Thinktank bei Also: »Digital Aboriginals sind wichtig, nicht ich«

Mit ungewöhnlichem Understatement läutet Also-CEO Gustavo Möller-Hergt die Zukunft der Broadline-Distribution ein. Die jungen Wilden sollen Also noch stärker in die Plattform-Ökonomie führen.

Also-CEO Gustavo Möller-Hergt (li) und CFO Ralf Retzko (re) nehmen ihre Digital Aboriginals in die Mitte: Michael Gericks, Andreas Kuhn und Philipp Koch (v.l.n.r.)

Noch etwas schüchtern reihen sich die drei jungen Männer hinten ein, da fällt der Satz, den man vom ansonsten sehr präsenten GMH so nicht oft zu hören bekommt. CRN bittet nach der Bilanzpressekonferenz vergangenen Freitag im Schweizer Also-Hauptquartier Emmen zum Gruppenbild, Also-CEO Gustavo Möller-Hergt gibt Regieanweisung: »Die sollen nach vorne, sie sind wichtig, nicht ich.« Während der Chef in seinem siebten Jahr die siebente Rekordbilanz in Folge erläutert und Also-Urgestein Ralf Retzko gewohnt zahlensicher assistiert, tritt zwischendurch die personalisierte Zukunft von Also auf: Das neue Transformation Executive Team.

Es sind, vielleicht nicht zufällig, zwölf Frauen und Männer – Missionare für einen neuen Geist beim Broadliner. Alle sind in leitenden Funktionen bei den Ländergesellschaften des Also-Konzerns tätig, Altersdurchschnitt rund 40 Jahre, haben zum Teil internationale Erfahrungen in China und Mexiko gesammelt. Auch die beiden Jüngsten, die vor die Presse treten und – diesmal ganz bestimmt nicht zufällig – eine tragende Rolle im noch jungen und wachstumsstarken Also-Geschäftsbereich As-a-Service spielen: Philipp Koch, 31, Finance Director, und Michael Gericks, 32, SVP, beide sitzen in der Startup-Metropole Berlin und sind verantwortlich für den europäischen Ausbau der Also-Konzernsparte »Consumptional Businessmodel«.

Die »Digital Aboriginals«, die Möller-Hergt vorstellt, sollen gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des neuen Transformation-Teams vor allem die so wichtigen As-a-Service-Dienste und Web-shops für Reseller ausbauen. Im wöchentlichen Meeting, dem auch Deutschland-Chef Reiner Schwitzki (50) und Simone Blome-Schwitzki (42) beiwohnen, sollen neue Ideen und konkrete Umsetzungen rund um die Plattform-Strategie von Also diskutiert und entschieden werden. Harmonisierung der IT gehört ebenso dazu wie Analysen der Hersteller und ihrer Produkte, Kundenpotenziale auf Abnehmerseite (Reseller) und Märkte.

Dieser interne Thinktank von Also ist wahrlich europäisch aufgestellt, ihm gehören neben den genannten Personen auch noch Jan Bogdanovich, 32-jähriger Chief Transformation Officer aus Riga an, ferner: Hanna Osetek-Pasquet, 33-Jährige Geschäftsführerin von Also Polen, Jorge Gállego Pérez de Larraya, 35, Senior Business Analyst aus Schweden, Thomas Meyerhans, 37, General Counsel Düsseldorf, Volkan Weissenberg, 39, SVP Vendormanagement, Soest, sowie Joachim Streitberg,48, CIO bei Also in Soest und der noch in guten alte Analogzeiten sozialisierte Laurent Mitais, 55, Geschäftsführer Also Frankreich.

Gut möglich aber, dass Möller-Hergt den ein oder anderen Digital-Vordenker recht schnell ersetzen will oder muss. Kaum war der Geschäftsbericht 2017 an die Presse ausgehändigt, ist ein anderes Also Urgestein bereits nicht mehr in diesem Team dabei. Der 55-jährige Harald Wojnowski, Geschäftsführer Also Schweiz, schied nach 26 Jahren beim Broadliner aus. Er will sich neu orientieren und sich tiefer mit Technologiethemen beschäftigen, schreibt Inside-Channels. Mit den heutigen Tag tritt Tom Brunner seine Nachfolge an.

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