CRN-Lebenswerk-Award für Jochen Tschunke - Der Coach
Er gründete Anfang der 80er Jahre Computer 2000, brachte Europas größten Distributor an die Börse und fädelte schließlich den Verkauf an Tech Data ein. Jochen Tschunke ist bis heute Unternehmer geblieben – mit einem Gespür für Talente und Märkte weit über die IT-Branche hinaus.
Die Laudatio auf Jochen Tschunke hielt Carl-Franz ("Ferri") von Quadt. Wir veröffentlichen die Rede hier in voller Länge. Der Preisträger hat uns einige Privatbilder zur Verfügung gestellt, die wir mit seiner freundlichen Genehmigung für die gedruckte Version der Laudation verwenden.
Lieber Jochen, wir kennen uns jetzt seit über 40 Jahren; in unserer Gründerzeit wurdest du mein härtester Konkurrent, trotzdem wurden wir sehr gute Freunde und sind es bis heute geblieben!
Was uns persönlich sehr nah zusammengebracht hat, war deine Tätigkeit als langjähriger AR-Vorsitzender meiner Markt und Technik Verlag AG und das in wirklich schweren Zeiten. Genau da war deine Kompetenz und Erfahrung gebraucht. Ich freue mich, heute dein Laudator zu sein.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, was haben ein erfolgreicher Mannschaftssportler und ein guter Manager gemeinsam? Beide wissen, dass man große Ziele nicht allein erreicht, denn Erfolg entsteht nicht durch den besten Einzelnen sondern durch das beste Team.
Eroberung der IT-Welt beginnt in der Waldwirtschaft in München-Pullach
Wir ehren heute das Lebenswerk eines Mannes, dessen Leben immer wieder beides zusammenbringt. Einerseits ist es von Sport geprägt; andererseits vor allem von High-Tech-Technologien und Unternehmertum. Jochen Tschunke war 32 Jahre lang Mitglied des Verwaltung-Beirats des FC Bayern München; Jochen lehrte als Honorarprofessor junge Menschen, wie sie in der Startup Economy erfolgreich sein können; er ist Manager, Gründer, CEO, Aufsichtsrat, Investor, Business Angel. Er ist ein Unternehmer!
Man könnte sagen: ein echter serial entrepeneur. Ich sage: Er ist einer der führenden Köpfe in der deutschen Gründerszene; er ist ihr Förderer, ihr Mentor, ja, ihr Coach.
Angefangen hat das alles in der Waldwirtschaft in München-Pullach. Jochen und seine beiden Mitstreiter trafen sich jede Woche. Sie nannten diese konspirativen Abende AEF Meeting, das steht für "Aktion eigene Füße". Es klang ein bisschen nach Pfadfindergruppe. Tatsächlich planten sie die Eroberung der IT-Welt. Drei Manager, die tagsüber für Texas Instruments und Rockwell arbeiteten und abends ihre eigene Zukunft entwarfen.
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IBM brachte damals den ersten Personal Computer auf den Markt. Alle redeten über den Rechner. Jochen Tschunke und seine beiden Mitgründer redeten über alles, was man zusätzlich brauchte, um diesen Rechner wirklich zu personalisieren. Die meisten Menschen sahen ein Gerät, diese drei sahen einen neuen, dynamisch wachsenden Markt.
Geld reichte für 10 Grafikkarten, dennoch Exklusivrechte für Hercules
Wenig später saß Jochen Tschunke während einer Dienstreise nach Kalifornien einem gewissen Kevin Jenkins gegenüber, dem Gründer des Grafikkartenherstellers Hercules. Eigentlich hätte das Gespräch nach zwei Minuten beendet sein müssen. Die Gründer konnten sich gerade mal zehn Grafikkarten leisten, wollten aber die Exklusivrechte für Deutschland. Jenkins sah ihn an und grinste. Lange Zeit später sagte er: "Okay Jochen, wir machen das!" Er bekam den Vertrag nicht nur für Deutschland, sondern für Europa und C 2000 verkaufte weit über 3.000.000 Stück dieser Grafikkarte.
