Editorial CRN 9/2018: Top-Management-­Aufgabe: Teamwechsel

Talente, Highpotentials, Millennials, neuerdings auch »Digital Aboriginals« genannt: Sie zu entdecken, ist für viele CEOs eine Riesenaufgabe. Zukunftssicherung einmal nicht in eigener Sache.

Editorial
In einer der dynamischten Branchen überhaupt muss die Zukunftsfrage des eigenen Unternehmens ganz oben angesiedelt sein, und zwar beim Top-Management. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber längst nicht überall selbstverständlich gelebt wird. Not (fehlende Mittel), schiere Phantasie- und Mutlosigkeit, schlicht Unvermögen oder eine Mischung aus all diesen Faktoren: Die ­Gründe sind vielschichtig, warum manches IT-Unternehmen mit der doch so boomenden ITK-Branche nicht Schritt halten kann.

Auffällig ist indes, wie oft Topmanager im Gespräch mit CRN in letzter Zeit das Thema Mitarbeiter in den Vordergrund stellen. Der Fachkräftemangel war schon vor einigen Jahren eine echte Wachstumsbremse, nun aber geht es offenbar an die Substanz von IT-Firmen, wenn sie es nicht schaffen, die sogenannten High-Poten­tials für sich zu gewinnen oder bei sich zu halten.

Computercenter-Chef Reiner Louis hat es in den kommenden fünf Jahren sogar zum obersten Ziel gesetzt, hoch qualifizierte Köpfe für sein Unternehmen zu gewinnen (CRN 09/2017, Seite 33). Also-CEO Gustavo Möller-Hergt gibt jungen MBAs im neu gegründeten Transforma­tion-Executive-Team spannende Bewährungen, betreibt mit einer Mischung aus Jung und Erfahrung Zukunftssicherung. Bei Ingram Micro hierzulande setzt man gleich auf den Hybrid-Manager aus jung und branchenbewährt und übergibt den Stab an den 43-jährigen Alexander Maier.

Eingefahrene Schienen will er nicht mehr befahren lassen, so wie alle Manager, die das eigene Unternehmen transformieren, den oft widerständigen Teams in ihren Reihen neue, tatkräftige Köpfe vorsetzen.

Auch Trainerwechsel bewirken, wie im Fußball zu sehen ist, bisweilen Wunder. Man darf damit, so leid es mir als wieder lachendem VFB-Stuttgart-Fan für die Anhänger des 1. FC Köln auch tut, nur nicht zu lange warten.

Martin Fryba
CRN-Chefredakteur