Palo Alto im Vorwärtsgang: Angst vor KI? Ganz im Gegenteil!
Palo Alto Networks vermeldet solide Zuwächse und verstärkt sich mit dem Kauf von Koi im Bereich Agentic Endpoint Security. Entsprechend positiv blickt CEO Nikesh Arora in die Zukunft und erklärt, warum KI die etablierten Sicherheits-Tools und -Anbieter aus seiner Sicht "nicht in absehbarer Zeit ersetzen wird".
Die Einkaufstour von Palo Alto Networks geht ungebremst weiter. Nach den beiden Übernahmen von Chronosphere (2,2 Milliarden US-Dollar) und CyberArk (25 Milliarden US-Dollar) packt das Unternehmen jetzt für einen nicht genannten, aber wohl deutlich kleineren, Betrag noch das Startup Koi mit in den Wagen. Wieder geht es dabei insbesondere um die strategische Erweiterung des eigenen Portfolios mit einem Fokus auf KI. Koi ist im jungen und boomenden Cybersecurity-Segment der Agentic Endpoint Security aktiv, bringt also gefragte Lösungen und Knowhow mit, um die Transparenz und den Schutz beim Einsatz von KI-Agenten auf Endgeräten zu verbessern.
Palo Alto Networks will die Lösungen und Funktionen von Koi in seine im vergangenen Jahr vorgestellte KI-Sicherheitsplattform Prisma AIRS integrieren, die eine umfassende Toolbox zur Absicherung des Einsatzes von KI-Anwendungen, -Modellen und -Agenten in Unternehmen und Organisationen bietet. Ein Angebot, das laut CEO Nikesh Arora auf reges Interesse stößt und "rasant skaliert". Zum Ende des zweiten Geschäftsquartals, das am 31. Januar endete, habe man bereits mehr als 100 Kunden für Prisma AIRS gewonnen. "Das ist deutlich schneller als unser Wachstum im Bereich Cloud-Security", unterstrich er bei der Vorstellung der aktuellen Quartalszahlen.
Und diese geben dem Management mit seiner Einkaufs- und Erweiterungsstrategie recht. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres stieg der Umsatz von Palo Alto Networks im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 2,59 Milliarden US-Dollar und lag damit leicht über der Konsensprognose der Wall-Street-Analysten. Der Gewinn pro Aktie erreichte im zweiten Geschäftsquartal 1,03 US-Dollar und übertraf die Erwartungen um 9 Cent pro Aktie.
Das 'Wer' und das 'Was' absichern
Durch die Übernahme von CyberArk und die damit einhergehende Verstärkung im Bereich Identity Security sieht sich Palo Alto nun in einer zentralen Position als Sicherheitsplattform der KI-Zukunft. "Wir haben CyberArk übernommen, weil mit dem Einsatz von KI-Agenten, die sich in Maschinen-Geschwindigkeit anmelden, das Login zum primären Angriffsvektor wird", erläuterte Arora. "Wir glauben, dass wir nun als einziges Unternehmen sowohl das ‚Wer‘ verifizieren als auch das ‚Was‘ gleichzeitig absichern können."
KI ist dabei für ihn ein zwar ein enorm wichtiger Helfer auf technischer und Team-Ebene, gerade gegen die ebenfalls durch KI verstärkte Cyberkriminalität. Die in der Softwarebranche zunehmende Sorge, angesichts der rasanten Fortschritte vielleicht komplett von der KI ersetzt zu werden, teilt er allerdings nicht. Ganz im Gegenteil sieht er gerade etablierte Anbieter wie Palo Alto sogar deutlich im Vorteil gegenüber der KI. Zwei Faktoren sind dabei aus seiner Sicht entscheidend: Einerseits die Fehleranfälligkeit der LLMs und darauf basierender Tools und andererseits der enorme Wissensvorsprung der Security-Unternehmen, deren proprietäre Daten externen Modellen nicht zur Verfügung stehen.
Die Macht der Daten im KI-Rennen
"Ich verstehe immer noch nicht, warum der Markt KI als Bedrohung für die Cybersecurity-Branche ansieht", sagte Arora und ergänzte, dass er "nicht für die gesamte Softwarebranche sprechen" könne. Aus seiner Sicht sind LLMs noch lange nicht präzise und damit nicht sicher genug, um in zentralen Bereichen wie Sec-Ops vollständig autonom zu übernehmen. "Erst wenn LLMs eine Genauigkeit von 99,9 Prozent erreichen, stellen sie eine Gefahr für die Bereitstellung von Sicherheit dar", argumentierte Arora. Und selbst dann kommt noch der entscheidende Vorteil der existierenden Anbieter und Lösungen zum Tragen, dass sie reale Kundendaten haben, um ihre KI-Modelle zu trainieren. So setze Palo Alto hier etwa "domänenspezifische Daten ein, basierend auf Bedrohungen, die wir in der Praxis beobachten", und nutze diese Informationen, um den bestmöglichen Schutz für die Kunden zu gewährleisten.
"Solange wir proprietäre Daten im Bereich der Sicherheit generieren, werden diese nicht von einem LLM ersetzt werden", ist Arora überzeugt. Natürlich verfüge letzten Endes inzwischen "jedes Sicherheitsprodukt über eine Art Copilot, der parallel zum Produkt läuft". Dennoch bedeute dies laut Arora nicht gleich, dass der Aufstieg der KI zu einer grundlegenden Umwälzung in der Cybersecurity-Branche führen werde. "Ich glaube nicht, dass KI die Sicherheitsprodukte in absehbarer Zeit ersetzen wird", so Aurora.
Dieser Artikel basiert in Teilen auf Material unseres geschätzten US-Kollegen Kyle Alspach von crn.com.
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