Igel treibt Plattform-Wandel voran: Partner sehen wachsende Nachfrage nach sicheren Endpoints

Vom Thin-Client-Hersteller zum Plattformanbieter für Endpoint-Sicherheit: Auf der Now & Next Konferenz in Frankfurt zeigte Igel neue Funktionen für Zugriffskontrolle und Branchenintegration. Interviews mit den Partnern Bechtle, NetPlans und SVA bestätigen den Trend: Software, Sicherheit und Beratung gewinnen gegenüber dem Hardware-Geschäft an Gewicht.

Igel-Chef Klaus Oestermann führt den Thin-Client-Anbieter seit nunmehr 3 Jahren (Foto: IGEL)

Mehr als drei Jahre nach dem Rückzug aus der eigenen Thin-Client-Fertigung hat sich Igel Technology endgültig vom Hardware-Anbieter zum Plattformunternehmen für Endpoint-Sicherheit entwickelt. Auf der Now & Next Konferenz in Frankfurt Mitte diesen Monat stellten CEO Klaus Oestermann, CTO Matthias Haas und Peter Goldbrunner, Vice President & General Manager Central Europe, den aktuellen Ausbau der "Adaptive Secure Endpoint Platform" vor. Gespräche mit drei deutschen Systemhaus-Partnern – Bechtle, NetPlans und SVA – zeigen zugleich, wie diese Transformation im Channel ankommt: Das Geschäft verschiebt sich von Hardware-Stückzahlen zu Software-, Sicherheits- und Beratungsleistungen.

Die Produktion eigener Thin-Client-Hardware hatte Igel zum 31. März 2023 eingestellt; die Neuausrichtung zum Softwareunternehmen war zuvor im November 2022 angekündigt worden. Der frühere Produktionsstandort Augsburg dient heute als Forschungs- und Entwicklungsabteilung, das Headquarter liegt im Bremer Tabakquartier.

Vom Betriebssystem zur Plattform

In Frankfurt betonte CTO Matthias Haas, dass Igel sich nicht mehr allein als Anbieter eines Betriebssystems verstehe. Grundlage bleibt Igel OS, ein unveränderliches Betriebssystem, das einen bekannten, richtlinienkonformen Endpoint-Zustand sicherstellen soll. Ergänzt wird es durch einen Managed Hypervisor und Container-Unterstützung, mit denen Windows-Anwendungen sowie Workloads aus der Betriebstechnologie (OT) direkt auf Igel-Endpunkten laufen können – wodurch der klassische VDI-Stack zunehmend optional wird.

Neu vorgestellt wurde das Konzept der "Persona Layer" innerhalb eines kontextbasierten Zugriffsmodells mit vier Ebenen, bei dem Richtlinien je nach Arbeitsumgebung dynamisch greifen. Als Beispiel nannte Haas ein Szenario, das bei einem Kranken zum Einsatz kommt: ein Gerät wird von wechselndem Pflegepersonal genutzt und während der Visite kurzfristig dem behandelnden Arzt zugeordnet. Die Vertrauensstufen werden erstmals auch mit Drittanbietern wie Cisco, Forescout und Palo Alto Networks verknüpft.

Mit "IGEL AI Armor" kündigte das Unternehmen zudem eine KI-Komponente in Entwicklung an, die laut Oestermann dem Schutz vor gezielten Datendiebstahl-Angriffen auf hochrangige Mitarbeiter dienen soll.

Wachstum in OT und kritischen Branchen

Igel informierte Partner auf der Now & Next Konferenz in Frankfurt über Neuigkeiten

(Foto: IGEL)

Ein wesentlicher Wachstumstreiber liegt außerhalb klassischer IT-Arbeitsplätze. Field CTO John Walsh stellte die Erweiterung der Plattform auf Operational Technology (OT) vor. Die Architektur soll über fünf Zielbranchen identisch funktionieren: Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor, Finanzdienstleistungen, Einzelhandel sowie Fertigung und Transport. In Deutschland verweist Igel im Gesundheitswesen auf über 50 Prozent Marktanteil bei rund 300 Kunden; international nannte Field CTO James Millington einen NHS-Kunden mit rund 50.000 Endpunkten und 8.500 Beschäftigten. Laut eigener Erhebung lassen sich Gesamtbetriebskosten von bis zu 65 Prozent einsparen, vor allem durch geringeren Hardware-, Software- und Supportaufwand.

