Neuer CEO Michael AG: "Die Doppelbelastung kann ich tragen"
Magnus Michael kehrt als Chef zum TK-Distributor Michael AG zurück, 8 Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Familienunternehmen. Er übernimmt auch die Aktienmehrheit von seinem Vater Siegfried. Dem hat der Sohn in der Elektronikfertigung gezeigt, was in ihm steckt. Die Hintergründe.
Bei der Michael AG übernimmt zum 1. Mai Magus Michael den Vorstandsvorsitz. "Es ist die richtige Zeit, jetzt!". Unter diesem "Leitmotiv", so Michael AG, gibt der Distributor diese "wegweisende Personalentscheidung" bekannt. Magnus Michael übernimmt das Amt von seinem Vater Siegfried Michael, der den Distributor aus Bohmte bei Osnabrück vor über 40 Jahren geründet hatte und als Vorstandsvorsitzender leitet. Siegfried Michael wird diesen August 74 Jahre. "Papa ist raus, und er freut sich schon auf Reisen um die Welt". Und zwar mit seiner Frau, so Magnus Michael im Gespräch mit CRN.
"Mit diesem Schritt vollzieht das Familienunternehmen planmäßig den Generationenwechsel an der Spitze und stellt die Weichen für eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung im Markt", heißt es in der Pressemitteilung der Michael AG. Für den Distributor beginne ein "neuer Abschnitt". Mit Blick auf seine neue Aufgabe erklärt Magnus Michael: "Gemeinsam mit unserem engagierten Team werden wir die Innovationskraft stärken, neue Märkte erschließen und das Vertrauen unserer Partner weiter festigen".
Magnus Michael habe laut Unternehmen bereits in der Vergangenheit "maßgeblich zur erfolgreichen Transformation beigetragen – insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und Portfolioausbau". Er werde auch künftig den Fokus auf die Erschließung neuer Wachstumspotenziale legen, vor allem in den Geschäftsfeldern ITK, Breitbandvermarktung und Cloud-Lösungen.
Erster Versuch, in die Fußstapfen des Vates zu treten
Ende gut, alles gut, könnte man sagen, wenn man sich an das Jahr 2018 zurückerinnert. Vor acht Jahren nämlich hatte der Junior an die Spitzen gedrängt, dem Vater wohl auch die Pistole auf die Brust gesetzt. Der aber ließ sich nicht bedrängen. Meinte wohl, dass der Junior mit seinen Jobs – beim mittelständischen TK-Hersteller und 8 Jahre Siemens-Konzern, zwei davon in den USA – noch nicht reif für die Übernahme von Verantwortung für ein mittelständisches Handelsunternehmen und seinen über 100 Beschäftigten wäre.
Ein typischer Vater-Sohn-Konflikt. Magnus schied schließlich aus dem väterlichen Unternehmen aus und machte sein eigenes Ding.
Sporen verdient als Unternehmer im Fertigungssektor elektronische Bauteile
2016 hatte er bereits das Unternehmen Cloud System Integrator gegründet. Später übernahm das Unternehmen die Osnabrücker Holtkamp Electronics von den Altgesellschaftern. Magnus Michael wurde geschäftsführender Gesellschafter des Fertigers für elektronische Bauelemente.
Das mittelständische Unternehmen mit rund 65 Beschäftigten stellt Spezialelektronik her, beispielsweise für Aufzug- oder Klimasteuerung, Futtermittelautomaten und Steuerungen für Düngeausbringung sowie Maschinenbautechnik. "Wir haben eine Nische gefunden, fertigen Stückzahlen von 1 bis 15.000 und mehr", sagt Michael.
Mit klassischer TK-Distribution, die Vater Siegfried Michael 1984 und damit mehr als 10 Jahre vor dem Ende des staatlichen Monopols in der Telekommunikation startete, hat das Geschäft der Holtkamp Electronics nur insofern zu tun, als Holtkamp die Logistik der Michael AG nutzt. "Das sind ganz andere Kunden, andere Vertriebskanäle als im TK-Channel", sagt Magnus.
