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Zukunftsthema 5G

Welche Rolle wird Huawei beim 5G-Ausbau in Europa spielen?

24. Februar 2020, 12:33 Uhr   |  Christoph Dernbach, dpa

Welche Rolle wird Huawei beim 5G-Ausbau in Europa spielen?
© Huawei

Seit Monaten versuchen die USA auf allen diplomatischen Kanälen, Europa beim 5G-Ausbau zu einem Huawei-Verzicht zu drängen. Doch ein Totalverzicht auf den chinesischen Netzwerkhersteller käme teuer. Welche Alternativen gibt es?

Beim Schlüsselthema 5G richten sich die Blicke auf Europa, denn es geht um die Frage, ob die Europäer beim Aufbau ihrer 5G-Netze (auch) auf Technik des chinesischen Technologie-Giganten Huawei setzen werden.

Für Huawei steht in diesen Tagen viel auf dem Spiel. Das Unternehmen wird seit Monaten von der Administration von US-Präsident Donald Trump attackiert. Huawei lege mit seiner Mobilfunk-Technik das Fundament für kommende Spionage-Angriffe chinesischer Geheimdienste, lautet ein zentraler Vorwurf - ohne dass die Amerikaner dafür bisher konkrete Belege vorlegten. »Sie hoffen, dass ein Teil des Schlamms hängen bleibt, wenn sie genug Schlamm auf uns werfen«, sagte Huawei-Manager John Suffolk auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Zuvor hatte der US-Sonderbeauftragte für internationale Telekommunikationspolitik, Robert B. Blair, schwere Vorwürfe gegen Huawei erhoben und verlangt, dass sich der Konzern von der chinesischen Regierung distanzieren müsse.

So wie in München versuchen die USA nun auf allen diplomatischen Kanälen, Großbritannien und die Staaten der Europäischen Union zu einem Huawei-Verzicht zu drängen. Bislang sind die Europäer nicht auf den Kurs einer Total-Blockade eingeschwenkt. Die EU-Kommission und die britische Regierung sprachen sich zuletzt aber dafür aus, »risikobehaftete Anbieter« aus Kernbereichen der 5G-Netze fernzuhalten. In diese Kategorie würde auch Huawei fallen, ohne dass der Konzern beim Namen genannt wird.

Die Zurückhaltung hat mehrere Ursachen. Zum einen befürchtet vor allem die deutsche Bundesregierung Boykott-Aktionen Chinas gegen Unternehmen aus Deutschland, sollte Huawei explizit verbannt werden.

Ein Totalverzicht würde auch teuer: Die Europäer haben schon beim Aufbau der 4G-Netze oft Huawei-Technik verbaut. Und da 4G und 5G nahtlos ineinander übergehen, könnte man zunächst vorhandene LTE-Anlagen von Huawei aus dem Netz reißen müssen, bevor man neue Technik der europäischen Huawei-Konkurrenten Nokia und Ericsson verbaut. Das würde eine Unmenge kosten. Manche Schätzungen gehen von einem Betrag von bis zu 55 Milliarden Euro aus. Dazu kommen zusätzliche Kosten beim 5G-Netzaufbau, denn die Anlagen von Nokia und Ericsson sind teurer als die Geräte von Huawei. »Bei gleicher Größe versorgen unsere Basisstationen drei Mal mehr Benutzer als die Basisstationen anderer, und der Stromverbrauch beträgt nur ein Drittel der anderen«, behauptet Huawei-Top-Managerin Catherine Chen.

Huawei hat inzwischen weltweit 91 Verträge mit Mobilfunkprovidern zum Aufbau von Mobilfunknetzen der fünften Generation gewonnen. Das teilte Huawei-Manager Ryan Ding auf einer Hausmesse des Konzerns in London mit. Über die Hälfte der Verträge - nämlich 47 Kontrakte - stammen von europäischen Mobilfunkanbietern. 27 Verträge seien mit Providern in Asien unterzeichnet worden.

Huawei-Manager Ding machte bei seinen Angaben keinen Unterschied zwischen Kernnetz-Versorgung und Anlagen in der Fläche. Experten verweisen in diesem Zusammenhang auch darauf, dass die Abgrenzung zwischen Kernnetz und Peripherie immer schwerer falle, weil mit dem Trend des so genannten Edge-Computings immer mehr Datenverarbeitung in den Randbereichen der Netze stattfinde. 5G soll dank extrem schneller Reaktionszeit eine Kommunikation praktisch in Echtzeit ermöglichen. Das gilt als wichtige Voraussetzung zur Fernsteuerung von Industrieanlagen oder Roboterautos. Daher ist es notwendig, die Laufzeiten (Latenz) in den Netzen zu reduzieren.

Zu den Huawei-Kunden in Europa gehört unter anderen die spanische Telefónica-Gruppe, die in Deutschland mit der Marke O2 präsent ist. Außerdem hatten Sunrise in der Schweiz und KPN in den Niederlanden eine Zusammenarbeit mit Huawei beim Thema 5G kommuniziert.

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