Editorial CRN 48/2017: CEBIT: »Wir brauchen ein digitales Mindset«

Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft kann eine Messegesellschaft nicht so präsentieren, als ginge sie dieser gewaltige Technologiesprung in eigener Sache nichts an.

Wer neue Paradigmen authentisch zeigen und auf hohem Niveau diskutieren, wer begeistertes, teils auch besessenes technikaffines Digitalpublikum anziehen will, muss sich von der Last der eigenen Tradition befreien. 31 Jahre hat die CEBIT, wie wir sie kennen, auf dem Buckel, 71 Jahre ist der Veranstalter Deutsche Messe AG alt: Veränderung tut Not bei einer der größten Messegesellschaften der Welt.
»Wir brauchen ein digitales Mindset im Unternehmen, dabei muss der Vorstand vorneweggehen«, sagt Jochen Klöckler, 48 Jahre jung, CEO der Deutsche Messe AG.

Man kann den Wandel dieser traditionellen Messegesellschaft und seiner neuen CEBIT auch so sehen: Die teils belastende Bürokratie eines öffentlichen Arbeitgebers muss raus aus den Köpfen – und zwar nicht nur bei den CEBIT-Machern, sondern bei allen 1.200 Mitarbeitern der Deutschen Messe AG (siehe CRN-Artikel).

Demonstrative Coolness, die einer Business-Messe zweifelsohne gut tut, reicht dafür noch nicht. Die CEBIT-Macher und ihr Personal müssen Digitalisierung leben: sich mit den Zielgruppen vernetzen, über Socia-Media-Kanäle kommunizieren, im Networking vor, während und nach der CEBIT aktiv und greifbar sein. Ausstellungsfläche vermarkten, Messehallen auf- und zusperren, reicht nicht. Man muss sich an hochattraktiven Digitalhotspots wie das junge Web Summit orientieren.

Die neue CEBIT hat die Herausforderungen der eigenen Transformation erkannt und packt sie mit viel frischem Elan an. Gelingt es, dass sich auch die Aussteller in Hannover vom Aufbruch ins Digitale anstecken und sich neue Formate der Präsentation einfallen lassen, werden wir im Juni 2018 ein Stück weit eine neue CEBIT erleben.

Martin Fryba
CRN-Chefredakteur