Apples Neo: Einstiegs-MacBook mit deutlichen Abstrichen
Mit dem MacBook Neo erweitert Apple das Portfolio seiner Notebook-Familie nach unten. Das Einstiegsmodell kostet mit 699 Euro ganze 500 Euro weniger als das neue MacBook Air. Dafür müssen die Käufer allerdings auch einige Abstriche in Kauf nehmen, sodass zu einem brauchbaren Vergleich eher ältere Geräte oder iPads herangezogen werden müssen.
Neben allerlei erwartbaren Ankündigungen wie dem iPhone 17e hatte Apple im Rahmen seiner Produktvorstellungsoffensive diese Woche bei den MacBooks auch eine – nicht nur hinsichtlich des Preises – kleine Überraschung parat. Neben neuen Modellen der bekannten Reihen MacBook Air und MacBook Pro stellte das Team um CEO Tim Cook der IT-Welt auch das MacBook Neo vor. Mit einem Basispreis von nur 699 Euro (in den USA: 599 US-Dollar) deutlich unter dem MacBook Air (1.199 Euro) ein und positioniert sich damit als Alternative zu den in den USA beliebten Chromebooks. Diese Stoßrichtung unterstreicht Apple zusätzlich durch die Gewährung eines Bildungsrabattes um 100 Euro für Schüler, Studenten und ihre Eltern.
Dass Apple den Preis nicht aus gutem Willen so weit drückt, versteht sich von selbst. Um das neue MacBook ernsthaft vergleichen und bewerten zu können, brauchen potenzielle Kunden also einen genauen Überblick, was sie für diesen Preis bekommen und auf was sie verzichten müssen. Apple selbst will vor allem bei Komfortfunktionen gespart haben und verspricht einen "völlig neuen Laptop, der die Magie des Macs zu einem äußerst attraktiven Preis bietet und sie so für Millionen Menschen auf der ganzen Welt noch zugänglicher macht". Zumindest äußerlich ist der farbenfrohe Mini-Mac mit seinem "beeindruckenden Apple Design mit einem robusten Aluminiumgehäuse" in den "wunderschönen" Farben Rosa, Indigo, Silber und Zitrus qualitativ tatsächlich zunächst nicht von seinen großen Brüdern zu unterscheiden.
Display: Viel Rand, aber wenige Pixel und Farben
Beim Öffnen des Deckels und der Inbetriebnahme werden die ersten Unterschiede jedoch schnell deutlich, beispielsweise beim 13-Zoll-Display, das Apples Marketing so bewirbt: "Sein brillantes 13" Liquid Retina Display erweckt Webseiten, Fotos, Videos und Apps mit hoher Auflösung und Helligkeit zum Leben und bietet Unterstützung für eine Milliarde Farben." Schaut man sich dessen Spezifikationen allerdings näher an, bietet sich zum Vergleich eher ein iPad als ein MacBook an. Denn während das kleine MacBook Air auf ähnlicher Größe mit seinen 13,4 Zoll ein gutes Stück mehr Displayfläche bietet, ist das iPad Air (M4) mit seinen 12,9 Zoll deutlich näher am MacBook Neo. Allerdings bringt das iPad auf diesem Raum mehr Pixel unter. Seine Auflösung liegt mit 2732 x 2048 deutlich über den 2408 x 1506 Pixeln des MacBook Neo, demensprechend größer ist auch die Pixeldichte des iPad Air (264 PPI zu 219 PPI).
Und auch bei der Helligkeit des Bildschirms schlägt das iPad Air mit seinen 600 Nits das MacBook Neo, aber auch seinen Air-Bruder, die beide nur 500 Nits erreichen. Dafür warten beide Vergleichskandidaten mit dem großen P3-Farbraum auf, während sich das Neo mit sRGB begnügen muss. Immerhin, im Gegensatz zur Auflösung dürften diese Werte im Normalbetrieb kaum auffallen und nur für die wenigsten Interessenten ein kritischer Aspekt bei der Kaufentscheidung sein. Ähnliches gilt für den vergleichsweise dicken Displayrand, der auch die Kamera und die seitlichen Stereolautsprecher mit einhaust.
Prozessor: iPhone-SoC im MacBook-Mantel
Auch beim Rechenwerk des Neo klingt das Marketing oberflächlich ganz nach MacBook. Apple verspricht, dass das Gerät mit der "Power des A18 Pro" könne das MacBook Neo selbst anspruchsvollere Workloads bei "Fotobearbeitung, kreativen Hobbys oder der Nutzung von KI Funktionen in verschiedenen Apps" schnell erledigen. Und zwar so schnell, dass es den "meistverkauften PC mit dem neuesten handelsüblichen Intel Core Ultra 5 Chip" bei einfachen Aufgaben wie Surfen um bis zu 50 Prozent übertrifft und lokale KI-Loads wie bei der modernen Bildbearbeitung sogar bis zu drei Mal schneller ausführt.
Aussagen, die wohl besser mit etwas Skepsis genossen werden solten und vor allem effektiv davon ablenken, dass es sich hier nicht etwa um einen von Apples starken Prozessoren der M-Familie handelt, die in den großen MacBooks stecken, sondern um den SoC, der schon 2024 das iPhone 16 Pro antrieb. Mit seinen 2 Performance-, 4 Effizienz- und 4 GPU-Kernen liegt er deutlich unter dem Standard-M5 (4/6/8) aus dem MacBook Air, vom neuen M5 Pro und Max ganz zu schweigen. Das zeigt sich auch in Benchmarks, wo der A18 Pro vor allem im Multicore- und im GPU-Bereich spürbaren Rückstand hat.
