CISPE gegen Broadcom/VMware: "Der einzige Weg, Tyrannen zu stoppen, ist, sich ihnen entgegenzustellen"

Das Aus für die meisten Partner im VMware CSP-Programms lässt für CISPE das Fass zum Überlaufen bringen. Die Europäische Cloudanbietervereinigung fordert von der EU einen sofortigen Stopp der Änderungen und sieht Preiserhöhungen um 1.000 Prozent. Gegenüber CRN widerspricht Broadcom massiv.

Im Rahmen der überarbeiteten Cloud-Strategie von Broadcom mit VMware reduziert das Unternehmen die Gesamtzahl der Cloud-Anbieter, die am VMware Cloud Service Provider-Programm in Europa teilnehmen können. Für CISPE allerdings, Vereinigung europäischer Cloudanbieter – Mitglied ist u.a. der deutsche Anwenderverband Voice – kommt die Reduzierung der Partneranzahl einer Abschaffung des CSP-Programms gleich. "Diese einseitige Entscheidung schloss bis auf eine winzige Minderheit handverlesener Partner alle anderen aus und verwehrte den meisten europäischen CSPs den Verkauf von VMware-Produkten", erklärte CISPE vergangene Woche in einer Stellungnahme. Auffällig: Der überaus aggressive Tonfall in der Pressemitteilung des CISPE zeigt, dass die Positionen völlig verhärtet sind.

"Kostensteigerung von mehr als 1.000 Prozent"

CISPE fordert von der Europäischen Wettbewerbsbehörde einstweilige Verfügungen gegen Broadcom/VMware zu verhängen, mit dem Ziel, die CSP-Änderungen in Europa zu stoppen. "Einschüchterungstaktiken von Broadcom bedrohen die Existenz europäischer Cloud-Anbieter", so der Verband. Man will erreichen, den "anhaltenden Missbrauch durch Broadcom zu stoppen" und zählt die Konsequenzen auf, wenn das nicht gelingt: Preiserhöhungen, Produktbündelungen und Forderungen nach Vorauszahlungen sowie Mindestverpflichtungen, die auf potenzieller statt tatsächlicher Nutzung basieren – was insgesamt zu einer Kostensteigerung von mehr als 1.000 Prozent geführt habe.

CISPE sieht "strategische Autonomie Europas" in Gefahr – "Tyrannen stoppen"

Broadcoms Maßnahme würden "viele europäische CSPs zum Marktaustritt zwingen. Außerdem wird sie in einigen Märkten virtuelle Monopole schaffen, in denen Anbieter vollständig von Broadcom abhängig sind. Weit davon entfernt, Europas 'Sovereign Cloud' aufzubauen, wie Broadcom behauptet, zerstört diese Maßnahme die strategische Autonomie Europas und verstärkt die Dominanz ausländischer Anbieter".

Der Verband weist darauf hin, dass ein "gesamten Ökosystem" – Partner, Unternehmen und Organisationen des öffentlichen Sektors - auf VMware-Virtualisierungssoftware angewiesen sei, dem nun "unmittelbarer und irreparabler Schaden zugefügt" werde. CISPE fordert von der Politik "mindestens" die drei Beschlüsse:

CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance greift Broadcom überaus scharf an: "Nachdem Broadcom unmittelbar nach der Übernahme von VMware unverschämte und ungerechtfertigte Preiserhöhungen durchgesetzt hat, versetzt das Unternehmen nun den 'Gnadenstoß'. Wir brauchen dringend ein Eingreifen, um sie zu einer Änderung zu zwingen." Dann wird Mingorance grundsätzlich: "Der einzige Weg, Tyrannen zu stoppen, ist, sich ihnen entgegenzustellen."

Broadcom winkt gegenüber CRN ab

Broadcom "lehnt die Kritik einer europäischen Cloud-Vereinigung am VMware-Programm entschieden ab" und erklärt in einer Stellungnahme gegenüber CRN, dass der europäischen Cloud-Verband "die Marktrealität verzerrt".

Broadcom erklärte zudem, der Verband "Cloud Infrastructure Services Providers in Europe" (CISPE), der die EU-Kartellbehörden dazu drängt, Broadcoms VMware-Cloud-Strategie vorübergehend zu stoppen, werde von VMware-Konkurrenten wie Microsoft und Amazon Web Services finanziert. "Broadcom widerspricht entschieden den Vorwürfen von CISPE, einer von Hyperscalern finanzierten Organisation, die die Realitäten des Marktes falsch darstellt", erklärte ein Broadcom-Sprecher in einer E-Mail-Antwort an CRN zu diesem Thema.