C2000 wird größter Microsoft-Kunden Europas
Das ist typisch für Jochen Tschunke: Er denkt selten in dem, was ist; er denkt in dem, was möglich werden könnte. Deshalb traf er auch Bill Gates, lange bevor Microsoft zum wertvollsten Unternehmen der Welt wurde. Computer 2000 wurde zum größten Microsoft-Kunden Europas. Deshalb baute seine Firma Computer 2000 ein europäisches Netzwerk auf, während andere noch in Ländergrenzen dachten. Und deshalb ging das Unternehmen schon an die Börse, als viele Mittelständler das Wort Aktiengesellschaft allenfalls aus der Zeitung kannten.
Die Börse war für Jochen nicht die Ziellinie. Viele Firmen gehen an die Börse, weil sie Kapital brauchen. Jochen Tschunke ging an die Börse, weil er Freiheit wollte. Freiheit, unabhängig zu bleiben. Freiheit, größer zu denken. Freiheit, in ganz Europa zu expandieren.
Teamgeist: Leberkäse, Brezn und Bier – 12 Ehen geschlossen
Wenn Jochen Tschunke heute über Computer 2000 spricht, erzählt er kaum von Börsenkursen. Er erzählt von Menschen. Von offenen Bürotüren. Von Vornamen statt Titeln. Von monatlichen Rekordumsätzen, die mit Leberkäse, Brezn und Bier jeden Monat gefeiert wurden, von zwölf Paaren, die sich im Unternehmen kennenlernten und heirateten. Und plötzlich begreift man, was Computer 2000 so erfolgreich machte: Es war ein Team, das gemeinsam gewinnen wollte.
Aber jede gute Mannschaft braucht neben Begeisterung einen Matchplan. Der von Computer 2000 war verblüffend einfach: "Never compete withyour customers." Und diese Kunden, meine Damen und Herren, das waren Sie; die Reseller, die IT-Händler, die Systemhäuser.
Computer 2000 verkaufte niemals an Endkunden. Ganz gleich, wie groß sie waren. Selbst wenn Siemens anrief, sagte Computer 2000: "Natürlich beliefern wir Sie – aber nur über unsere Partner". So wurde das Unternehmen zum größten Vertrieb von Computerzubehör in Europa. Es war kein Geschäftsmodell gegen den Handel. Es war ein Geschäftsmodell mit dem Handel. Und genau deshalb wurde aus einer Biergarten-Idee nur fünf Jahre nach der Gründung einer der Lieblinge der deutschen Börse.
Gute Trainer bleiben nicht lange ohne Mannschaft. Das gilt auch für Jochen Tschunke. Nicht lange nachdem Computer 2000 an Tech Data verkauft wurde, zog es ihn zurück aufs Spielfeld, an die Seitenlinie. Als Business Angel, als Aufsichtsrat, als Möglichmacher. Und plötzlich war auch die Liga - oder anders gesagt: die Branche -unerheblich.
Der Coach erkennt Muster und Markt, formt Teams
Erst die Filmindustrie, als er die traditionsreichen Geyer-Werke zur Cine-Media-Film AG formte und an die Börse brachte. Er baute Golfanlagen, investierte in Immobilien, etablierte Finanzdienstleister, unterstützte Firmen in der Medizintechnik, in der Sicherheitstechnik, Energieunternehmen und Start-ups, deren Ideen oft beeindruckender klangen als ihre Bilanz.
Das Spielfeld mag sich ändern, aber das Spiel bleibt immer dasselbe: Jochen Tschunke erkennt Muster. Er prüft, ob es einen Markt gibt- und ein Team, das wirklich gewinnen will. Wenn Jochen Tschunke über Unternehmen spricht, geht es nur um Menschen. Dann verändert sich seine Stimme, und seine Augen leuchten. Jochen redet über Vertrauen, Verantwortung, Firmenkultur, über junge Gründer, über Talente.
Er hat in 50 Jahren jede Transformation mitgemacht – von der klassischen Industrie, über die Dotcom-Euphorie bis zur KI-Revolution war er mittendrin. Vielleicht erklärt das auch, warum er selbst im Alter von 81 Jahren noch immer in Datenbanken, Software, Künstliche Intelligenz und dergleichen investiert. Natürlich fasziniert ihn als Wirtschaftsingenieur die Technologie. Mehr noch faszinieren ihn aber die Menschen, die damit die Zukunft gestalten.