Nimmt man dies als Basis, liegt der A 18 Pro eher auf dem Niveau des M1. Ein passender Vergleich wäre somit das sechs Jahre alte MacBook Air mit dem M1. Das ist zwar nicht mehr neu zu haben, kostet gebraucht und wiederaufbereitet allerdings über 200 Euro weniger als das MacBook Neo. Selbst die eine Stufe neuere MacBook-Air-Generation mit dem um einiges stärkeren M2 liegt mit aktuellen Verkaufspreisen um die 750 Euro nicht viel über dem UVP des Neo. Wer also viel Performance benötigt, sollte Vergleiche in die entsprechende Richtung anstellen.
RAM und Speicher: Knapp bemessen
Umso mehr gilt das, als auch das Umfeld des Prozessors im MacBook Neo entsprechend schwach aufgestellt ist. Apple stattet das Gerät lediglich mit 8 GB RAM aus. Selbst angesichts der Speicherkrise ist das für die heutige Zeit doch sehr mager, zumal Apple hier kein Upgrade anbietet. Mag das für Standard-Anwendungen rund um Office, Internet und Multimedia ausreichen, verstärkt es bei anspruchsvollen Aufgaben wie Videobearbeitung den Flaschenhals des Prozessors. Zum Vergleich: Das günstigste MacBook Air (M5) kommt ab Werk mit 16 GB, die auf Wunsch verdoppelt werden können.
In ähnlicher Weise spart Apple auch beim Massenspeicher des MacBook Neo einiges ein. Das Basismodell kommt mit 256 GB, gegen Aufpreis sind maximal 512 GB möglich. Wer also mit größeren Dateien und Datenmengen hantieren muss, braucht eine Erweiterung in der Cloud oder einen externen Zusatzspeicher. Auch hier hört das Neo wohl ganz bewusst genau dort auf, wo das Air anfängt, das auf Wunsch nun sogar mit bis zu 4 TB SSD-Kapazität bestellt werden kann.
Abstriche bei Akku, Anschlüssen und anderer Hardware
Während erste Tester die gute Haptik des Keyboards als ebenbürtig zum MacBook Air loben und sich über die farbigen Tasten freuen, gibt es dennoch auch hier einige Wermutstropfen: So ist etwa das Trackpad nicht nur kleiner als bei den anderen MacBooks, ihm fehlen auch die Force-Touch-Features zur Steuerung über den Druckpunkt. Gesten sollen bei der Steuerung indes ganz normal unterstützt werden. Und auch die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur, die in manch schummriger Studenten-WG oder schlecht ausgeleuchteten historischen Hörsälen durchaus ein nicht unwichtiges Feature ist, hat Apple zum Wohle des Preises eingespart. Nicht zuletzt fehlt es dem Basismodell auch an Touch ID. Immerhin kann dieses Feature bei Bedarf für 100 Euro gemeinsam mit dem Speicherupgrade auf 512 GB bestellt werden.
Eine weitere nicht ganz unerhebliche Sparmaßnahme betrifft den Akku des MacBook Neo. Er ist mit knapp 37 Watt ein gutes Stück schwächer als beim MacBook Air, das fast 54 Wh mitbringt. Trotz des sparsameren Prozessors bedeutet das eine merklich kürzere Laufzeit. So gibt Apple beim MacBook Neo 11 Stunden für Sufen und 16 Stunden Videostream schauen an, während das MacBook Air in diesen Szenarien 15 und 18 Stunden durchhalten soll. Umso ärgerlicher könnte das für die Nutzer insofern werden, als sich das Neo mit 20 Watt deutlich langsamer energetisch nachbetanken lässt als das Air (70 Watt).
Und auch bei der in den Displayrahmen integrierten Frontkamera spart Apple ein paar Cent ein. Unter anderem fehlt ihr das CenterStage-Feature. Ähnlich die Situation bei der Konnektivität: Im Vergleich zum MacBook Air muss das Neo auch bei den Anschlüssen zurückstecken, da seine beiden USB-C-Ports ausschließlich USB 3 (10 GBit/s) beziehungsweise USB 2 unterstützen, nicht jedoch Thunderbolt. Zudem kann hier nur der USB-3-Port kann als Videoausgang mit DisplayPort 1.4 (UHD bei 60 Hz) genutzt werden. Darüber hinaus ist selbst der Klinkenanschluss nur eingeschränkt nutzbar, er unterstütz laut Apple keine Treiber mit hoher Impedanz.
Fazit: Überraschung bedingt gelungen
Mit dem MacBook Neo ist es Apple tatsächlich gelungen, das MacBook-Portfolio nach unten zu erweitern, ohne damit jedoch vollends in den iPad-Bereich zu kommen. Dass der für Apples Verhältnisse günstige Preis mit einigen Abstrichen erkauft werden muss, ist nur logisch. Dennoch dürfte sich das Gerät gut als mobiles Alltagsgerät für einfache Arbeiten und Aufgaben eigenen.
Gerade wer etwas mehr Leistung braucht, sollte sich jedoch gut überlegen, ob er nicht besser zu einem älteren MacBook Air aus dem Refurbishing greift, oder gleich den verschmerzbaren Aufpreis zu einem neueren Modell investiert. Auf der anderen Seite könnte für manchen Studenten auch ein iPad mit entsprechender Peripherie durchaus eine passende Alternative sein. Zumal alle drei Geräte hinsichtlich Größe und Gewicht ziemlich genau auf einer Linie liegen.
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