Die CISPE besteht aus fast 50 Mitgliedern in ganz Europa, darunter wohl die größten Konkurrenten von VMware, nämlich Microsoft und AWS. Die CISPE war bis zum Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar. CRN wandte sich ebenfalls an Microsoft und AWS, um eine Stellungnahme einzuholen, erhielt jedoch bis zum Redaktionsschluss keine Antwort.

Nächste Seite: Alternatives Partnerangebot von Datagroup

"Wir sind weiterhin entschlossen, erheblich in unsere europäischen VMware Cloud Service Provider-Partner (VCSPs) zu investieren und ihnen dabei zu helfen, Alternativen zu den Hyperscalernanzubieten und den sich wandelnden Anforderungen europäischer Unternehmen und Organisationen gerecht zu werden", teilte Broadcom CRN mit. "Wir konzentrieren uns auf die Zusammenarbeit mit lokalen VCSPs, die Kunden mit Fachwissen, Schulungen und Investitionen am besten unterstützen können", so Broadcom.

Ferner teilte Broadcom CRN mit, dass seine Vision seit dem Abschluss der 61-Milliarden-Dollar-Übernahme von VMware unverändert geblieben sei. "Broadcoms Strategie seit dem Abschluss der VMware-Übernahme besteht darin, Vereinfachung, Konsistenz und Innovation im gesamten VMware-Ökosystem, einschließlich der VCSPs, voranzutreiben", so Broadcom.

Neue VCSP ist für VMware-Partner, die "kämpfen"

Die Änderungen am VCSP-Programm wurden Ende 2025 weltweit eingeführt. Außerhalb Europas startete Broadcom am 1. November 2025 offiziell sein neues, nur auf Einladung zugängliches VCSP-Programm weltweit. "Wir schaffen die Klarheit des Programms, damit der Begriff 'CSP' eine konkrete Bedeutung hat, sodass ein Kunde eine klare Service-Level-Vereinbarung mit einem klaren Ergebnis erwarten kann", sagte Ahmar Mohammad von VMware, der das neue VCSP-Programm entwickelt hat, in einem Interview mit CRN im vergangenen Jahr.

"Wir wollen also, dass unsere CSPs immer größer und größer werden und viel schneller wachsen, sei es durch die Übernahme des Geschäfts ausscheidender [VCSP]-Partner oder durch deren vollständigen Kauf", so Mohammad. "Wir wollen größere und stärkere Partner, die sich behaupten können."

Ziel sei es, "eine glaubwürdige Alternative zu den Hyperscalern zu schaffen", sagte Mohammad, Vice President für Partner, Managed Services und Solutions Go-to-Market bei VMware. "Deshalb ermutigen wir [ehemalige VCSPs], entweder ihr Unternehmen oder ihren Kundenstamm an einen verbleibenden Partner zu verkaufen."

Broadcom streicht im Mai die EMEA-Partner-Stufen für VMware

Broadcom hat nicht nur sein VCSP-Programm geändert, sondern auch sein umfassenderes "Broadcom Advantage Partner Program" für VMware-Reseller. VMware-Reseller-Partner in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) werden im Mai 2026 die unterste Stufe im VMware-Partnerprogramm verlieren, wenn das überarbeitete "Broadcom Advantage Partner Program" weltweit eingeführt wird.

Broadcom reduziert sein vierstufiges "Broadcom Advantage Partner Program" für VMware-Reseller – Registered, Select, Premier und Pinnacle – in EMEA im kommenden Mai auf drei Stufen und streicht dabei die unterste "Registered"-Partnerstufe vollständig.

Datagroup springt in die Lücke - Partner-Offensive angekündigt

Erste Dienstleister von VMware haben auf Ausdünnung des Partner-Ökosystems bereits reagiert. Datagroup beispielsweise. Der IT-Dienstleister ist einer dieser wenigen, großen Partner, die weiterhin als CSP für VMware fungieren. Und die sehen, dass viele kleinere Partner mit installierten Kunden-Infrastrukturen aus dem Programm gefallen sind. Die Schwaben wollen die Lücke im VMware-Channel schließen und bietet Partnern an, den Betrieb von VMware-Infrastrukturen zu übernehmen oder anderweitig zusammenzuarbeiten. Sie versprechen "gesicherten" Zugang zu Technologien des Weltmarktführers bei Virtualisierung.

Mit Material unserer Schwesterpublikation crn.com.

CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden