Ex-Topmanager bei Fujitsu: Ich bin dann mal weg – und nun zurück im Channel

34 Jahre war Rubert Lehner in führenden Positionen bei Siemens und Fujitsu. 2024 dann die Entscheidung zur inneren Einkehr, zu dem, "was wirklich zählt", und wie es nach der Auszeit weitergehen könnte. Nun ist der Münchner wieder zurück im Business und steigt bei Bechtle ein.

"Now, I’m ready for a new chapter", postete Rubert Lehner am Montag auf LinkedIn und bekommt viele Glückwünsche (Foto: Fujitsu)

Männer um das 50. Lebensjahr kann die Midlife-Crisis treffen, sagt man gemeinhin. Ob das bei Rubert Lehner im März 2024 der Fall war, als er sich entschieden hatte, seine Karriere in der IT-Branche vorerst zu beenden? Er war 56 Jahre, hatte seit 1990 zuerst für Siemens, dann für Fujitsu Siemens Computers (FSC) und schließlich nach dem Ende des deutsch-japanischen Joint Venture für den Fujitsu-Konzern gearbeitet – zuletzt als "Corporate Executive Officer, Executive Vice President Global Platform Business Fujitsu" – ein Titel so lang wie seine Karriere bis dato.

Auf dem Jakobsweg fragen die wenigsten Pilger andere Pilger nach ihrem Status. Eher schon kommt man ins Gespräch, warum jemand wie Rubert Lehner seinen Rucksack schnürt und entlang des 1.200 Kilometer langen Camino Francés die Pyrenäen Richtung Santiago de Compostella marschiert.

Berge versetzen

"Tagebuch einer magischen Reise", oder der andere Klassiker von Paulo Coelho, "Der Alchimist", wahlweise "Eine spirituelle Reise" oder gar: "Compostela: Sternenwege alter und neuer Mysterienstätten". Die Deutsche Nationalbibliothek listet unter den einschlägigen Stichwörtern an die 4.000 Publikationen auf. Lehner sagt schlicht: "Die letzten zwei Jahre gaben mir die Möglichkeit, viele Dinge zu tun, für die ich vorher nie wirklich Zeit gehabt hatte". Jakobsweg eben und "einmal pro Woche an der Münchner Tafel ehrenamtlich zu helfen und mehr Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir am wichtigsten sind", teilt er in einem Posting auf LinkedIn mit.

Wäre Lehner Generation Millennial oder Z, man würde Hunderte von Posings in den Sozialen Medien finden. Aber der Münchner hat kein Insta-Account und auf Facebook postete er sein letztes Foto Ende 2023. Zu sehen ist der Fuji, der Berg, der für viele Japaner tiefgreifende spirituelle und kulturelle Bedeutung hat.

Lehner habe in seiner Auszeit "sehr unterschiedliche Erfahrungen" gesammelt, "aber jede von ihnen gab mir eine neue Perspektive darauf, was wirklich zählt – und darauf, was ich als Nächstes tun wollte".

Nun ist der Manager bereit "für ein neues Kapitel" und hat vergangenen Woche seinen neuen Job angetreten: Lehner tritt bei Bechtle an, und zwar als "Director Strategic Portfolio Development".

Er freue sich sehr, "eng mit dem Führungsteam zusammenzuarbeiten, um das zukünftige Portfolio des Unternehmens in einer Zeit tiefgreifender technologischer Veränderungen mitzugestalten." Lehner will seine "Erfahrung und Perspektive in diese neue Rolle einbringen und neue Kollegen kennenlernen". Auch vertraute Gesichter wiederzuentdecken. Bechtle mit seinem starken IT-Handelsgeschäft war und ist ein wichtiger Partner für Lehners Ex-Arbeitgeber. Server und Storage von Fsas Technologies gehören auch nach der Umfirmierung der Fujitsu-Tochter zum Portfolio von Bechtle. Zumal das Systemhaus gute Geschäfte mit Behörden macht, ebenso wie Fsas/Fujitsu.

Dass Lehner seinen Ausstieg bei Fujitsu vor zwei Jahren auf LinkedIn noch in deutsch und englisch verfasst hatte, den Einstieg bei Bechtle dagegen nur auf englisch bekannt gibt, zeigt, dass der Manager auch in der Auszeit die Entwicklungen im Channel aufmerksam verfolgt haben dürfte.

"Brückengeneration"

Bechtle ist mit der europäischen Expansion seines Systemhausgeschäfts noch internationaler geworden. Unter dem designierten Bechtle-CEO Konstantin Ebert wird das schwäbische Systemhaus weiter im Ausland zukaufen und wachsen, die alle Länder verbindende Firmenkultur wird weiterentwickelt werden müssen. Alle Top-Führungskräfte, die von den Gründern Gerhard Schick und Ralf Klenk mit den typischen Bechtle-Werte – Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Pflichterfüllung – sozialisiert wurden, sind "Brückengeneration", geben also die Bechtle-DNA an die Jüngeren im In- und Ausland weiter.

Lehner kennt diese Bechtle-Genetik sehr gut, mag er sie auf Herstellerseite in harten Verhandlungen auch bisweilen schmerzlich zu spüren bekommen haben. Bei Bechtle zählt er auch zur Brückengeneration. Als erfahrender Manager und Pilger wird er es verstehen, Übergänge zu bauen.

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