"Katalytische Integration" bei Also

Distributor Also ist mit einem kräftigen Umsatz- und Gewinnsprung ins neue Geschäftsjahr gestartet. Auch der April gibt Anlass zu Optimismus. Eine mehr als 10 Jahre alte Grundstrategie bei Also zeigt immer noch Wirkung, so CEO Wolfgang Krainz.

Die Wachstumslogik bei Also: "Die Umsetzung der MORE-Strategie erfolgt konzernweit nach einem einheitlichen methodischen Ansatz. Grundlage hierfür ist das WIN-Modell". (Grafik: Also Geschäftsbericht 2025, Seite 22).

Also hat im ersten Quartal 2026 seinen Gewinn (Ebitda) um 46 Prozent auf 89 Mio. Euro gesteigert. Die vergangenen Februar von CEO Wolfgang Krainz vorgestellte Gewinnprognose von 300 bis 340 Mio. Euro – die von Börsenanalysten enttäuschend aufgenommen wurden, was zu einem massiven Kurseinbruch der Also-Aktie führte - hat der Manager bekräftigt. Für den laufenden Monat April scheint sich abzuzeichnen, dass die Effizienzmaßnahmen zur Gewinnsteigerung bei Also weiter greifen.

Nach Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal 2026 legte am Mittwoch die Also-Aktie an der Schweizer Börse SIX um 5 Prozent auf 163,60 Franken zu.

Durch den Zukauf der britischen Westcoast-Gruppe hat Also seine Position als einer der größten Distributoren in Europa mit einem Umsatzvolumen von mehr als 15 Mrd. Euro ausgebaut. In der Bilanz der Also Holding werden die Zahlen von Westcoast seit dem 1. März 2025 einbezogen. Entsprechend sind die Januar- und Februar-Ergebnisse von Westcoast im ersten Quartal 2026 erstmals in der Konzernbilanz berücksichtigt.

Demnach stiegt der Umsatz zwischen Januar und März 2026 um 31 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro. Alle drei Geschäftssäulen, Also zufolge Supply, Solutions und Services, hätten zur guten Geschäftsentwicklung beigetragen.

Der Distributor sieht in allen Bereichen seiner Geschäftstätigkeit und Schwerpunkte seine Strategien positiv greifen: "Digitale Plattformen, getätigte Akquisitionen, eine gezielte Steuerung auf höherwertige Leistungen (Produktkategorien-Mix, Business Model-Mix) sowie Best Practice in Operational Excellence (Management von Inventories)".

Für das Plattform-Geschäft meldet Also weiterhin ein überproportionales Wachstum von über 30 Prozent. Den Cloud-Umsatz steigerte Also im ersten Quartal um ein Drittel auf 674 Mio. Euro. Zudem erklärte Also, wie man das Potenzial von künstlicher Intelligenz hebt: "Parallel wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im eigenen Unternehmen konsequent vorangetrieben. Intern erfolgreich validierte Anwendungen werden in der Folge in das KI-Portfolio überführt und Resellern zugänglich gemacht."

Am 1. Mai feiert CEO Wolfgang Krainz sein 2.-Jähriges als Konzernchef. 2016 stieß er zu Also. Der damalige CEO und heutige Präsident des Verwaltungsrats Gustavo Möller-Hergt holte den Österreicher an Bord – beide Manager starteten als Branchenfremde bei Also. Beide sind beschlagene Ökonomen, die ihr gelerntes betriebswirtschaftlichen Handwerk – Krainz an der Wirtschaftsuniversität Wien, Möller-Hergt in Harvard – in die Praxis umsetzen.

MORE und WIN – die "katalytische Integration"

Beide stellen ihre KPIs auf dieselbe Grundlage – bei Also MORE genannt, später um WIN ergänzt. Die Zahlen von Januar bis Ende April 2026 zeigen Krainz, dass diese Strategie neben der Stärke des Also-Ökosystems wirke. "Für die kommenden Jahre sehen wir weiteres signifikantes Wachstumspotenzial", so der CEO.

MORE ist eine Formel für die fünf Säulen, auf denen der Also-Konzern steht. "M" bedeutet Maintain; das klassische Distributionsgeschäft, "O" für die Optimierung von Prozessen, "R" für Reinvent; neue Geschäftsfelder und "E" für Enhance, typische Zusatzleistungen eines VAD über reines Produktgeschäft hinaus, wie zum Beispiel Beratung und andere Dienstleistungen.

MORE mündet in die von Also genannte WIN-Strategie, gelegentlich sprechen Also-Manager von einer "katalytischen Integration". Klingt akademisch und kompliziert, steht aber für nichts anderes als Wissenstransfer (vor allem für neue Führungskräfte wichtig), Innovation (Zugang aller Landesgesellschaften zu zentral bereitgestellten Plattformen wie Marketplace) sowie nachhaltige Netto-Profitabilität. Das Maß aller Dinge beim Distributionskonzern.

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