Neuer Chef von Aagon will Internationalisierung starten und Channel wieder stärken
Seit Oktober leitet Jürgen Vogler den Softwarehersteller Aagon aus Soest und interimsweise auch den Channel des UEM-Spezialisten. Ein neuer Channel-Chef kommt bald an Bord und soll wieder Schwung in den Partnervertrieb bringen. Wenn er die Aagonauten im Direktvertrieb hinter sich bringt, könnte 2026 ein noch besseres Jahr als 2025 werden.
Zwei Schritte vor, einer zurück. So könnte man das Channel-Engagement von Aagon in den letzten 24 Monaten beschreiben. Der Anbieter von Unified Endpoint Management (UEM) ist traditionell im Direktvertrieb unterwegs, hat aber in einer ausgefeilten Bewerbung für die CRN Channel Awards 2024 die Jury beeindruckt. Den Erfolg im Channel 2023 untermauerte Aagon mit Fakten und stellte Maßnahmen zum Ausbau des indirekten Vertriebs vor. Und das so überzeugend, dass die Jury Aagon im Oktober 2024 in Berlin auf dem Premiere-Event CRN Channel-Awards zum Softwarehersteller des Jahres kürte. Channel- und Vertriebs-Chef waren mächtig stolz. Ein Jahr später waren beide weg.
Was war passiert? Die Gründer und Geschäftsführer Wilko Frenzel und Sascha Häckel verkauften ihre Anteile Anfang 2025 an die Private Equity-Gesellschaft Genui, ein Partnerunternehmen der von Cancom-Aufsichtsratschef Klaus Weinmann mitgegründeten Primepulse. Aus Inhabern wurden angestellte Manager. Der letzte Wille, in einem zweistellig wachsenden Markt mit der IT-Management-Plattform ACMP weiter überdurchschnittlich zuzulegen und den Channel dabei konsequent mitzunehmen, hat wohl gefehlt. Vergangenen Oktober schieden die Gründer aus. Der Investor hatte zuvor bei Jürgen Vogler angeklopft. Und der wollte sichergehen, bei einen aussichtsreichen IT-Unternehmen die nächste Wachstumsphase zu leiten.
Spannendes Softwareunternehmen aus dem deutschen Mittelstand, vor allem sehr profitabel und seit 30 Jahren am Markt. Vogler schaut sich die Bilanz 2024 an: über 20 Mio. Euro Umsatz (plus 9 Prozent), 240 Neukunden gewonnen. Die nicht öffentlich genannte Profitabilität, 2023 hatte Aagon mit knapp 140 Beschäftigten einen Überschuss von 4 Mio. Euro geschrieben, dürfte auch 2024 und 2025 zu Margen jenseits der 20 Prozent geführt haben. Vogler sagt zu. Seit Anfang Oktober ist er Chef bei Aagon, im Gespräch mit CRN kündigt der 58-Jährige nun an, welche Pläne er bei Aagon hat.
Aagon-Channel bald unter neuer Führung
Eine der ersten Maßnahmen von Jürgen Vogler, der 1992 in der IT-Branche startete und vor allem für IT-Dienstleister gearbeitet hat - zuletzt als Partner von msg security advisors: Er lässt seine Kontakte spielen und begibt sich auf die Suche nach einem "Channel Lead". Im April will Aagon den Channel-Chef vorstellen. Der wird mit weitere Channel Account-Managern und einer Channel Marketing-Expertin zusammenarbeiten. "Wir bauen den Channel strukturiert und fokussiert aus", sagt Vogler. Er will grundlegende Entscheidungen für ein indirekten Go-to-Market nicht vorwegnehmen. Wo die Schwerpunkte eines Partnerprogramms liegen oder welche Absprachen mit dem Aagon-Direktvertrieb getroffen werden, das soll dann der Neue entscheiden.
Das Partner-Kickoff im Februar in Bad Sassendorf unweit von der Firmenzentrale in Soest wird Vogler in seiner vorübergehenden Rolle des Channel Lead leiten. "Die Resonanz der Partner ist sehr groß", sagt er.
"Frag-den-Jürgen" – Open Door Policy
Bei Aagon steht der Direktvertrieb für mehr als 80 Prozent des Umsatzes. Der Anteil des Channels soll deutlich wachsen. Festlegen auf eine Marke will sich Vogler noch nicht. Dass Aagon-Partner ihren Kunden Wahlfreiheit bieten können, ob sie die Unified Endpoint Management (UEM)-Lösung aus der Cloud oder auf eigener Infrastruktur laufen lassen wollen, sieht der Aagon-Chef als Vorteil an gegenüber den ausschließlich auf Cloud-native-Architektur setzenden Mitbewerbern. Vogler nennt die Konkurrenz "Bewunderer". Das klingt selbstbewusst, aber nicht herablassend.
Vogler ist kein Manager, der sich im Silo einsperrt, unnahbar ist und einsam Entscheidungen trifft, die andere zu delegieren haben. Wäre er nicht bodenständig, er würde mit Primepulse-Chef Klaus Weinmann und dessen Partner Stefan Fritz, beide sind Beiträte bei Aagon, nicht viele Jahre in engem Kontakt stehen. "Ich möchte das Vertrauen der Kunden und Partner stärken", sagt einer, der durchaus Sinn auch für Humor hat: In Anlehnung an "Schlag-den-Raab" hat Vogler "Frag-den-Jürgen" eingeführt, ein Format seiner Open Door Policy für Mitarbeiter und Partner. "Meine Türe steht immer offen". Daneben informiert er regelmäßig in Townhall Meeting.
Die offene Türe zu seinem Büro findet man in der Firmenzentrale von Aagon in Soest, wo der Manager jeden Werktag anzutreffen ist. Am Wochenende fährt er zu seiner Familie nach Berlin. Frau, vier Kinder und eine Katze warten Vogler, der am Rande der Bundeshauptstadt im Grünen lebt.
Expansion ins Ausland
UEM ist ein Wachstumsmarkt, denn immer mehr vernetzte Clients müssen verwaltet werden. IoT und künftig Roboter treiben die Nachfrage nach Softwareplattformen für das IT-Management an. Vogler sieht für Aagon "hervorragende Wachstumschancen". Nicht nur in Deutschland. "Wir sollen international expandieren, und zwar in deutschsprachige Länder", kündigt Vogler an. Dazu zählt er neben Österreich und Schweiz auch Belelux.
Und Vogler zeigt sich offen für Technologiepartnerschaften, der zweite Strang einer Wachstumsstrategie über Partner. Warum nicht IT-Security in eine Plattform für Endgeräteverwaltung integrieren, so wie das Mitbewerber schon machen. "Wir werden kein SOC etablieren, aber eventuell in einer Kooperation anbieten". Es wäre für ihn eine "logische Ergänzung", so Vogler. Denn "UEM ist der Einstieg in Security".
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