Everpure-CEO: "Wir werden aus dieser Krise keinen Profit schlagen"

In den vergangenen Monaten musste Everpure seine Preise um 70 Prozent nach oben schrauben. CEO Charles Giancarlo zeigt Verständnis für den Ärger der Kunden und Partner darüber und versichert, dass sein Unternehmen damit lediglich einen Teil der explodierenden Beschaffungskosten für Hardware auszugleichen versucht.

"Aufgrund der eskalierenden Kosten haben wir unsere Preise im letzten Quartal angehoben und müssen dies möglicherweise erneut tun. Im Durchschnitt sind unsere Preise seit Jahresbeginn um etwa 70 Prozent gestiegen. Dies ist ein enormer Anstieg, wenn man bedenkt, dass unsere Preise auf Terabyte-Basis in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 20 Prozent pro Jahr gesunken waren." Charles Giancarlo, Chairman und CEO, Everpure (Foto: Everpure)

Die Umbenennung von Pure Storage zu Everpure soll den Aufbruch des Storage-Anbieters ins KI-Zeitalter markieren. Dass dieser allerdings auch einige weniger schöne Seiten mit sich bringt, zeigt sich aktuell an der Preisentwicklung. Waren diese in den letzten zehn Jahren jeweils meist um rund 20 Prozent gesunken, hat sie der Hersteller im ersten Quartal 2026 nach eigenen Angaben durchschnittlich um etwa 70 Prozent angehoben. Sehr zum Ärger einiger Partner und Kunden, die damit ihre stabil geglaubte Kalkulationsbasis verloren. "Aufgrund der eskalierenden Kosten haben wir unsere Preise im letzten Quartal angehoben und müssen dies möglicherweise erneut tun", räumt Everpure-CEO Charles Giancarlo ein und nennt damit zugleich den aus seiner Sicht verantwortlichen Faktor: Die Speicherkrise, die aufgrund des Booms bei KI-Datacentern zu Verknappungen und explodierenden Kosten bei Speicherprodukten und anderen Komponenten führt.

Explodierende Speicherpreise

Um die Wogen zu glätten, lässt sich Giancarlo ausführlich zu den Hintergründen ein und argumentiert dabei, sein Unternehmen habe aufgrund dieser äußeren und nicht beeinflussbaren Umstände schlichtweg keine andere Wahl gehabt. Zudem habe niemand damit rechnen können, dass innerhalb von zehn Jahren nach der Corona-Pandemie und den Trumpschen Zollkapriolen nun noch ein drittes Mal solch ein starkes Beben durch die IT-Branche gehen könnte. "Dies hat alle überrascht, da selbst diejenigen, die nicht in KI investieren, von dieser Technologiepreisinflation betroffen sind", erklärt Giancarlo. "Tatsächlich sind alle Kunden, einschließlich vieler Technologiehersteller, von diesen dramatischen Preissteigerungen betroffen." Zweifelsohne trifft das ein Unternehmen wie Pure Storage besonders hart, dessen Kerngeschäft mitten im Sturm der Speicherkrise liegt und das somit große Mengen der teurer werdenden Komponenten wie CPUs, DRAM-Speicher und Flash-Speicherchips für die Produktion seiner Hardware und die Bereitstellung seiner Services benötigt.

"Ein Anstieg um 70 Prozent mag unzumutbar erscheinen, bis man die Realität dahinter versteht: Die Beschaffungskosten von Everpure für viele großvolumige Halbleiterkomponenten sind seit Mitte 2025 um 300 bis 900 Prozent (das 4- bis 10-Fache) gestiegen", rechnet der Everpure-CEO vor. "In einigen Fällen konnten Lieferanten aufgrund der steigenden Nachfrage die zugesagten Mengen nicht liefern, sodass wir alternative Bezugsquellen (zu höheren Preisen) finden mussten, um die versprochenen Liefertermine einzuhalten." Angesichts dieser Entwicklungen, die im vergangenen Jahr langsam begonnen und 2026 deutlich an Fahrt gewonnen haben, ordnet der Manager die kritisierten Preissteigerungen trotz ihrer bis dato unerreichten Höhen noch als äußert bedacht ein: "Wir halten unsere Preiserhöhungen deutlich unter den tatsächlichen Kostensteigerungen in unserer Lieferkette." Möglich machen sollen das laut seinen Ausführungen unter anderem ein auf Einfachheit ausgelegtes Produktdesign, das integriertes Hardware-Software-Design, effiziente Datenkomprimierung sowie eigene Technologien und Nutzungsmodelle wie Evergreen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Everpure habe sich bewusst "entschieden, die Belastungen, die diese Krise unseren Kunden und Partnern verursacht, mitzutragen und unseren Verpflichtungen nachzukommen", betont er, dass der Hersteller seiner Verantwortung an der Schnittstelle zwischen den Lieferketten der Halbleiterindustrie und den Kunden mit Integrität gerecht werden wolle. "Wir erleben sowohl den dramatischen Anstieg und die Verknappung von Halbleiterkomponenten als auch die Frustration unserer Kunden, die sowohl mit Engpässen als auch mit ungeplanten Kostensteigerungen konfrontiert sind", so Giancarlo. "In schwierigen Zeiten zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen oder eines Unternehmens."

