Ex-Fujitsu-Hersteller Fsas und Ingram Micro legen Geschäft in Deutschland auf Eis
Vergangenheit trägt nicht unbedingt in die Zukunft: Fsas Technologies und Ingram Micro sehen vorerst keine gemeinsame Zukunft und lassen die Distribution ruhen. Eine Chance für Also und Bytec? Darauf wird Fsas-Chef Santosh Wadwa drängen. Die Distribution beschäftigt den Manager seit dem Ende des Client-Geschäfts und Wandels zu einem Datacenter-Spezialisten.
Ab 1. April wird Fsas Technologies einen Distributor in Deutschland weniger haben. Ingram Micro stellt das Neugeschäft mit Fsas Technologies ein. Offene Bestellungen, Projekte und Lagerbestände werden "partnerschaftlich" abgewickelt. Dann lassen beide Parteien den Distributionsvertrag ruhen - "im gegenseitigen Einvernehmen", und das ausschließlich in Deutschland.
Über die Gründe erfährt man wenig. Nur so viel: "Vor dem Hintergrund der seit 2023 eingeleiteten strategischen Neuausrichtung von Fsas Technologies haben beide Partner die Zusammenarbeit gemeinsam neu bewertet". Man habe es sich nicht leicht gemacht, getrennte Wege zu gehen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.
Hersteller Fujitsu Technology Solutions, seit April 2024 Fsas Technologies, und Ingram Micro verbindet eine drei Jahrzehnte lange Partnerschaft. Man kennt und schätzt sich persönlich sehr, und doch wissen Alexander Maier von Ingram Micro ("gemeinsam über viele Jahre hinweg wichtige Impulse im Channel gesetzt") und Santosh Wadwa bei Fsas ("äußerst erfolgreiche und vertrauensvolle Partnerschaft"), dass die Vergangenheit nicht unbedingt in die Zukunft trägt.
Erst das Ende der PC- und Server-Fertigung im Fujitsu-Werk Augsburg, dann der Rückzug des Herstellers aus dem Client-Geschäft in Deutschland 2023 und Neuaufstellung stärker als IT-Berater und Integrator für Virtualisierung, Datenanalyse und KI, SAP-Infrastrukturen, High Performance Computing (HPC) und Quantencomputing: Fsas hat mit dieser Transformation auch einen größeren Teil seiner Partner verloren. Der Anteil des Channelgeschäfts am Gesamtumsatz sank auf 50 Prozent, Fsas-Manager Wadwa will ihn perspektivisch wieder zur alten Marke 80 Prozent führen. Nun aber wird es wohl schwerer, das Ziel zu erreichen, wenn Ingram Micro wegbricht.
Also und Bytec – die verbliebenen Fsas-Distributoren in Deutschland
Verlassen muss sich Fsas nun stärker auf die verbliebenen Distributionspartner Also und Bytec. Bytec ist der größte Partner, mit der längsten Historie als Fujitsu-Distributor. Überhaupt sind die Friedrichshafener mit dem Fujitsu-Konzern erst groß geworden, die Loyalität ist nach wie vor hoch.
Mit Also war das Verhältnis früher schwieriger, phasenweise sogar sehr angespannt (um es noch milde zu sagen). Was Ingram Micro jetzt vollzieht, hat Fasas, respektive Fujitsu, mit Also schon vor einigen Jahren mitgemacht: Der Schweizer Distributionskonzern hat den Distivertrag ruhen lassen – wie jetzt Ingram Micro. Vergangenes Jahr aber hat ihn Also wieder in Gang gesetzt und sich personell sogar verstärkt. Das Fsas-Team der insolventen Siewert & Kau wechselte zu Also.
Die Ausrichtung auf Enterprise-Infrastruktur, auf Plattform-Lösungsgeschäft, die Fsas einleitete, brachten den japanischen Hersteller wieder auf Kurs mit der Strategie des Also-Konzerns. Nicht aber mit Distributor Api. Nach 10 Jahren gemeinsamem Geschäft - vor allem Clients – war Fsas aus dem Distributionsvertrag ausgestiegen. Wenige Monate später musste Wadwa auch Siewert & Kau abschreiben. Der Distributor ging in die Insolvenz.
Mit Also und Bytec bleiben Fsas in Deutschland nun zwei Distributionspartner, mit deren Expertise Santosh Wadwa die Themen Datacenter und KI-Lösungen im Channel ausbauen will. "Unser Engagement für den Channel bleibt dabei ungebrochen", so der Manager, der im 20. Jahr für den japanischen Hersteller arbeitet.
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