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Digitalisierung an Schulen

Wie kann man es besser machen?

23. März 2020, 15:27 Uhr   |  Christoph Dernbach, dpa

Wie kann man es besser machen?
© tverdohlib - AdobeStock

Die Digitalisierung an den meisten deutschen Schulen ist noch mangelhaft bis nicht vorhanden. Doch es geht auch besser.

Der Klassenraum der 8B an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda ist seit Tagen verwaist. Der normale Lehrbetrieb wurde eingestellt - so wie an den rund 32.500 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland auch. Doch der Unterricht an dem Fuldaer Gymnasium geht online weiter. Im Mathe-Unterricht verweist Lehrer Uwe Rafler die Schüler nun auf seinen virtuellen Kollegen Daniel Jung, um »Punktbestimmungen bei linearen Funktionen« erläutern zu lassen. Jung ist auf YouTube mit seinem Mathe-Kanal ein Star. 630.000 Abonnenten schauen hier regelmäßig vorbei.

Der Direktor der Freiherr-vom-Stein-Schule, Ulf Brüdigam, kann zwar nicht auf eine große Online-Plattform aus einem Guss zurückgreifen. Doch die Kombination aus einer Cloud-Lösung der Stadt Fulda, einem Moodle-Server des Landes und den öffentlich zugänglichen Inhalten sorgt dafür, dass die Schülerinnen und Schüler nicht auf das Lernen verzichten müssen. »Wir bieten das auch als mobile App für das Handy an, denn quasi alle Schülerinnen und Schüler verfügen über ein Smartphone.« Beim Ansturm der ersten Tage waren die Download-Zeiten zwar länger als sonst, doch immerhin gingen die Anlaufstellen nicht in die Knie.

In Bayern dagegen wurde der Fernunterricht zeitweise komplett lahmgelegt. Nach Schließung der Schulen ächzte die landesweite Online-Plattform Mebis bereits unter der starken Nachfrage. Als dann noch Cyberkriminelle die Plattform angriffen, stand das System etliche Stunden lang still (CRN berichtete). Bayern gehört aber immerhin zu den Ländern, die überhaupt eine halbwegs funktionierende Online-Plattform haben. Allerdings ist Mebis nicht für einen flächendeckenden Ersatz von geschlossenen Schulen ausgelegt. Und Experten verweisen darauf, dass das System technisch inzwischen in die Jahre gekommen sei.

Viel schlechter dran sind die Schulen in Baden-Württemberg. Hier wurden schätzungsweise 20 Millionen Euro in den Aufbau der Lernplattform «ella« versenkt. Wegen technischer Mängel wurde das System nicht in Betrieb genommen. Die Schulen im Südwesten müssen sich nun mit einer improvisierten Lernplattform herumschlagen, die in diesen Tagen auch nur schwer erreichbar ist.

Am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam sieht man in dem teilweise desolaten Zustand eine Chance. »Generell sind solche Krisenzeiten oft auch Zeiten, wo notgedrungen Innovationen vorankommen«, sagt Institutsdirektor Prof. Christoph Meinel. Das HPI, das der gemeinnützigen Stiftung des SAP-Mitbegründers Hasso Plattner gehört, hat mit der »Schul-Cloud« eine moderne Lernplattform entwickelt, die auch für den eigenen Lern- und Lehrbetrieb (»openHPI«) verwendet wird.

Die Schul-Cloud des HPI war ursprünglich dafür entwickelt worden, den Unterricht mit interaktiven Medien und Lernmethoden zu bereichern. Die Cloud ermöglicht den Kindern, Hausaufgaben digital zu empfangen und einzureichen. Nun hat das HPI das Konzept aber erweitert, um einen Fernunterricht zu ermöglichen. »Das ist kein 1:1-Ersatz für den herkömmlichen Unterricht, aber inhaltlich kann man eine Menge machen.« Die Kommunikation könne dabei in beide Richtungen laufen. Dabei würden auch die geltenden Datenschutzregeln eingehalten.
 

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