"Doppelbelastung" kein Problem
Der Holtkamp Electronics wird Eigner Magnus Michael als Geschäftsführer weiter vorstehen. In der zusätzlichen Übernahme des CEO-Postens bei Michael AG sieht er kein Problem. "Unterm Strich kann ich die Doppelbelastung tragen", er traut sie sich zu, so Michael gegenüber CRN. Er vertraue "einem guten Team, das ich im Rücken habe", sagt er. Für knapp mehr als 100 Beschäftigte beim TK-Distributor trägt er ab Mai die Verantwortung.
Daher ist ihm die Aufgabenteilung mit Vorstandskollege Oliver Hemann auch wichtig. Er ist seit über 27 Jahren bei Michael AG, wurde 2021 von Siegfried Michael in den Vorstand berufen. "Wir kennen uns 20 Jahre plus, haben früher schon eng zusammengearbeitet", so Michael. Und manchmal wohl gemeinsam Entscheidungen des Chefs schlucken müssen, darf man vermuten.
"Magnus ersetzt jetzt Siegfried, so geht es weiter"
Inhaber, die ihr Unternehmen über vier Jahrzehnte geführt und die Richtung bestimmt haben, haben eben auch ihren eigenen Kopf und klare Vorstellungen, wie die Dinge zu laufen haben.
Was der "junge" Magnus damals - Anfang 2018 war er 40 Jahre alt – manchmal nur zähneknirschend akzeptiert haben mag, wird der nun gereifte Unternehmer anders sehen. "Magnus ersetzt jetzt Siegfried, so geht es weiter", sagt der in zwei Wochen neue CEO bei Michael AG und betont vor allem die Kontinuität des Familienunternehmens. Der Übergang der Aktienmehrheit vom Vater auf den Sohn ist eingeleitet.
Siegfried Michael behält ein kleines Aktienpaket, einen Wechsel in den Aufsichtsrat, wie bei vielen Unternehmen üblich, habe der Senior explizit ausgeschlossen, betont Sohn Magnus. Sein Lebenswerk, für das ihm das gesamte Unternehmen und der Aufsichtsrat dankt, weiß er in guten Händen. "Als Gründer und prägende Unternehmerpersönlichkeit hat er das Unternehmen über 42 Jahre hinweg mit großem Engagement und unternehmerischer Weitsicht aufgebaut und weiterentwickelt", so das Statement der Michael AG.
Umsatz- und Ertragsrückgang 2024
Laut den aktuellen Zahlen aus dem Handelsregister hat Michael AG 2024 einen Umsatz von 83 Mio. Euro erzielt, ein Rückgang um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bilanz wies einen Jahresfehlbetrag von 279.000 Euro aus, nach einem Überschuss von 183.000 in 2023. Das Jahr 2024 war für die meisten Distributoren hierzulande nicht einfach. So hatte beispielsweise bei Siewert & Kau eine 2024 mit Banken vereinbarte Sanierung nicht gegriffen, worauf der IT-Distributor 2025 Insolvenz anmelden musste.
Im Geschäftsbericht 2024 von Michael AG hatte es geheißen, dass die wirtschaftliche Lage bei Michael Telecom "weiterhin geordnet" sei. "Das Jahresergebnis 2024 ist aus Sicht des Vorstandes nicht zufriedenstellend. Die in den Vorjahren teilweise nicht eingetroffenen Prognosen des Vorstandes gingen von einer positiveren allgemeinen Kaufnachfrage der Marktakteure aus, die durch politische und psychologische Faktoren in einem schwierigen Umfeld jedoch begrenzt wurde".
In der Bilanz 2024 weist der Distributor aus Bohmte eine Eigenkapitalquote von 56,2 Prozent aus. "Die solide Eigenkapitalausstattung bildet auch weiterhin die Grundlage für die zukünftige positive Entwicklung", hieß es zum damaligen Zeitpunkt.
An der Bilanz für 2025 arbeitet die Magnus AG noch. Laut Magnus Michael werde "eine schwarze Null" erwartet. Damit wäre der Turnaround nach einem schwierigen Vorjahr geschafft.
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