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Telekommunikationsfirmen: Nortel Networks

Nortel will sein Tafelsilber verkaufen

12. März 2009, 10:54 Uhr   |  Bernd Reder | Kommentar(e)

Nortel will sein Tafelsilber verkaufen

Verhandelt angeblich über den Verkauf von zwei Kernbereichen von Nortel: Mike Zafirovski, CEO des Netzwerk-ausrüsters.

Nach einem Bericht des Wall Street Journal will der unter Gläubigerschutz stehende Netzwerkausrüster Nortel Networks Kernbereiche seines Produktportfolios verkaufen. Dazu gehören das Geschäft mit Geräten für den Aufbau von Mobilfunknetzen und die Enterprise-Sparte. Interessiert sind angeblich unter anderem Nokia Siemens Networks, Cisco und Siemens Enterprise Communications.

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Wie das Wall Street Journal aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben will, ist Nortel Networks drauf und dran, seine »Schmuckstücke« zu verkaufen. Dazu gehört die Sparte »Wireless Networking«. Sie stellt Komponenten für Mobilfunknetze, Multimedia-Subsysteme sowie Wireless-LAN-Komponenten her.

Der Bereich Wireless gehört zum Bereich Carrier Networks von Nortel. Im Geschäftsjahr 2008 (Ende: 31.12.) erzielte dieser insgesamt einen Umsatz von 4,312 Milliarden Dollar, bei einem Gesamtumsatz des Konzerns von 10,421 Milliarden Dollar.

Auf Ausrüstung für Mobilfunknetze (CDMA sowie GSM und UMTS) entfiel ein Umsatz von rund 3,77 Milliarden Dollar. Der Rest von 544 Milliarden ging auf das Konto von Ausrüstung für Sprachnetze. Das heißt, dass mit dem Verkauf der Wireless-Sparte ein Kernstück von Nortel von Bord ging, das für 40 Prozent des Umsatzes steht.

Angeblich erwägen Konkurrenten von Nortel, den Wireless-Networking-Bereich zu übernehmen, darunter Nokia Siemens Networks. Vor allem Nortels Know-how bei der UMTS-Nachfolgetechnik LTE (Long-Term Evolution) dürfte für die Mitbewerber interessant sein.

Cisco, Avaya und Siemens an Enterprise-Bereich interessiert

Dagegen zählen angeblich Cisco Systems, Avaya und Siemens Enterprise Communications zu den potenziellen Käufern der Enterprise-Sparte von Nortel.

Dieser Bereich erzielte im Geschäftsjahr 2008 einen Umsatz von 2,4 Milliarden Dollar. Mit 1,640 Milliarden entfiel der Löwenanteil auf Sprachkommunikationssysteme. Die Segmente Ausrüstung für Datennetze sowie Sicherheitsprodukte steuerten 762 Millionen Dollar bei.

Vor allem Avaya und Siemens Enterprise Communications haben Interesse an Nortels Enterprise-Bereich angemeldet. Auch Cisco Systems erwägt eine Übernahme. Allerdings ist nach Angaben des Wirtschaftsblattes unwahrscheinlich, dass der weltweit größte Netzwerkhersteller »zuschlägt«.

Sollte beide Bereiche tatsächlich verkauft werden, würde das eine Sanierung von Nortel erheblich erschweren. Es blieben in diesem Fall nur die Segmente Metro-Ethernet (1,393 Milliarden Dollar) und Global Services (2,089 Milliarden Dollar) übrig, eventuell ergänzt um einige »Häppchen« aus den beiden verkauften Sparten. Ob dies als Basis für einen Neuanfang reichen würde, ist stark zu bezweifeln.

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