Gute Trainer erkennen Potenziale, lange bevor andere sie sehen. Sie formen Teams, in denen Menschen über sich hinauswachsen. Vorstand, Investor, Aufsichtsrat. Das alles sind Berufsbezeichnungen. Ein guter Coach ist mehr! Und genau deshalb ehren wir heute nicht bloß einen außergewöhnlichen Unternehmer, sondern einen Mann, der sein ganzes Leben lang auch andere gestärkt hat. Weil er neue Möglichkeiten spannenderfindet als die Erfolge der Vergangenheit.
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Lebenswerk, lieber Jochen; Jutta und ich freuen uns auf noch viele gemeinsame Stunden mit dir und deiner lieben Frau Petra als "Team für Sport, Fun and Entertainment".
Carl-Franz von Quadt
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Stationen von Jochen Tschunke: Unternehmer, Business Angel, Ehrenprofessor für Entrepreneurship, Leidenschaft für Golf und den FC Bayern
Jochen Tschunke wird 1945 in Bregen, Kreis Celle (Niedersachen) geboren. Nach seiner Schulzeit absolvierte er den Wehrdienst bei der Bundeswehr und machte eine Ausbildung in Flugzeugelektronik (Starfighter). Parallel holte er seine Hochschulreife in Abendkursen nach, studierte von 1970-1974 in München und schloss die Hochschule als Diplom-Ingenieur ab.
Seine erste berufliche Tätigkeit: Betriebsleiter der Kleinwalsertaler Bergbahn AG. 1976 wechselte er zu Texas Instruments Deutschland, wo er verschiedene Managementpositionen innehatte. Zahlreiche Managementkurse in Vertrieb, Marketing und Controlling runden sein Profil ab.
1983 gründete Jochen Tschunke COMPUTER2000 ("C2000"), führte das Unternehmen als Geschäftsführer, Vorstand und CEO an die Börse, internationalisierte und baute C2000 zu einem Milliardenkonzern aus. Zuletzt fungierte er im Aufsichtsrat.
1998 erfolgte der Verkauf von COMPUTER2000 an Tech Data. Danach widmete sich Jochen Tschunke zwei Dingen: dem Golfsport und jungen Unternehmern.
Aus seiner Leidenschaft für Golf entstand die Golfentwicklungsgesellschaft, die von der Planung bis zur Fertigstellung und anschließendem Betrieb von fünf Golfplätze in Deutschland. Gleichzeitig erwarb er in der beginnenden Internetzeit die Domain "GOLF.DE" und entwickele diese zur zentralen Kommunikationsplattform für den Golfsport in Deutschland. Tschunke lernte Golflegenden wie Jack Nicklaus und Bernhard Langer kennen. Zwei Golfplätze in München führt die Familie bis heute.
Jochen Tschunke blieb nach dem Verkauf von C2000 Unternehmer und engagierte sich als Investor in zahlreichen Branchen. Als aktiver Business Angel begleitete er diverse Investitionen in zahlreiche Start-ups und bekleidete Aufsichtsrats- und Beiratsmandate von der Gründung bis zum Exit, darunter mehrere IPOs am Frankfurter Börsensegment Neuen Markt, z. B. Gericom, Cinemedia Film AG, Primion AG, Exasol AG und weitere Unternehmen.
1994 wurde Joschen Tschunke von IDC zum Computermanager des Jahres gewählt. Es folgte die Ernennung zum Ehrenprofessor für Entrepreneurship der Universität Sophia. Tschunke war zudem 32 Jahre Mitglied im Wirtschafts- und Verwaltungsbeirat des FC Bayern, dem er bis 2026 angehörte.
Am 4. November 2026 ehrte CRN Deutschland in Mannheim auf der Abend-Gala der CRN Channel-Awards Jochen Tschunke für sein Lebenswerk. Damit folgt der Unternehmer auf die Ehrungen für das Lebenswerk 2024 für Bechtle-Gründer Gerhard Schick und 2025 für Hermann Ramacher, Gründer und CEO des Bochumer Value Added Distributors ADN.
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