In diesem Sinne kanzelt er die Unkenrufe einiger Mitbewerber ob der Preiserhöhungen von Everpure als unredlich ab: "Zweifellos werden einige Wettbewerber diese Mitteilung zum Anlass nehmen, um zu behaupten, dass sie von besseren langfristigen Lieferantenverträgen profitieren. Das Verhalten der Branche deutet jedoch auf etwas Anderes hin: Die Preiserhöhungen der Wettbewerber begannen bereits im Dezember, und aktuelle Angebote von Wettbewerbern haben eine Gültigkeitsdauer von einer Woche oder sogar weniger."

Everpure gelobt Transparenz

Mit transparenter Kommunikation will Everpure dafür sorgen, dass das Vertrauen der Partner und Kunden durch die Preiserhöhungen nicht zerstört wird (Foto: Martin Fryba)

Statt sich eine solche Schlammschlacht zu liefern und die Kunden mit falschen Versprechen zu enttäuschen, will der Everpure-CEO auf Transparenz setzen. Auch wenn die manchmal ebenfalls schmerzlich ist. "Trotz steigender Kosten im Dezember und Januar hielt Everpure an den Preisen aus ausstehenden Angeboten gemäß den damals festgelegten Bedingungen von 60 bis 90 Tagen fest. Während dieses Zeitraums waren wir transparent und signalisierten unseren Kunden und Vertriebspartnern, dass in unserem neuen Geschäftsjahr Preiserhöhungen bevorstehen würden", erinnert der CEO. "Die erste Preiserhöhung haben wir Anfang Februar umgesetzt und sind dabei zu Fristen von 30 bis 60 Tagen übergegangen. Da die Kosten weiter stiegen, haben wir eine zweite Erhöhung angekündigt und durchgeführt, um unsere Lieferketten und unsere Fähigkeit zur Erfüllung von Kundenaufträgen zu sichern. Wir geben Angebote nun mit einer Gültigkeitsdauer von 30 Tagen ab, da sich die Kosten und die Verfügbarkeit von Komponenten noch schneller ändern."

Diesem Anspruch folgt er selbst mit seiner offenen Prognose für die nächsten Monate, in denen er eher mit weiter Verschlechterung als mit einem Abflauen der Krise und Preise rechnet. "Erstens verlagern Chiphersteller ihre begrenzten Fertigungskapazitäten auf margenstärkere, KI-bezogene Komponenten. Dies hat zur Folge, dass das Angebot an Chips für andere Verwendungszwecke weiter sinkt und deren Preis dadurch steigt. Zweitens dauert es Jahre und kostet Milliarden von Dollar, neue Fertigungsanlagen zu errichten und voll funktionsfähig zu machen. Da Fertigungsanlagen hochtechnologische Ausrüstung erfordern, steigen auch deren Kosten", argumentiert er. "Sofern die durch KI geschaffene Nachfrage im nächsten Jahr nicht nachlässt, könnten diese gestiegenen Kosten noch viele Jahre anhalten."

Diese herausfordernden Zeiten will Everpure im engen Schulterschluss mit den Partnern und Kunden durchstehen. "Obwohl das Unternehmen bereits "am unteren Ende unserer langjährigen Bruttomargenspanne für Produkte" operiere, um einen Teil der Kosten aufzufangen, habe man sich klar dafür entschieden "die Last gemeinsam mit unseren Kunden zu tragen".

"Geschäft und Vertrauen basieren auf beständigen, langfristigen Beziehungen zu allen Stakeholdern: Kunden, Lieferanten, Vertriebspartnern, Mitarbeitern und Aktionären. Gerade in schwierigen Zeiten sind transparente Kommunikation und fairer Umgang gefragt. Wir bleiben unserem Anspruch treu, ein langfristiger, vertrauenswürdiger Partner zu sein", bekräftigt Giancarlo und verspricht in Richtung der Partner und Kunden: "Wir werden aus dieser Krise keinen Profit schlagen."

CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden