Google im Bieterstreit unterlegen: Nortel-Patente für Apple, Microsoft und Sony

Google hat den Bieterwettstreit um Patente des 2009 pleitegegangenen Telekom-Ausrüsters Nortel verloren. Mit einem Gebot von 4,5 Milliarden US-Dollar erhielt ein Firmenkonsortium um Apple, Microsoft und Sony jetzt den Zuschlag.

Uralt-Telefon: Nortel war Inhaber von rund 6.000 Patenten (Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)

Fast jeder Aspekt der Telekommunikation ist betroffen: Der untergegangene Riese Nortel war Inhaber von rund 6.000 Patenten und Patentanträgen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Mobilfunk, WLAN, Internet-Suche, optische Techniken, Daten- und Sprachnetze sowie Internet-Techniken. Einige der Patente betreffen auch den derzeit entstehenden 4G-Mobilfunkstandard LTE. Auf einer Auktion wurde das Portfolio nun verkauft. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium aus sechs Firmen mit einem Gebot von 4,5 Milliarden US-Dollar. Zu der Gruppe gehören Apple, Microsoft, Sony, Ericsson, Research in Motion und der Speicherspezialist EMC.

Das Nortel-Paket war für viele Unternehmen der IT-Branche interessant. Den Bietern ging es dabei in erster Linie darum, sich gegen Patentansprüche von Konkurrenten abzusichern oder eigene Patente zu stärken. Nicht zuletzt war Google genau deshalb sehr interessiert, denn das Mobilfunk-Betriebssystem Android steht derzeit aufgrund zahlreicher Patentklagen unter Beschuss. Hätte der Suchmaschinen-Riese den Zuschlag erhalten, hätte das seine Position im boomenden Smartphone-Markt deutlich gestärkt.

Hintergrund Nortel

Das Unternehmen Nortel wurde 1895 von Alexander Graham Bell in Brantford, Kanada, als »The Northern Electric and Manufacturing Company Limited« gegründet. 1913 entstanden im kanadischen Montreal der Firmenstammsitz und die Hauptproduktionsstätte. Ein Jahr später erfolgte der Zusammenschluss mit Imperial Cable zur Firma »Northern Electric«. In den 1950er Jahren produzierte die Firma unter anderem Fernsehapparate, erst in den 1960er Jahren begann man, sich mit der Digitalisierung von Telefontechnik und mit Glasfaserkabeln zu beschäftigen. 1976 änderte sich der Name des Unternehmens in »Northern Telecom Limited«. 1995 erfolgte anlässlich des 100-jähren Bestehens die Umbenennung in Nortel. Nachdem die Firma Bay Networks aufgekauft worden war, änderte sich 1998 der Name in Nortel Networks. Nach mehreren Finanzskandalen musste der Konzern im Januar 2009 ein Insolvenzverfahren beantragen. Im Juni 2009 kündigte Nortel an, man werde alle Geschäftsbereiche verkaufen und die Firma auflösen. Große Firmenteile gingen an Avaya (Enterprise-Telefoniesparte) und Ericsson (Mobilfunksparte).