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Performance-Analyse von Web-Sites

Leistungseinbrüche bei Web-2.0-Anwendungen vermeiden

25. Mai 2009, 15:26 Uhr   |  Bernd Reder | Kommentar(e)

Leistungseinbrüche bei Web-2.0-Anwendungen vermeiden

Vier Faktoren entscheiden darüber, ob eine Web-2.0-Anwendung von den Nutzern angenommen wird.

Viele Unternehmen und Organisationen setzen mittlerweile Web-2.0-Techniken ein. Sie sollen den Informationsaustausch verbessern oder User mit »Mitmachen« animieren. Allerdings werfen Web-2.0-Anwendungen für den Betreiber Probleme auf, vor allem was die Performance betrifft und »User Experience« betrifft. Solche Faktoren lassen sich nicht mit handelsüblichen Analysewerkzeugen erfassen.

Die Komponenten, aus denen sichdie Antwortzeit von Web-Seitenzusammensetzt.
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Die Komponenten, aus denen sichdie Antwortzeit von Web-Seitenzusammensetzt.

Die Analysemodule von Keynote zeigen in übersichtlicher Weise an, wennWeb-Anwendungen
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Die Analysemodule von Keynote zeigen in übersichtlicher Weise an, wennWeb-Anwendungen

Je nach eingesetztem Browser können die Antwortzeiten von Web-Seiten massiv voneinander abweichen.
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Je nach eingesetztem Browser können die Antwortzeiten von Web-Seiten massiv voneinander abweichen.

Internet und World Wide Web haben sich zum Kommunikationsmittel Nummer eins in der Geschäftswelt entwickelt. Der nächste Evolutionsschritt ist das »Web 2.0«. Über die Definition von Web 2.0 lässt sich trefflich streiten. Der Burton-Group-Analyst Richard Monson-Haefel versteht darunter eine »Architektur der Beteiligung, die auf dem Web aufbaut« und unterstreicht dessen interaktive Natur.

Das beste Beispiel dafür, wie das Internet zu einer Plattform wird, sind Rich-Internet-Anwendungen (RIA). Die RIA-Architektur spiegelt den Übergang der Web-Anwendungen vom einfachen Thin-Client-Web-Browser bis zu umfassenderen Techniken mit verteilten Funktionen wider. Diese verhalten sich eher wie ein Desktop in einem Client-/Server-Modell. Eine zentrale Rolle spielen dabei »Client-Engine«-Techniken wie Flash, Ajax und Java.

Die RIA-Performance messen

Diese Architektur erschwert Performance-Messungen, die Einblicke in die Kundenerfahrung (User Experience) geben sollen. In einer RIA ist die Zeit bis zum Abschluss eines Web-Seiten-Downloads für einen Benutzer nicht mehr wichtig, weil die Client-Engine möglicherweise bereits im Voraus einige der Inhalte für die zukünftige Verwendung abgerufen hat.

Standardwerkzeuge zur Messung der Zeit, bis eine Web-Seite heruntergeladen wurde, können bei RIA irreführende Daten aufzeichnen. Der Grund: In einigen Fällen ruft die Client-Engine möglicherweise überhaupt keine Standard-Web-Seiten-Downloads mehr auf, wenn die Anwendung gestartet wurde, sondern verwendet stattdessen asynchrone Kommunikation im Hintergrund für Serveranforderungen.

Überwachung von Web-2.0-Anwendungen

Um RIA erfolgreich zu implementieren, müssen Unternehmen daher ihren Ansatz bei der Performance-Messung überdenken. Statt sich auf die Definition physischer Web-Seiten zu verlassen, welche die Anwendungsreaktionszeiten bestimmen, müssen RIA-Entwickler die Anwendung in logische Seiten unterteilen.

Die meisten Unternehmen beurteilen den Erfolg einer Web-Anwendung auf der Grundlage von Kenndaten wie Umsatz, Kosten und Kundenzufriedenheit. Unabhängig von der Zielgruppe kann – und sollte – der »Erfolg« einer Web-Seite oder Anwendung anhand eines anderen Kriteriums beurteilt werden: Wie effektiv erfüllt die Web-Seite beziehungsweise die Anwendung ihre Ziele?

Für jede Web-Anwendung bedeutet Effektivität ganz einfach das Erfüllen der geplanten Design- und Lieferziele. Zudem sollte sie dem User eine Online-Erfahrung bieten, die diesen zufriedenstellt.

Besteht der Zweck einer Web-Seite beispielsweise darin, Interessenten zu Käufern zu machen, lassen sich die beiden wichtigsten Faktoren folgendermaßen umschreiben: »Zuerst genug Interessenten anlocken, und dann Interessenten zu Käufern machen«.

Faktor »Conversion Rate«

In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf den zweiten Schlüsselwert, die Conversion-Rate. Sie zeigt, ob den User, die eine Internet-Seite besuchen, ein effektiver Service geboten wird. Dazu muss eine Site oder Anwendung vier Anforderungen erfüllen: Verfügbarkeit, Antwortzeit, Klarheit und Nützlichkeit.

In vielen Unternehmen und Organisationen ist die Verantwortung für diese Aspekte auf mehrere Abteilungen verteilt. Ob eine Web-Seite erfolgreich ist oder nicht, hängt jedoch von allen vier Punkten ab: vom User-Verhalten, und das wiederum wird davon bestimmt, wie klar die Web-Seite strukturiert ist, wie das Design aussieht und welche Antwortzeiten bei der Interaktion zwischen Client- und Serverkomponenten auftreten.

Ebenso wie die Teams, die sich um die vier Aspekte einer Web-2.0-Site kümmern, sind auch die Messwerkzeuge in mehrere Gruppen aufgeteilt. Ihre Aufgaben sind:

• Die Messung einer immer vielfältigeren Kunden-Community;

• das Erfassen der Qualität von Interaktionen, bei denen Nutzer Informationen sowohl hoch- als auch herunterladen;

• die Analyse von Anwendungen, die eine umfassende Vielzahl von Medien und Schnittstellen beinhalten;

• das Erstellen von Reports.

Die richtigen Daten ermitteln

Die Bedeutung dieser Faktoren lässt sich mit den Worten von Tom DeMarco zusammenfassen: »Was nicht gemessen wird, lässt sich auch nicht steuern.« Wenn aber die falschen Parameter erfasst werden, ist das genauso schlecht oder gar schlimmer, als gar nichts zu messen.

Deshalb ist es nicht sinnvoll, Web-2.0-Anwendungen mit Tools und Ansätzen zu analysieren, die für herkömmliche Web-Seiten entwickelt wurden. Dies kann zu Konflikten zwischen Abteilungen und Streit über Service-Level-Agreements mit internen oder externen Dienstanbietern führen.

Da ein Hauptelement von Web 2.0 die Verbesserung der Benutzererfahrung ist, muss die tatsächliche Kundenerfahrung proaktiv ermittelt werden.

Lösung von Keynote Systems

Keynote Systems ist nach eigenen Angaben derzeit die einzige Firma, die ein komplettes Portfolio von Performance-Überwachungslösungen anbietet, das auf von Web 2.0-Anwendungen zugeschnitten ist.

Auf Web-2.0-basierten Web-Seiten können Anwender mithilfe von Personalisierungsoptionen ihre Erfahrung auf einer Site speziell an ihre individuellen Präferenzen anpassen. Die Web-Seiten werden insbesondere dafür konzipiert, dass die Inhalte mit allen gängigen Browsern heruntergeladen und angezeigt werden können.

Da die User-Erfahrung von der Internet-Anbindung abhängt, können Web-Seiten ihre Inhalte sogar an die Verbindungsgeschwindigkeit des Browsers anpassen. Die Messdaten müssen dies widerspiegeln.

Keynote hat deshalb ein weltweites Messnetzwerk eingerichtet. Eine Web-Seite lässt sich somit von Standorten in aller Welt aus aufrufen. Dabei werden unterschiedliche Zugangstechniken und Geschwindigkeiten berücksichtigt, vom DSL-Anschluss über ein Kabel-TV-Netz bis hin zum 3G-Mobilfunknetz.

Reporting von mehr als nur den Web-Seiten-Messdaten

Mithilfe der Reporting-Tools von Keynote (»My Keynote« und »Keynote Performance Scoreboard«) lässt sich die Performance einer Web-Anwendung auf verschiedenen Detailebenen anzeigen. Die Antwortzeit einer Gesamttransaktion kann in logische oder physische Seiten unterteilt werden.

Unterhalb der Seitenebene sind die Download-Zeiten der Inhaltselemente und Serverinteraktionen verfügbar. Diese Zeiten können wiederum in spezielle Antwortzeit-Komponenten unterteilt werden.

Mit der Komponente »User Experience Time« können Anwender beispielsweise ermitteln, welche Verzögerungen beim Client während des Aufrufs von Web-2.0-Anwendungen auftreten. Das Tool zeichnet dazu die Verarbeitungs- und Rendering-Zeit auf. Außerdem misst es, wie lange es dauert, bis der Client den Anwendungs-Code oder die Browser-Plug-ins aufgerufen hat. Zu jedem ermittelten Wert lassen sich Report und Diagramme erzeugen.

Bei Berichten auf Seiten- oder Transaktionsebene ermöglichen die Keynote-Tools, bestimmte Content-Elemente von der Messung auszunehmen. Diese Funktion wird häufig für Seiten mit integrierten Werbeanzeigen genutzt. Diese lassen sich beim Messvorgang gewissermaßen ausblenden.

Besteht das Ziel jedoch darin, die gesamte User Experience zu beurteilen, lässt sich selbstverständlich ermitteln, wie lange es dauert, bis der gesamte Web-Seiten-Content, inklusive Anzeigen, auf dem Bildschirm des Nutzers erscheint. Soll dagegen die Performance der Host-Webserver überwacht werden, ist die Reaktionszeit von Anzeigeninhalten irrelevant und kann daher ausgeschlossen werden.

Der Autor: Kai Ahrendt ist Regional Manager Deutschland, Österreich, Schweiz, Benelux und Osteuropa von Keynote Systems. Ergänzung 1: Merkmale von Web- 2.0-Anwendungen

Netzwerk als Plattform: Ein Kennzeichen von Web-2.0-Applikationen ist, dass Anwendungen komplett über einen Browser oder einen Mikrobrowser auf einem Handheld-Gerät bereitgestellt werden.

Kooperation: Während eine herkömmliche Web-Seite Inhalte veröffentlicht, fungieren viele Web-2.0-Sites als Informationsdrehscheibe: Inhalte können von den Usern gemeinsam genutzt, aber auch bereitgestellt und verändert werden. Social Networking: Viele Web-2.0-Anwendungen umfassen Features, die Benutzer mit gemeinsamen Interessen in Verbindung bringen. Hybridanwendungen (Mashups): Mithilfe von Standard-Webprotokollen und Schnittstellen können Anwendungen von Drittanbietern sowohl Daten als auch Funktionen vorhandener Anwendungen integrieren. Rich-Media-Schnittstellen: Im Vergleich zum Originalkonzept des Internets als Sammlung von Hypertext-Dokumenten sind die Benutzerschnittstellen jetzt dynamischer und interaktiver. Sie integrieren eine Vielzahl von Medien wie Audio- und Video-Streams und Sprache. Ergänzung 2: Messung der Web-Effektivität

Web-Analyse-Tools (WA): Solche Programme dienen dazu, die Web-Seiten-Besucher zu zählen und in Gruppen einzuteilen. Die Informationen helfen dabei, Daten über das Benutzerverhalten und zu den Conversion-Rates zu ermitteln.

User-Experience-Tools (UX-Tools): Web-Designer verwenden UX-Tools für verhaltens- und einstellungsbezogene Analysen, für Tests der Benutzererfahrung und Online-Umfragen.

Mess- und Testtools ermitteln die Antwortzeiten und Verfügbarkeit von Web-Seiten. Web-Entwickler, Tester und Performance-Analytiker erfassen mit diesen Tools Daten über die Anwendungs-Performance.

Performance-Überwachungs- und Reporting-Tools: Sie dienen dazu,nach der Bereitstellung von Anwendungen die Einhaltung von Service-Levels zu messen.

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