Synaxon-Vorstand warnt vor massiven Preissteigerungen bei PCs
Baut sich eine Welle an Preiserhöhungen für Notebooks, Desktops und Server auf? Synaxon-Vorstand Miguel Rodriguez sieht so einige Anzeichen dafür. Allergrößte Vorsicht sollten Reseller bei Projektangeboten walten lassen.
Über den "perfekten Sturm im Anmarsch" im Zuge knapper Komponenten und rasanter Preissteigerungen hatte CRN im Dezember ausführlich berichtet und Insider aus der Distribution um ihre Einschätzung gebeten. Der Rat von Julia Mitterdorfer, Chefin Komponenten bei TD Synnex DACH: "Ware im Regal ist im Zweifel mehr wert als Geld auf dem Konto". Wenn Reseller Mitte Dezember in ihre Bestellsysteme blickten, werden sie bei den Preisen für Notebooks und Desktops womöglich keine großen Preissprünge bemerkt haben. Die stellen sie teils sogar jetzt auch nicht unbedingt fest. Alles nur Panikmache? Keineswegs, wie Miguel Rodriguez warnt. Es könnte Ruhe vor dem Sturm herrschen.
Rodriguez ist als Vorstand bei Synaxon für den Zentraleinkauf und die Logistik zuständig. Die rund 3.200 Mitglieder bei Europas größter IT-Verbundgruppe bewegen ein Marktvolumen von deutlich über 1 Mrd. Euro. Rodriguez bezeichnet die aktuelle Situation im Hardwarehandel als "spürbar angespannt".
Massive Engpässe haben bei Schlüsselkomponenten wie Arbeitsspeicher, SSDs und CPUs bereits zu sehr hohen Preissprüngen geführt. Ab Q3 2025 zeigen die HEKs für Arbeitsspeicher eine steile Kurve nach oben, wie CRN in Beitrag zur Komponentenkrise an einer Grafik von ITscope zeigte. Alle PC-Hersteller sind von der sich über viele Monate entwickelten Lage betroffen. Wer als Hersteller gut disponierte, konnte sich zu noch einigermaßen günstigen Einkaufskonditionen bevorraten und die PC-Preise stabil halten. Doch wann geht der Vorrat zu neige, wann leeren sich die Lager der Distributoren, bevor sie neue Clients ordern, die dann spürbar teurer werden?
"Was wir bei Synaxon derzeit im Markt sehen, ist ein gemischtes Bild: Komponentenpreise sind bereits deutlich gestiegen, während Arbeitsplatzgeräte wie Notebooks und Desktops auf den Plattformen teilweise noch zu früheren Konditionen verfügbar sind", sagt Miguel Rodriguez. Aber das liege nicht etwa an einer Entspannung des Marktes, "sondern in hohen Lagerbeständen, die sich Distribution und Hersteller in der Vergangenheit zu niedrigeren Preisen gesichert haben". Diese Bestände wirkten "noch preisstützend, werden jedoch in absehbarer Zeit abgebaut sein", warnt Rodriguez.
Auf einzelnen Plattformen sei Rodriguez zufolge aktuell noch keine flächendeckenden Preissteigerungen sichtbar. Aber:"Es ist sehr klar absehbar, dass sich die angespannte Komponentensituation kurzfristig auf Notebooks, Desktops, Server und Datacenter-Lösungen durchschlagen wird. Die Forecasts und Nachkaufpreise für die kommenden Monate bestätigen diese Entwicklung bereits heute", sagt er.
Besonders kritisch sieht der Synaxon-Vorstand die Situation im Projektgeschäft, insbesondere, wenn Reseller Angebote zu individuellen Projektkonfigurationen auf dem Tisch haben. "Hier ist aktuell größte Vorsicht geboten. Bestehende Projektanfragen enthalten häufig noch Sonderpreise aus der Zeit vor den jüngsten Preiserhöhungen. Jede Änderung an Umfang, Menge oder Konfiguration führt dazu, dass Projekte neu kalkuliert werden", weist der Synaxon-Manager auf ein Risiko hin. "Die bisherigen Preise werden dabei überschrieben und lassen sich in der Regel nicht wiederherstellen". Die Folge: sprunghafte Preissteigerungen im Gesamtprojekt, teils deutlich über 30 Prozent, so Rodriguez.
Seine Empfehlung, insbesondere für laufende Kundenprojekte: "Wenn Konfigurationen und Preise heute stehen und wirtschaftlich sinnvoll sind, sollten Projekte jetzt abgeschlossen und die Ware gesichert werden". Änderungen, Verzögerungen oder weiteres Abwarten berge seiner Meinung nach "ein hohes Risiko für Margen, Kalkulationen und Projektstabilität".
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