Kommentar: Lars, but not least: Krieg der Tablets: Wer hat´s erfunden?

Wenn man die Klageschrift von Apple für die Einstweilige Verfügung gegen Samsung liest, kommt man als etwas älterer Beobachter der IT-Szene doch ein wenig ins Schmunzeln. Denn so manches, was Apple dort für sich in Anspruch nimmt, kommt einem nicht umsonst bekannt vor.

Die Entscheidung des Landgerichtes Düsseldorf, dem koreanischen Elektronikkonzern Samsung den Vertrieb seines Tablet-PCs Galaxy Tab 10.1 aufgrund angeblich zu großer Ähnlichkeiten mit Apples iPad in Europa vorläufig zu verbieten, hat in der vergangenen Woche für einiges Aufsehen in der IT-Branche gesorgt. Inzwischen musste das Gericht zwar schon wieder nachbessern, dennoch stellt sich der geneigte Beobachter des IT-Marktes einige Fragen zu diesem mehr als kuriosen Fall und der Einschätzung des Gerichtes.

Das ganze Verfahren mutet alleine schon daher etwas komisch an, da sich das Gericht bei seiner Entscheidung einzig und alleine auf die von Apple eingereichten Unterlagen verließ, Samsung wurde nach eigenen Angaben gar nicht erst dazu befragt. Genau das hätte aber wohl schon einige Brisanz aus der Geschichte nehmen können. Denn wie sich inzwischen herausgestellt hat, war beispielsweise einiges von Apple eingereichtem Bildmaterial zum optischen Direktvergleich nicht ganz treffend, da das Galaxy Tab darauf dem iPad in seinen Dimensionen wesentlich ähnlicher sieht, als es der Realität entspricht. Wahrscheinlich hat Apple sich einfach nur zufällig vergriffen und ein Bild eines Prototyps des Galaxy Tab verwendet. Ein Schelm, wer böses dabei denkt – der Richter jedenfalls prüfte es scheinbar nicht weiter nach, ein holländischer Blog schon.

Noch hanebüchener wird die Geschichte, wenn man sich eingehender mit den »Begründungen« Apples für die angeblich frappierende Ähnlichkeit des Galaxy Tab mit dem iPad durchliest, die nicht nur optisch mehr oder minder auf eine dreiste Kopie hindeuten soll. Dort werden so gravierende Punkte genannt wie »rechteckig mit abgerundeten Kanten«, oder ein »zentriertes Display unter einen klaren Oberfläche«, umgeben von einem Metallrahmen. Einerseits dürfte es jedoch kaum möglich sein, überhaupt einen Tablet PC ohne die beschriebenen Eigenschaften (sinnvoll) zu bauen. Andererseits muss man – wenn man diese Faktoren wirklich als grundlegend für die Idee eines Tablet-PCs anerkennen will – wohl an ganz anderer Stelle nach dem Ursprung des iPad und seiner Artgenossen suchen (siehe Seite 2).

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