HPE-VP Kerr beschwört "die große Neuordnung in der Virtualisierung"

Im Interview mit CRN spricht HPE-Vizepräsident Kristian Kerr über die "beispiellosen Steigerungen bei VMware-Preisen, Virtualisierung und Arbeitsspeicher", Rückverlagerung aus der Public Cloud sowie KI und wie er den Partnern helfen will, die damit einhergehende Neuordnung des Cloud-Markts für sich zu nutzen.

"Viele Partner kenne ich von früher und sie bestätigen die Strategie und die Richtung, in die wir uns bewegen, mit der Erweiterung des Portfolios sehr deutlich." Kristian Kerr, VP Hybrid-Cloud-Channel, HPE (Foto: CRN)

Gut zwei Monate ist es her, dass Kristian Kerr von NetApp zu HPE kam, um dort als Vizepräsident das Partner-Ökosystem für eine Vertriebsoffensive im weltweiten Hybrid-Cloud-Channel aufzustellen. Ein Bereich, der sich durch tiefgreifende Veränderungen wie den KI-Boom, Souveränitätsbestrebungen und Preisexplosionen bei zentraler Hard- und Software aktuell in vielerlei Hinsicht neu sortiert. Genau darin sieht Kerr eine große Chance für HPE und seine Partner, wie er im Interview mit CRN ausführt. Mit Angeboten wie der HPE-Unified-Private-Cloud-Plattform, VM Essentials und GreenLake und den Services der Partner will er die Kunden abholen, indem er gleich mehrere ihrer drängendsten Probleme anspricht.

Besonders gut funktioniert das bereits im Virtualisierungsumfeld, wo HPE-CEO Antonio Neri im Zuge der Neuausrichtung von VMware durch Broadcom "eskalierenden Kosten für Legacy-Virtualisierungssoftware" beobachtet, das laut Kerr "signifikantes Interesse" der Partner an HPEs Virtualisierungs-Stack erzeugt und zu hohen zweistelligem Neukundenwachstum führt. Aber auch mit seiner neuen HPE Private Cloud will der Hersteller den Partnern einen starken Ansatzpunkt für Gespräche und Geschäfte mit den Kunden in die Hand geben und sich von der VMware Cloud Foundation und der Dell Technologies AI Factory absetzen, erklärt Kerr.

CRN: Was sind die wichtigsten zugrunde liegenden Markttreiber, wenn HPE-Partner das neue Unified-HPE-Private-Cloud-Portfolio der nächsten Generation in den Markt bringen?

Kristian Kerr: Die Umwälzungen in der Virtualisierung treiben eine enorme Modernisierung der Infrastruktur voran – und gerade für Partner entstehen dadurch erhebliche Chancen für zusätzliche Services (Services-Attach). Im Grunde kommen zwei Dinge zusammen: die große Neuordnung in der Virtualisierung und aus Kundensicht die Notwendigkeit, in KI zu investieren und den vollen Wert ihrer Daten zu nutzen.

Wenn man sich anschaut, was wir rund um Private Cloud tun, ist das wirklich das Fundament. Und das ist für uns nichts neues. Es ist bereits die vierte Generation, die wir auf den Markt bringen. Das ist aus Kunden- wie aus Partnersicht ausgereift. Es lässt sich leicht positionieren: einfacher zu automatisieren, einfacheres Management, große Chance für umfassende Services, gebaut für VM-Workloads, gebaut für KI-Workloads – und zudem die Möglichkeit, Sicherheit, Datenschutz, Backup und Recovery rund um eine einzige Lösung zu bündeln.

Das ist genau das, worauf der Channel gewartet hat. Und darüber hinaus geben wir den Kunden unserer Partner Wahlfreiheit bei der Nutzung: als Service über HPE GreenLake Flex, über HPE FS (HPE Financial Services) oder als CapEx-Transaktion.

Aus Lösungssicht gibt es kontinuierliche Innovation in einer Plattform der vierten Generation, die für Virtualisierung und KI-Workloads gebaut wurde. Sie ist von Natur aus hybrid konzipiert und liefert diese Sicherheitsschicht. Alles, was ich gerade genannt habe – Virtualisierung, KI, Sicherheit – übersetzt sich im Gespräch mit Partnern in einen erheblichen Sog und eine große Chance für Services.

CRN: Welche architektonische Bedeutung hat HPE Private Cloud im Vergleich zu VMware Cloud Foundation und der Dell Technologies AI Factory?

