Robin Wittland bei QuiX Quantum: Bereit für die nächste Disruption
Raus aus der Forschung, rein in den Markt für Quantencomputer – auch über Partner: So soll der neue Vertriebschef die kommerzielle Basis für Wachstum beim niederländischen Pionier für photonischen Superrechner, QuiX Quantum, legen.
Das Rennen um den kommerziellen Durchbruch bei Quantencomputern zwischen den USA und Europa ist noch entscheiden. Offen ist auch, ob Kunden Systeme kaufen oder Ressourcen der Quantencomputer mieten werden, die in dezidierten Rechenzentren stehen und über Cloud Computing verfügbar sind. IBM hat mit Quantum System Two eine Handvoll kundenspezifischer Systeme verkauft. Die meisten der knapp über ein Dutzend Unternehmen, darunter Mercedes-Benz, Boeing oder Siemens beziehen "Quantum-as-a-Service" aus der IBM-Cloud. Das Quantum Data Center von Big Blue steht in Poughkeepsie, New York. Dem IBM Quantum Network haben sich weltweit rund 300 Partner angeschlossen – meist Universitäten und Forschungseinrichtungen, Startups und einige Konzerne. Ähnlich bei Microsoft: Über den Cloud-Dienst Azure Quantum greifen Nutzer auf Hardwareressourcen verschiedener Hersteller zu.
Europäischer Marktführer ist IQM Quantum Computers mit seinen supraleitenden Quantenrechner. Größter Kunden ist das Leibniz-Rechenzentrum, das in Garching bei München steht – dem "Munich Quantum Valley", gleichnamige gemeinnützige GmbH (gGmbH). Robin Wittland hat dort die letzten 18 Monate bei Planqc gearbeitet. Im Oktober 2024 stieg er bei 2022 gegründeten Spin-off des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik ein. Vom bayerischen Startup im Münchner Quantum Valley geht es jetzt für den Ex-Wortmann- und ehemaligen Microsoft-Manager ihn in die Niederlande. Er ist Chief Commercial Officer bei QuiX Quantum aus Eschede.
In Deutschland hat der Quantencomputing-Hersteller zwei Niederlassungen: Ulm und Stuttgart. Der Weg zu Bechtle ist nicht weit. Das Systemhaus wagt sich als erster in seiner Branche in das potenziell disruptive Segment vor, hat mit dem Leipziger Startup SaxonQ bereits eine Vertriebspartnerschaft für seine sogar mobilen Systeme geschlossen. Die Niederländer von QuiX Quantum setzen, wie die Sachsen darauf, dass Quantencomputing ein Massenmarkt werden könnte. Wittland soll bei QuiX Quantum vertriebliche Aufbauarbeit leisten. Seine jahrzehntelange Erfahrung im Vertrieb von Computern kann, muss aber nicht zwangsläufig wertvoll sein. Vom klassischen Vertrieb im Channel unterscheidet sich der Markt für Quantencomputer doch erheblich.
Dennoch sind die Erwartungen der Niederländer hoch an den neuen Chief Commercial Officer (CCO: Die Ernennung von Robin Wittland "baut auf dem wachsenden Kundenstamm auf und versetzt das Unternehmen in die Lage, seine Führungsposition im Bereich der photonischen Quantencomputer in skalierbare Umsätze und Partnerschaften umzusetzen", so QuiX Quantum.
Er soll die globale Geschäftsstrategie, die Kundenakquise, strategische Partnerschaften und das Umsatzwachstum von QuiX Quantum leiten, "während das Unternehmen in seine nächste Wachstumsphase eintritt", so die Pressemitteilung.
Wo steht QuiX Quantum, 7 Jahre nach seiner Gründung?
Mehr als 15 Kunden, vor allem Forschungseinrichtungen, aber man habe den Markt sondiert und sehe bereits Anwendungen "weit über die reine Forschung und Entwicklung hinaus". Außerdem beschleunige Europa strategische Investitionen in Quantentechnologien, Infrastruktur und souveräne Kapazitäten. "Vor diesem Hintergrund stärkt das Unternehmen seine kommerzielle Führungsrolle, um den Kundenzugang zu erweitern, strategische Partnerschaften zu vertiefen und seine wachsende Bedeutung in europäischen Programmen für souveräne Quanteninfrastruktur weiter auszubauen", unterstreicht man Wittlands wichtige Rolle.
"QuiX Quantum hat sich eine stark differenzierte Position im Bereich des photonischen Quantencomputings erarbeitet und tritt nun in eine Phase ein, in der die kommerzielle Umsetzung zunehmend an Bedeutung gewinnt", Wittland. "Mit starker Technologie, bewährter Marktpräsenz und wachsender strategischer Dynamik in Europa bietet sich nun die Gelegenheit, diese Position in skalierbare Kundenbeziehungen, strategische Partnerschaften und nachhaltiges Wachstum umzusetzen", so der Manager weiter. Er will helfen, "die kommerzielle Grundlage für die nächste Phase von QuiX Quantum zu schaffen".
