Dropbox reagiert auf Sorgen der Kunden in der EU bezüglich Datenhoheit
Alle US-Technologieanbieter spüren den Druck von Kunden in der EU, der vom Wunsch nach digitaler Souveränität ausgeht. Dropbox baut seine Datacenter in der EU nun aus. Ein zentrales Problem können US-amerikanische, und auch manche Techriesen aus Deutschland mit ihrer "souveränen" Infrastruktur auf dem Boden der EU nicht lösen.
Kollaboration-Plattformanbieter Dropbox, Konzernsitz in den USA, erweitert seine Datenspeicherung in der EU durch neue Infrastruktur: In Frankfurt und Paris entstehen neue Rechenzentren. Die Investitionen spiegelten "die wachsende Bedeutung des Datenstandorts für Unternehmen in ganz Europa wider", sagt Eric Webster, Chief Business Officer bei Dropbox. "Durch den Betrieb unserer eigenen Infrastruktur innerhalb der EU geben wir unseren Kunden mehr Kontrolle über ihre Daten und bieten ihnen gleichzeitig weiterhin die Sicherheit, Zuverlässigkeit und Einfachheit, die sie von Dropbox erwarten." Letzteres wird ohne Zweifel der Fall sein, der Teufel steckt im Detail der ersten Aussage. " Mehr Kontrolle" heißt eben nicht vollständige Datenhoheit sowie 100-prozentige Autonomie und damit Datensouveränität.
Herr über Daten und Infrastruktur ist ein SaaS-Nutzer nicht ganz, was übrigens selbst bei On-Prem im eigenen Rechenzentrum gilt. Hardware, Software, Layer, Switche stammen oft von US-Anbietern. Damit haben im Zweifelsfall US-Behörden einen Hebel, um bei Ermittlungen auf den Datenbestand eines Kunden zugreifen zu können, egal, wo die Speicherorte liegen. Die Gesetzeslage ist kompliziert, bisweilen müssen US-Behörden lokale Staatsanwaltschaften um Amtshilfe bitten.
Eines kann man mit Gewissheit sagen: Technologisch und in rechtlicher Hinsicht kann Dropbox und jeder andere Techanbieter aus einem Nicht-EU-Staat eine "EU-Infrastruktur" samt EU-Gesellschaft bauen und Personal mit einer Staatsbürgerschaft eines EU-Landes einstellen und eine solche "Souvereign Cloud" betreiben. Das US-Recht, insbesondere den Cloud Act, können die Anbieter nicht ändern.
Auch deutsche Konzerne, die in den USA an der Börse gelistet sind und US-Tochtergesellschaften haben, wie beispielsweise SAP, unterliegen der US-Gesetzgebung.
Aber Schutzmaßnahmen treffen können sie, wie es eben Dropbox tut, und damit auf ein zentrales Anliegen der hiesigen Kundschaft reagieren, die Dropbox-Partner Malte Stolze, Geschäftsführer der Wirverbindenwelten GmbH, so beschreibt: "Datensouveränität, Transparenz und Compliance werden für Unternehmen in ganz Deutschland zu immer wichtigeren Anforderungen. Das Angebot von Dropbox zur lokalen Datenspeicherung trägt dazu bei, diese Prioritäten zu erfüllen".
Lokale Datenresidenz sei für viele seiner Kunden heute eine "grundlegende Voraussetzung", sagt auch Jimmy Lesage, Geschäftsführer von Abis Informatique. "Die Möglichkeit, Daten innerhalb der EU zu speichern, vereinfacht Compliance-Gespräche und unterstützt die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften", weist der Dropbox-Partner auf EU-Gesetze wie die DSGVO hin.
Dropbox wäre im europäischen Channel nicht so gut positioniert, würde der Anbieter die Diskussion über Datensouveränität ignorieren. Regionale Datenhaltung ist seit längeren schon ein Thema nicht nur bei Dropbox. Auch IT-Dienstleister, die Kunden in dieser Hinsicht beraten, müssen hier technische und rechtliche Fragen beantworten können. "Deutsche Partner aus unserem Microsoft-Umfeld sehen sich mit Kundenanliegen konfrontiert, die sie so noch nie erlebt haben," sagte Viktoria Schmittmann, auf IT-Recht spezialisierte Rechtsanwältin und Vizepräsidentin des Microsoft-Partnernetzwerks IAMCP, die auf einer Diskussionsrunde der CRN-Veranstaltung XChange am Montag in Den Haag aus der Praxis zum Thema digitale Souveränität berichtet.
Nachfrage nach digitalsouveräner Infrastruktur bleibt hoch – Dropbox investiert in KI-Zukunft
Mit dem Ausbau der beiden Datacenter-Standorte Frankfurt/Main und Paris läutet Dropbox die nächste Investition in digitalsouveräne Infrastruktur ein. Ein Trend, der in den nächsten Jahren bleiben wird. Denn die geopolitischen Spannungen färben längst ab auf KI und Datenökonomie. Risikomanagement wird in global unsicheren Zeiten immer wichtiger.
Die Bereitstellung der Dienste von Dropbox erfolgt weiterhin über die globale Plattform des Anbieters. Lokale Teams in Paris und Frankfurt unterstützen Kunden und Vertriebspartner. Änderungen bei Abonnements, Logins oder bestehenden Workflows werde es mit der Kapazitätserweiterung der Rechenzentren nicht geben, teilt Dropbox mit. Investitionen und Innovationen würden fortgesetzt, "mit denen Dropbox eine moderne, zukunftsorientierte Arbeitsweise im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gestalten möchte", so der Anbieter.
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