KI: Unternehmen fürchten Fehler und Abhängigkeiten
Mit dem Übergang von der Experimentierphase zum produktiven Einsatz gewinnt für die meisten deutschen Unternehmensverantwortlichen die Frage nach der digitalen Souveränität nochmals deutlich an Brisanz. Ihre dadurch entstehenden Sorgen und Wünsche sind ein guter Ansatzpunkt für Dienstleister.
Zumindest in Europa sind die beiden großen Trends der KI-Nutzung und der digitalen Souveränität aufs engste miteinander verwoben. Angesichts der politischen Verwerfungen und Unsicherheiten und der zunehmenden regulatorischen Anforderungen bewegt sich die traditionell skeptische europäische Unternehmenswelt weiter in die Richtung gut kontrollierbarer Datenhaltung und -verarbeitung. Nach dem Dafürhalten vieler Experten und Beteiligten wird sich diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren durch den zunehmenden Einsatz von KI-Lösungen noch weiter verstärken.
Datenhoheit, Transparenz und Sicherheit gefragt
Eine Einschätzung, die auch viele auf dem Cloudfest 2026 anwesende Verantwortliche teilten. In einer Snapshot-Umfrage, die der Cloud-Anbieter Yorizon während der Veranstaltung durchführte, nannte die Hälfte der 52 befragten IT-Experten und Führungskräfte das Risiko des Verlusts der Datensouveränität als größte Hürde bei der Einführung geschäftsrelevanter KI-Anwendungen. Fast genauso viele (48 Prozent) fürchten sich außerdem vor Fehlentscheidungen der KI und ihren Konsequenzen. Es folgen die fehlende Transparenz der KI-Prozesse (35 Prozent), die steigenden Security-Anforderungen (29 Prozent) sowie die Gefahr der Anhängigkeit von einzelnen KI-Lösungsanbietern (23 Prozent). Indes bereiten die notwendigen Kompetenzen und der im KI-Bereich besonders große Fachkräftemangel den Unternehmensvertretern keine nennenswerten Sorgen: Nur acht Prozent zweifeln an der Fähigkeit ihrer Organisation, KI-Anwendungen unter eigener Kontrolle weiterzuentwickeln.
"Erst die Entwicklung von europäischen Ökosystemen für souveräne KI-Plattformen kann aus unserer Sicht die entscheidenden Impulse setzen, damit KI den Sprung in kritische Unternehmensbereiche schafft", ist deshalb Gernot Hofstetter, Co-CEO von Yorizon, überzeugt. Um ihre Vorteile dort entfalten zu können, empfiehlt er einen
holistischen Ansatz: "Durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit gelingt es schneller, ein tiefes Verständnis für das kreative Potenzial von KI zu gewinnen, daraus eigene KI-Strategien zu entwickeln und echte Wertschöpfung zu generieren."
[siehe auch: Digitale Souveränität und das Dilemma der kognitiven Dissonanz]
Die Kosten der Souveränität
In diesem Sinne fordern auch 58 Prozent der Befragten von der IT-Branche den Ausbau souveräner europäischer Cloud-Infrastrukturen und 38 Prozent verstärkte Open-Source-Initiativen im KI-Bereich. Zudem wünschen sie sich verbesserte souveräne Lösungsangebote und eine engere Zusammenarbeit mit den Dienstleistern und Herstellern. Gefragt sind bei den Unternehmenskunden also souveräne Plattformen, welche die nötige Kontrolle, Sicherheit, Compliance und Transparenz gewährleisten.
Um diese Punkte abdecken und sich damit eine Chance auf dieses wachsende Geschäft sichern zu können, sollten Systemhäuser und Dienstleiser also Antworten auf diese Ängste parat haben und neben den Standard-Anbietern auch entsprechende souveräne Alternativen für diese zunehmend anspruchsvolle Kundschaft in Petto haben. Die gute Nachricht dabei ist, dass die Kosten angesichts der möglichen Risiken für viele Unternehmen und Einrichtungen nicht die erste Geige spielen. In der Snapshot-Umfrage sehen beispielsweise nur 15 Prozent darin ein mögliches Hemmnis.
Eine Erkenntnis, die sich in der Umfrage überraschend auch auf ein anderes Thema überträgt: Die Nachhaltigkeit. Zwei Drittel der Befragten geben an, dass auch Nachhaltigkeit beziehungsweise Green IT für ihr Unternehmen in Bezug auf Cloud und KI wichtig sind. Mehr als 40 Prozent sehen darin sogar einen relevanten Faktor bei der Entscheidung für Infrastruktur- und Lösungsanbieter. "Ein nachhaltiger Energie- und Ressourceneinsatz ist wesentlich für unabhängige und resiliente IT", so Hofstetter. "Immer mehr Entscheider erkennen und nutzen die Chance, den Neuaufbau souveräner IT-Umgebungen auch hinsichtlich Nachhaltigkeit von vornherein zukunftsfähig zu gestalten."
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