Kommentar: Lars, but not least: Krieg der Tablets: Wer hat´s erfunden?

Wenn man die Klageschrift von Apple für die Einstweilige Verfügung gegen Samsung liest, kommt man als etwas älterer Beobachter der IT-Szene doch ein wenig ins Schmunzeln. Denn so manches, was Apple dort für sich in Anspruch nimmt, kommt einem nicht umsonst bekannt vor.

Hat Samsung das iPad schon 2005 erfunden?

Hatte HP das iPad schon 2001 erfunden? Sieht ganz so aus.

Zunächst einmal wäre da der Name an sich: Im Jahre 2001 begann ausgerechnet Apples Erzrivale Microsoft offiziell von »Tablet-PCs« zu sprechen und gemeinsam mit großen Firmen wie HP entsprechende Produkte zu entwickeln. »Das sind PCs, für die es quasi keine Limits mehr gibt. Ich glaube, dass dies innerhalb von fünf Jahren die am häufigsten verkaufte Art von PCs in den USA sein wird«, prophezeite damals ein gewisser Bill Gates. Zwar dauerte es dann doch noch ein bisschen länger und statt Microsoft triumphierte Steve Jobs, doch die Grundidee ist die gleiche geblieben. Dass sich nun allerdings ausgerechnet Apple aufmantelt, die Tablets zu seinem geistigen Baby zu erklären, trotz der ungefährdeten Marktführerschaft alle anderen Hersteller anzugreifen und mit rüde anmutenden Mitteln aus dem Markt verdrängen zu wollen, entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Neben der Funktionsweise war auch das praktischste Design für solche Tablet-PCs schnell gefunden. Wirft man dann beispielsweise einen Blick auf das damals von Gates präsentierte HP-Tablet, und legt dieses neben ein iPad, so stellt sich schnell die Frage: hat etwa auch HP der Entwicklung aus den Apple-Laboren vorgegriffen und quasi schon vor seiner Entwicklung die Pläne für das iPad bei Apple gestohlen und kopiert? Jedenfalls treffen die von Apple gegen Samsung angeführten Punkte auch hier voll zu:

  1. »ein rechteckiges Produkt mit vier gleichmäßig abgerundeten Ecken«
  2. »eine flache, klare Oberfläche, welche die Vorderseite des Produkts bedeckt«
  3. »eine sichtbare Metalleinfassung um die flache, klare Oberfläche«
  4. »ein Display, das unter der klaren Oberfläche zentriert ist«
  5. »unter der klaren Oberfläche deutliche, neutral gehaltene Begrenzungen auf allen Seiten des Displays« und
  6. »wenn das Produkt eingeschaltet ist, farbige Icons innerhalb des Displays.«

Somit zeigt sich, dass der reine Gebrauchsmusterschutz im Falle der Tablet-PCs eigentlich überfragt ist. Genausogut könnte man sich, übertrieben auf die alten Industrien übertragen, die vier Räder mit beheizbarer Passagierkabine und Außenspiegeln für ein Auto schützen lassen und alle Nachbauten verbieten. Noch besser ist folgendes Beispiel: Auch Samsung selbst hatte bereits vor fünf Jahren ein Gerät auf dem Markt, das diese von Apple monierten Eigenschaft bereits recht gut erfüllte - noch bevor das iPad auf dem Markt (allerdings schon geschützt) war: einen digitalen Bilderrahmen:

War das Ur-iPad vielleicht doch ein Samsung?

Wer hat den Tablet-PC nun also erfunden – und wer nur kopiert? Sicher ist nur eins: Apple kann sich diese Innovation nicht alleine auf die eigene Fahne schreiben, auch wenn man sie durch user-optimierte Weiterentwicklung und geschickte Vermarktung wesentlich zur Massentauglichkeit befördert hat. Und auch wenn sich die beiden Tablets ähnlich sehen und - in der Natur der Sache oder mehr? liegend - sein mögen, so möchte man angesichts der Entwicklung in dieser Causa doch gerne der guten alten Ricola-Werbung folgen und (metaphorisch) den Apple-Vertretern die Handtücher in der finnischen Herrensauna im Düsseldorfer Gericht vom Leib ziehen und sie selbst fragen: »Wer hat´s erfunden?«.

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