise an, die anhält und teils zu massiven Preissteigerungen und Problemen bei der Verfügbarkeit führt. Vertriebsteams bei Herstellern und Partnern sind bei der Planung von Projekten stark gefordert. Ungewöhnlich scharf kritisiert IBM-Chef Krishna die eigenen Teams. "Diese Umstände erfordern von unseren Teams eine perfekte Umsetzung. In diesem Quartal haben wir versagt. Wir haben uns nicht schnell genug angepasst und gehandelt. Zahlreiche Großaufträge konnten nicht innerhalb der von uns erwarteten Zeitrahmen abgeschlossen werden, was den Großteil unseres Rückgangs ausmachte", sagte Krishna.
Das seien "keine Ausreden, sondern Realitäten", so der IBM-CEO. "Unsere Aufgabe ist es, unseren Kunden durch Unsicherheiten zu helfen und Wege zu finden, ihr Geschäft weiter auszubauen – ganz gleich, was im externen Umfeld geschieht".
IBM prognostiziert nun für das am 30. Juni zu Ende gegangene zweite Quartal einen Umsatz von 17,2 Mrd. US-Dollar, was einem Anstieg von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der verwässerte Gewinn pro Aktie wird voraussichtlich bei 2,27 US-Dollar liegen, was einem Rückgang von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Zwar bezeichnete der CEO "unsere Ergebnisse für das zweite Quartal als enttäuschend", hob jedoch andere Geschäftsbereiche von IBM hervor, die in diesem Quartal Stärke zeigten und "unsere Überzeugung von unserem Portfolio und unserer Strategie bestärken".
Der Softwareumsatz dürfte im Quartal ein Wachstum von 5 Prozent verzeichnen, darunter ein sequentielles Wachstum von 11 Prozent gegenüber dem Vorquartal beim Red-Hat-Umsatz sowie "starke" Ergebnisse der kürzlich übernommenen Unternehmen HashiCorp und Confluent.
"Da Kunden Infrastrukturinvestitionen Priorität einräumen, erzielte der Bereich Distributed Infrastructure das beste Ergebnis seit Beginn der Berichterstattung: ein Plus von 37 Prozent mit starkem Wachstum bei Power und Storage sowie einem Auftragsbestand von rund 500 Millionen US-Dollar zum Quartalsende", so Krishna in seinem Brief.
CRN hat IBM um eine Stellungnahme gebeten.
IBM wird seine vollständigen Zahlen für das zweite Quartal voraussichtlich am Mittwoch, dem 22. Juli, veröffentlichen. Krishna erklärte, IBM arbeite noch daran, die Finanzberichterstattung für das Quartal abzuschließen. Die endgültigen Ergebnisse könnten leicht von den in seinem Brief genannten Zahlen abweichen", merkte der CEO an.
"Auch wenn die Leistung in diesem Quartal hinter unseren Erwartungen zurückblieb, sind wir von der Stärke unseres Portfolios und der strategischen Transformation unseres Unternehmens überzeugt", so Krishna im Schlusswort seines Schreibens. "Um die Herausforderungen dieses Quartals zu bewältigen, ergreifen wir neue Initiativen und treiben andere voran – alles mit dem Ziel, unsere Ergebnisse in Zukunft zu verbessern."
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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