Amazon verkleinert seine AGI-Sparte
Nachdem zuletzt bereits einige Führungskräfte Amazons Team für Allgemeine Künstliche Intelligenz verlassen hatten, streicht der Konzern nun weitere Stellen. Die Zukunftstechnologie bleibe wichtig, betont Amazon, will sich aber stärker auf aktuell schon nutzbare KI-Lösungen für Kunden fokussieren.
Amazon hat gegenüber CRN bestätigt, dass das Unternehmen "einige Stellen" in seiner Sparte für Allgemeine Künstliche Intelligenz streicht – eine theoretische Form von KI, die Wissen ähnlich wie ein Mensch erlernt, versteht und anwendet. Die Ankündigung erfolgt wenige Tage bevor das Unternehmen die Ergebnisse für sein zweites Geschäftsquartal vorlegt.
"Wir entwickeln seit mehreren Jahren große KI-Modelle, und dies bleibt eines der wichtigsten Themen, an denen wir arbeiten", betonte ein Sprecher des in Seattle ansässigen Technologieriesen am Mittwoch in einer E-Mail an CRN. "Dies ist ein schnelllebiger Bereich, und wir schärfen unseren Fokus auf die Initiativen, die für Kunden am wichtigsten sind, damit wir bei dem, was zählt, schneller vorankommen können. Dieser Fokus bedeutet auch schwierige Entscheidungen, darunter die Streichung einiger Stellen in Teilen unserer AGI-Organisation, während wir weiterhin in die Bereiche investieren, die für die Zukunft unserer Kunden am wichtigsten sind."
Amazon gab nicht bekannt, wie viele Mitarbeiter betroffen sind. Der Sprecher fügte jedoch hinzu, Amazon sei "entschlossen, betroffene Mitarbeiter bei ihrem Übergang zu unterstützen". US-Mitarbeiter erhielten "für 90 Tage Gehalt und Sozialleistungen, Unterstützung bei der Stellensuche durch Outplacement, Zugang zu Übergangsleistungen im Gesundheitsbereich und Anspruch auf eine Abfindungszahlung. Wir sind dankbar für die Beiträge jedes betroffenen Mitarbeiters."
AGI bleibt Zukunftsmusik
Ted Stuart, President und Chief Operating Officer des auf Amazon Web Services fokussierten Cloud-Services-Anbieters Mission Cloud, der zu CDW gehört, sagte CRN kürzlich in einem Interview, sein Unternehmen investiere in KI-orientierte Produkte, darunter AIM, oder AI with Mission, eine Variante des AI Roadmap Prioritization (AIR) Workshop von AWS, sowie Five-by-Five-by-Five, basierend auf Amazon Quick. "Wir bieten außerdem einen Chatbot zum Festpreis und einen agentenbasierten POC (Proof of Concept) an", so Stuart. "Dann gehen wir – je nachdem, was dem Kunden wichtig ist und welche Anwendungsfälle er hat – von dort aus weiter."
Mehrere AWS-Partner haben nach Möglichkeiten gesucht, diese Vorgehensweise mit einer Strategie zu kombinieren, die auf einen KI-Aufsteiger wie Anthropic ausgerichtet ist. BizCloud-Experts-Präsident Sepehr Noorizadeh sagte CRN kürzlich in einem Interview, BizCloud habe beispielsweise die Technologien beider Unternehmen genutzt, um zu verbessern, wie ein Kunde Angebote und die Terminplanung für Rechnungen handhabte. "Wir haben untersucht, wie wir mit dem AWS-Team und dem Anthropic-Team zusammenarbeiten können, um tatsächlich das zweckmäßig passende Modell für sie (die Kunden) zu finden und diese Feedback-Schleife zurück an Anthropic und an das AWS-Team zu liefern – basierend auf dem, was wir an der Frontlinie bei Kunden sehen", erläuterte BizCloud-Experts-Präsident Sepehr Noorizadeh kürzlich in einem Interview mit CRN.
Amazon konzentriert damit seine Investitionen auf KI und neue KI-Funktionen über seine gesamte Produktpalette hinweg, die für Unternehmen unmittelbar attraktiv sein könnten. Zum Teil geschieht das auf Kosten von AGI, als einer in der Zukunft liegenden Evolutionsstufe dieser Technologie. Die in der Branche genannten Zeitrahmen für AGI reichen von 2027 bis 2040 und darüber hinaus. Vielleicht war das mit ein Grund, warum schon zuvor einige Führungskräfte den AGI-Bereich verlassen haben. Unter ihnen war mit David Luan auch der ehemalige Vizepräsident und Leiter des AGI-Labors und der Forschung und Entwicklung (F&E) im Bereich agentischer KI bei Amazon.
Amazon veröffentlicht am 30. Juli seine nächsten Quartalsergebnisse für den am 30. Juni endenden Dreimonatszeitraum. Das Unternehmen hat Zehntausende von Mitarbeitern abgebaut, da es den Schwerpunkt auf KI-Investitionen legt und auf den branchenweiten massiven Einstellungsanstieg während der globalen Pandemie reagiert.
Weitere in diesem Jahr bereits durchgeführte und angekündigte Entlassungen umfassen Intels Data Center Group, den Abbau Tausender Stellen bei Cisco, die dauerhafte Entlassung von 77 Mitarbeitern durch NetApp rund um den Hauptsitz in San Jose, Kalifornien, sowie die Pläne von Cognizant, im Rahmen von Entlassungen unter der Initiative "Project Leap" mehr als 270 Millionen US-Dollar für Abfindungen und andere personalbezogene Kosten auszugeben, um agiler zu werden und ein durch künstliche Intelligenz unterstütztes Betriebsmodell zu ermöglichen.
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com
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