Kerr: Wenn wir auf den Markt und das schauen, was bei Kunden passiert, wurden viele dieser KI-Projekte zunächst in der Public Cloud als Proof of Concept und Proof of Value gestartet. Jetzt wollen Kunden diese KI-Umgebungen skalieren und sie aus verschiedenen Gründen On-Premises betreiben, darunter Datensicherheit und Souveränität. Sie brauchen also einen 'Landing Spot', und diese konvergenten, vorkonfigurierten Angebote bieten dafür den perfekten Platz.

Übrigens ist KI von Natur aus hybrid, sodass diese Elastizität entsteht, Workloads aus der Public Cloud in die Edge-Umgebung des Kunden zu verlagern. Und alles, was wir tun, ist von uns als Gesamtsystem gebaut. Andere setzen eher Multi-Vendor-Angebote zusammen. Das ist ein vollständig von HPE entwickelter Stack. Er ist zudem skalierbar: KI entwickelt sich in eine Richtung und wird weiter wachsen. Da wird es nicht einfach obsolet. Man muss kein neues System kaufen, da es sich einfach weiter skalieren lässt, wenn der Daten-Footprint wächst.

CRN: Was ist aus der Perspektive "mitten im Vertrieb" die wichtigste Botschaft, die Partner Kunden zu HPEs neuen einheitlichen Private-Cloud-Angeboten mitgeben sollten?

Kerr: Aus Kundensicht gibt es enorme Kosten – steigende Kosten bei allem, worüber wir gesprochen haben – sowie Komplexität und unterschiedliche Silos quer durch die Organisation. Aus Vertriebssicht ermöglicht das ein Gespräch mit dem Kunden: ein Gespräch aus Partnersicht darüber, diese Silos aufzubrechen und eine einfache, schnell bereitstellbare Infrastruktur aufzubauen, die Virtualisierung und KI-Workloads in einer sicheren Umgebung unterstützt. Genau das suchen Kunden heute. So können unsere Partner einfach hineingehen und diese Private-Cloud-Lösungen deployen. Und wie ich schon oft gesagt habe: Entscheidend ist die Service-Chance darum herum – die Möglichkeit für Partner, ihre Services "dranzuhängen" und eine eigene Wertargumentation darauf aufzubauen.

Einfache, wiederholbare Lösungen für die komplexe Cloud-Welt

(Foto: HPE)

CRN: Das größte Problem für Partner ist derzeit die Supply-Chain-Krise mit Speicherknappheit sowie Verzögerungen bei Versand und Auslieferung. Wie geht HPE damit um, und was raten Sie Partnern?

Kerr: Die Situation ist sehr dynamisch. Ich denke, Antonio hat es im letzten Earnings Call am besten zusammengefasst. [Neri hatte ausgeführt, dass steigende Speicherpreise zu harten Maßnahmen wie der Möglichkeit, Server- und GreenLake-Bestellungen bis zum Versand neu zu bepreisen, geführt haben und diese wohl noch bis ins Jahr 2027 anhalten werden.] Wir werden Updates liefern. Relevante Updates. Aber der Markt ist sehr dynamisch. Er verändert sich von Woche zu Woche. Das ist unsere aktuelle Position.

CRN: Wie beurteilen Sie die neuen Unified-Private-Cloud-Ankündigungen vor dem Hintergrund der Supply-Chain-Probleme?

Kerr: Wenn man sich die Ankündigungen anschaut, die wir insbesondere rund um Private Cloud gemacht haben, ist ein zentraler Teil unserer Positionierung die Unterstützung von Infrastrukturökonomie. Kunden sehen sich mit beispiellosen Steigerungen bei VMware-Preisen, Virtualisierung und Arbeitsspeicher konfrontiert. Unsere Positionierung zielt daher sehr darauf ab, in diesem Umfeld Budget freizuschaufeln – indem wir mit HPE-Technologien vorangehen.

Gemeinsam mit unseren Partnern waren wir sehr erfolgreich darin, Kunden zu unterstützen und Budgetspielräume zu schaffen – indem wir mit HPE-Technologien wie VME [VM Essentials], den genannten Private-Cloud-Angeboten sowie finanziellen Angeboten, die wir in den Markt bringen, vorangehen, um mehr Flexibilität bei der Nutzung von Technologie zu ermöglichen.