QuiX Quantum ist laut eigener Aussage "einzigartig positioniert, um erfolgreich zu sein, da seine Systeme Serienfertigungsfähigkeit, geringes Qubit-Rauschen und Energieeffizienz in einer universellen photonischen Quantencomputing-Plattform vereinen, die ideal auf Modularität und Wachstum in hybriden Rechenzentren und HPC-Umgebungen ausgelegt ist". Nun gilt es "infrastrukturtaugliche Position im Bereich Quantencomputing in eine breitere Kundenakzeptanz, strategische Infrastrukturrelevanz und langfristige Marktführerschaft umzusetzen".
Vertriebsprofi Wittland ist laut Stefan Hengesbach, CEO von QuiX Quantum, der richtige Manager zur richtigen Zeit. "Er hat wiederholt Wachstumsstrategien, Partnerschaften und Vertriebsorganisationen in hart umkämpften Umgebungen aufgebaut. Diese Ernennung stärkt unsere Fähigkeit, Technologieführerschaft in Kundenakzeptanz und eine langfristige Marktposition umzuwandeln", so Hengesbach.
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QuiX Quantum im Überblick
QuiX Quantum entwickelt eigenen Aussagen zufolge "skalierbarer, datenzentrumsfähiger Quantensysteme für den praktischen Einsatz"
(Foto: QuiX Quantum)
Gründung: 2019 durch Dr. Hans van den Vlekkert und Dr. Jelmer Renema.
Standorte: Hauptsitz in Enschede (Niederlande), mit insgesamt fünf Niederlassungen in Europa (u. a. in Deutschland und Italien). Dr.-Ing. Stefan Hengesbach amtiert als CEO; seit März 2026 ist Robin Wittland als Chief Commercial Officer (CCO) an Bord.
Finanzierung: Zuletzt im Juli 2025 sicherte sich QuiX Quantum eine Series-A-Finanzierung über 15 Millionen Euro, angeführt von Invest-NL und dem EIC Fund.
Kerntechnologie: Quanten mit Licht
Im Gegensatz zu supraleitenden Systemen, die extrem tiefe Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt benötigen, nutzt QuiX Quantum Lichtteilchen auf Siliziumnitrid-Chips. Die Prozessoren arbeiten überwiegend bei Raumtemperatur, was die Hardware deutlich kompakter, energieeffizienter und kostengünstiger macht. Durch die Nutzung von Standardnetzwerk-Komponenten lassen sich die Systeme leicht in bestehende IT-Infrastrukturen integrieren, also in Rechenzentren.
Die Chips basieren auf der proprietären "TriPleX"-Plattform, die eine verlustarme Lichtführung ermöglicht – ein kritischer Faktor für die Skalierung auf viele Qubits.
Roadmap
QuiX hat sich von einem Komponenten-Anbieter zum System-Integrator entwickelt. Kommerziell erhältliche photonische Prozessoren wurden bereits weltweit an Forschungseinrichtungen verkauft
Ein Meilenstein setzte das Unternehmen vor kurzem mit der Auslieferung des ersten universellen photonischen Quantencomputers an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), für das QuiX ein System im Wert von 14 Millionen Euro entwickelt.
Marktposition und Partnerschaften
QuiX positioniert sich als das "Herzstück" der europäischen Souveränität im Quantenbereich. Strategische Allianzen bestehen mit der italienischen Q-Alliance und als Partner im Forschungsnetzwerk ARENA2036 (Stuttgart), um Anwendungen in der Automobil- und Luftfahrtindustrie zu erschließen. Anwendungsgebiete: Optimierung von Energienetzen, Wasserwirtschaft (Partnerschaft mit Deltares), Materialwissenschaften und komplexe Finanzrisiko-Simulationen.
QuiX Quantum wird als der "Hidden Champion" der europäischen Quanten-Hardware bezeichnet. Während andere auf massive Kühlketten setzen, punktet QuiX mit Pragmatismus, Energieeffizienz und einer Chip-Technologie, die bereits heute in Serie gefertigt werden kann.
"Durch die Kombination von CMOS-kompatiblen photonischen integrierten Schaltkreisen aus Siliziumnitrid, photonischen Prozessoren mit minimalem Verlust, einem Systemdesign, das bei Raumtemperatur betrieben wird, messungsbasiertem universellem Quantencomputing und schneller Feedforward-Steuerung schafft QuiX Quantum einen verlustarmen, modularen und datenzentrumskompatiblen Weg zu Quantencomputern im Utility-Scale", so der Hersteller in seiner Eigenbeschreibung.
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