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LED aus China über den Channel

Yeelight bietet Philips die Stirn

05. Februar 2020, 07:12 Uhr   |  Martin Fryba


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

China-Business auch ohne Seegurke

Yeelight
© Yeelight Germany

Schnupperrunden bei Seegurke? Yeelight-CEO Eric Jiang (re.) und sein Deutschland-Geschäftsführer Florian Felsch machen lieber rasch Nägel mit Köpfen

Florian Felsch ist für die Chinesen ein idealer Inkubator, der in Seeshaupt am Starnberger See als Geschäftsführer von Yeelight Germany ein weiteres Start-up auf deutschem Boden gedeihen lassen will. Der 43-Jährige, der mehrmals im Jahr in China unterwegs ist und die Eigenheiten der Chinesen sehr gut kennt, beeindruckt seine asiatischen Geschäftspartner nicht nur mit im Business notwendiger interkultureller Kompetenz. Er kann auch als Unternehmer so einiges vorweisen.

In der vom ihm geführten Holding Eventa bündelt Felsch aktuell vier Firmen, die sich auf Gebäudeautomation- und Visualisierungssysteme sowie auf cloudbasierte Datenerfassungslösungen konzentrieren. Die smarte Fassadenbeleuchtung der WWK-Arena, wo Fußballbundesligist FC Augsburg zu Hause ist, wurde von Felschs Firma Livebau projektiert. Über 40 Mitarbeiter sorgen dort für »smart electric«, also strategische Elektrotechnik, die den langfristigen Nutzen aus der Technik in den Mittelpunkt stellt und im Kern auf mitdenkenden, IT-gestützten Automationssystemen sowie Softwarelösungen beruht.


Lichtqualität und Design sind das eine. Genauso wichtig ist im IoT-Zeitalter Softwarekompetenz. Hier könnte sich das Know-how von Felschs Experten in seinem Firmennetzwerk auch für die Chinesen auszahlen. Diverse Kommentare unter der Yeelight-App in den jeweiligen Stores zeigen: Hier können die Entwickler noch reichlich Verbesserungen programmieren. Gleiches gilt freilich auch für Lighting-Weltmarktführer Philips mit seinem Hue-System und OEM-Kunden wie Ikea, wo smarte Beleuchtung vor allem nach einem Update ein kurioses Eigenleben führen kann.

Immerhin: Die Postings zu den Apps von Yeelight werden vom Hersteller kuratiert und kommentiert – auch das ist für chinesische Anbieter eher ungewöhnlich.

Das lässt darauf schließen, dass sich Yeelight-CEO Eric Jiang seine Start-up-Mentalität bewahrt hat, auch in puncto Schnelligkeit in der Geschäftsanbahnung.  Manager, die CRN von eher lockeren Meetings im Erst- und  Folgekontakt mit Chinesen berichten, vermissten oft rasche substanzielle Details.

Seegurken-»Genuss« in lockerer Gesprächsrunde vorzutäuschen, lässt man einmal über sich ergehen. Schon bei zweiten Mal aber fällt es schwer, sie als Trüffel der Meere zu loben. Felsch ist beides erspart geblieben: das Lob auf die Seegurke und quälend lange Verhandlungen mit Jiang.

Man war sich schon nach wenigen Treffen einig. Nur der chinesische Konsul im München hätte die Gründung einer deutschen Landesgesellschaft von Yeelight noch verhindern können. Nach Felschs persönlicher Vorsprache gab der Diplomat grünes Licht: Jiang durfte den Geldtransfer von China nach Deutschland einleiten. Jetzt muss Felsch dafür sorgen, dass die Überschüsse der GmbH in die andere Richtung fließen – irgendwann im Laufe der nächsten Jahre.

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