CRN: Haben Sie einen Kommentar zum Chaos in diesem Markt: Etwa zur Preisdifferenz zwischen HPE und VMware und zum Unterschied im Ansatz bei HPE Private Cloud?

Kerr: Das Interesse an HPE VM Essentials und Morpheus ist groß und wächst jeden Tag. Viele wollen sich mit unseren Virtualisierungslösungen und -angeboten vertraut machen. Wir sehen unglaublich viel Erfolg. Nicht nur bei Skills, Kompetenzen und Zertifizierungen, sondern auch bei der Kundenadoption über den Channel.

Das ist einer der größten Trends, die wir im Markt beobachten. Es steht ganz oben auf der Agenda der Kunden und ist zugleich eine der größten Chancen für unsere Partner. Wir bieten eine führende Alternative, und wir sehen, wie Partner sehr deutlich mitziehen.

CRN: Haben Sie direkt zu Beginn etwas am Hybrid-Cloud-Partner-Go-to-Market geändert, seit Sie das Ruder übernommen haben?

Kerr: Wir sind ganz klar dafür da, Partner mit dem integrierten Ansatz über GreenLake zu unterstützen und dann mit einheitlich gemanagten, virtualisierten und cloud-nativen Workloads. Wobei wir die einheitliche Datenebene sowie integrierten Schutz durch Security sowie Backup/Recovery stark in den Vordergrund stellen. Wir liefern echte Hybrid-Cloud-Infrastruktur mit vereinfachtem Management und der dazugehörigen Automatisierung. Darum geht es: Vereinfachung. Silos aufbrechen. Kunden dabei helfen und sie dabei unterstützen, diese virtualisierten Umgebungen auf neuen Plattformen zu betreiben und gleichzeitig die Fähigkeiten aufzubauen, um ihre KI-Umgebung zu unterstützen.

Wir wollen Partnern helfen zu gewinnen. Es geht darum, mit wiederholbaren Lösungen und Private Cloud zu starten. Und alles, worüber wir heute gesprochen haben, sind wiederholbare Lösungen, die Partner in den Markt tragen können. Es gibt enorme Chancen rund um Assessment, Beratung, Design, Implementierung, Migration und alle zugehörigen Cyber-Services – sowie die laufende Chance, Managed Services auf Basis dieser Private-Cloud-Angebote zu liefern.

CRN: Wie groß ist der Fortschritt dieser neuen einheitlichen Private-Cloud-Angebote – mit vollständiger Integration von Zerto, Veeam und dem Unified Data Fabric?

Kerr: Der große Unterschied ist: Das ist nicht die erste Auflage. Wir machen das seit vier Jahren, es ist die vierte Generation.

Was wir jetzt in den Markt bringen, sind Container für cloud-native Workloads und die Integration von Enterprise-Grade-Virtualisierung für bestehende VM-Landschaften. Auf der Datenseite können wir nun eine einheitliche Plattform aus Block, Object und File verkaufen und dabei alle Security-Angebote integrieren, zusammen mit Migrationstools sowie Zerto Backup und Recovery. Das ist vollständig und das Ergebnis von Erfahrung. Wir machen das seit vier Jahren und treiben kontinuierliche Innovation voran.

Das wurde wirklich für Partner gebaut. Partner haben nach einfachen, 'durchdachten' Angeboten gefragt, um Services darum herum aufzubauen und Komplexität aus den Umgebungen der Kunden herauszunehmen.

CRN: Was hat Sie beim Einstieg bei HPE am meisten überrascht?

Kerr: Ich bin wegen der Stärke des Portfolios zu HPE gekommen und weil HPE wirklich eine Channel-First-Organisation ist, die Partner unterstützt, neue Chancen schafft und Service-Fähigkeiten aufbaut. Jetzt, wo ich 'im Haus' bin, bin ich beeindruckt: Es gibt hier noch viel mehr, als ich wusste: An Innovation und daran, wie alles über die verschiedenen Business Units hinweg zusammenkommt, einschließlich der Integration von Juniper.

Das ist wirklich spannend. Ich bin aus einem Grund gekommen, und jetzt, wo ich drin bin, sehe ich: Die Chance ist sogar noch größer. Viele Partner kenne ich von früher und sie bestätigen die Strategie und die Richtung, in die wir uns bewegen, mit der Erweiterung des Portfolios sehr deutlich.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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