Neue Disti-Partnerschaft mit Infinigate

Einen Tag nach der Keynote, am 17. Juni 2026, gab Igel zudem eine neue Distributionspartnerschaft mit der Infinigate Group für Österreich und die Schweiz bekannt. In DACH sind neben Infinigate auch ADN und Arrow Distributoren der IGLE-Software, die sie meist mit Think Clients von HP, Lenovo oder LG im Bundle vertreiben.

Zuletzt berichtete ADN-Chef Hermann Ramacher im Mai auf dem Transformation Day in Essen CRN von sehr gut laufenden Geschäften bei Igel Technology. "Der Schritt weg von der Hardware war richtig", sagte der Gründer des VAD – Distributionspartner der ersten Stunde von Igel, der diesen Hersteller seit rund 30 Jahren vertreibt.

Wie Bechtle, NetPlans und SVA das Igel-Geschäft sehen

Wie sich diese Plattform-Strategie im Vertrieb niederschlägt, zeigen Interviews mit drei Igel-Partnern. Bei Bechtle beschreibt Olaf Schäfer, Business Manager Virtual Workplace in der Region Köln/Bonn, Igel als Garant digitaler Souveränität: Deutscher Support und ein zu 100 Prozent über den Channel laufendes Geschäftsmodell seien für viele Kunden entscheidend.

Bechtle plant ein MSP-Programm mit drei Bausteinen – klassisches VDI, Business Continuity & Disaster Recovery sowie ein Hypervisor für Produktionsumgebungen. Rund 70 Prozent für die Kundenstruktur stammen aus Retail, Produktion, OT, Healthcare, Versicherungen und Banken. Schäfer rechnet mit einer Umsatzentwicklung im hohen zweistelligen Prozentbereich.

[Igel-CEO Oestermann: "Wir wachsen wie wild"]

Bei NetPlans, einem IT-Dienstleister mit 440 Mitarbeitenden und Sitz in Ettlingen, berichtet System Engineer Daniel Müller von geringerem Hardware-Volumen, aber stabilerem Softwareanteil am Umsatz. Rund 20 Mitarbeitende verfügen über IGEL-Expertise. Besonders in Healthcare und Sozialwesen sieht Müller hohe Kundenloyalität, getragen von Zuverlässigkeit und geringem Administrationsaufwand. Die Windows-11-Migration wertet er als Einstiegspunkt für Neukunden, Veränderungen im Citrix-Lizenzmodell begünstigen zudem gestaffelte Kombinationsmodelle aus Citrix und Igel.

SVA System Vertrieb Alexander, seit 2012 Platinum-Partner von Igel, hat die Zusammenarbeit laut Senior Consultant David Wiesener von reiner Hardware-Bereitstellung zu einem Beratungsgeschäft rund um sichere Endpoints weiterentwickelt. SVA sieht sich als einzigen bundesweit tätigen IT-Dienstleister mit zwei Experten im Igel Champions Club und wurde jüngst mit dem Igel Award for Technical Excellence ausgezeichnet. Wiesener sieht Wachstumspotenzial in den kommenden zwei bis drei Jahren im klassischen End User Computing (EUC), im Security-Segment und bei Managed Services, insbesondere in Kombination mit Secure-Browser-Lösungen.

Übereinstimmendes Bild

In allen drei Partnergesprächen wiederholt sich ein Muster: Der Hardware-Verkauf tritt zugunsten von Software, Management und Beratung zurück, während Ransomware-Resilienz, OT-Sicherheit und digitale Souveränität an Gewicht gewinnen. Die Konferenz in Frankfurt lieferte dazu die strategische Klammer: Igel positioniert sich als Plattform innerhalb eines Ökosystems aus Cloud-, Virtualisierungs- und Security-Anbietern – und überlässt es Partnern wie Bechtle, NetPlans und SVA, dieses Versprechen in Kundenprojekte zu übersetzen.

CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden