Schwerpunkte

Rechenzentren in Deutschland

Aus alt mach neu

28. Februar 2020, 12:15 Uhr   |  Natalie Lauer

Aus alt mach neu
© Windcloud

Bunker-as-a-Service: Colocation Bunker von Windcloud in Bramstedtlund

Mangel an Flächen und horrende Strompreise zwingen deutsche Rechenzentren zum Umdenken. Was dabei herauskommt, kann sich sehen lassen und verbindet hier und da ehrwürdige Historie mit Zukunft.

In Frankfurt befindet sich das Epizentrum der deutschen Rechenzentrumsbranche. Verkehrs- sowie Glasfaseranbindung an internationale Trassen sind dort hervorragend. Die Mainmetropole punktet durch ihre ausgezeichnete Konnektivität und Datenaustauschmöglichkeiten, eine gute Verfügbarkeit an Fachkräften, die Internationalität des Standortes sowie die geographische Lage im Zentrum Deutschlands und Europas.

Aber das hilft alles nichts, wenn dort die Flächen knapp und  kostspielig sind. In anderen Großstädten wie etwa München sieht es diesbezüglich nicht besser aus.

Nicht zuletzt deshalb werden immer mehr Rechenzentren andernorts angesiedelt. Sie lassen sich aber nicht auf einem willkürlich gewählten Baugrund errichten. Es gilt, hohe Sicherheitsstandards zu beachten. Aber manchmal liegt das Gute so nah und ein Neubau ist nicht erforderlich, wenn ausgediente Bauwerke zu Rechenzentren umfunktioniert werden, wie das vielerorts derzeit geschieht. Ein Beispiel der besonderen Art findet sich außerhalb Deutschlands – in Barcelona. Dort wurde High Performance Computing in der säkularisierten Kapelle Torre Girona untergebracht. Auch in deutschen Gefilden erobern einige Rechenzentren historisches Ambiente. So wandelte ColocationIX einen Bremer Atomschutzbunker zu einem Hochsicherheitsrechenzentrum um, das neben höchstmöglicher physischer und digitaler Sicherheit laut Betreiber auch eine Hochverfügbarkeit der Daten garantiert.

Der Cloudhoster Windcloud nutzt im nordfriesischen Enge-Sande 54 ehemalige Nato-Bunker auf einem gesicherten und umzäunten Gelände mit 4-Stufen-Sicherheitskonzept und moderner Zutrittskontrolle – Stromversorgung aus lokalen, regenerativen Quellen inklusive. Der Rechenzentrumsbetreiber schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen wird damit die Umwelt geschont und zum anderen lassen sich auf diese Weise die hohen Stromkosten umgehen, die für deutsche Rechenzentren einen absoluten Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren Konkurrenten im Ausland darstellen. Zur Info: Gemäß einer Preisanalyse des Digitalverbands Bitkom betrugen die Stromnebenkosten im Jahr 2019 in Deutschland 113,11 Euro pro Megawattstunde (MWh). In den Niederlanden schlug die Summe der Nebenkosten lediglich mit 17,08 Euro pro MWh zu Buche.

Windcloud ist übrigens gerade dabei, das Rechenzentrum zu erweitern. Bis Ende Mai 2020 soll alles in trockenen Tüchern sein. Dann soll auch die auf dem Dach geplante Algenfarm fertiggestellt sein. Sie dient nicht nur der Vermeidung von CO2, sondern baut dieses auch aktiv ab. So sieht zeitgemäße Rechenzentrumsplanung aus.

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