IT-Firmen: Palm: Softwarechef von Palm verlässt das Unternehmen

Michael Abbot, Leiter von Palms Bereich Software und Services, kehrt dem Smartphone-Hersteller den Rücken. Vermutlich steht Abbots Abgang mit den Verkaufsgerüchten rund um Palm in Zusammenhang.

Am 23. April ist der letzte Arbeitstag von Michael Abbot. Der Manager war als Senior Vice President bei Palm für das Software- und Services-Team zuständig. Er ist zudem der Mann hinter dem Betriebssystem Web OS, das 2009 das betagte Palm OS ablöste.

Kehrt Palm den Rücken: Software-Chef Michael Abbott.

Nach Angaben des Smartphone-Herstellers verlässt der ehemalige Microsoft-Manager das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Andere Führungskräfte hat Palm nach eigenen Angaben mithilfe von Sonderprämien und Aktienpaketen vom Absprung abgehalten.

So erhalten Finanzchef Douglas Jeffries und Jeffrey Devine (Senior Vice President of Global Operations) jeweils einen Bonus von 250.000 Dollar plus Firmenaktien. Dafür müssen sie noch mindestens zwei Jahre lang bei Palm ausharren.

Enttäuschendes Quartalsergebnis

Es ist zu vermuten, dass Michael Abbot angesichts der finanziellen Lage von Palm gewissermaßen das Weite gesucht hat. Das Unternehmen musste bei der Präsentation der Zahlen des dritten Quartals 2010 (Ende: 26. Februar 2010) einräumen, dass der Verkauf der Smartphones Palm Pre und Pixi hinter den Erwartungen zurückblieb. In Deutschland werden die Modelle Pre Plus und Pixi Plus ab dem 28. April bei o2 Germany und Vodafone erhältlich sein.

»Unser schlechtes Abschneiden ist sehr enttäuschend«, sage Jon Rubinstein, Chairman und CEO von Palm. »Aber das Potenzial des Unternehmens ist weiterhin groß.« Das hört sich stark nach Durchhalteparolen an.

Im dritten Quartal erwirtschafte Palm einen Umsatz von rund 350 Millionen Dollar, bei einem Verlust von 22 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal lag der Verlust noch bei 13,7 Millionen Dollar. Und dies, obwohl Palm im dritten Quartal 2010 an die 960.000 Smartphones verkaufte, 23 Prozent mehr als in den drei Monaten zuvor.

Käufer gesucht

Seit Bekanntgabe der letzten Quartalsresultate kursieren in der Branche Gerüchte, dass die Führungsspitze und Hauptanteilseigner von Palm auf der Suche nach einem Käufer für die Firma sind. Als Kandidaten werden unter anderem HTC, Dell und der finnische Handy-Riese Nokia gehandelt.

Offenkundig lässt sich ein Kardinalfehler, den Palm beging, nicht mehr korrigieren: der Verkauf der Rechte an Palm OS an die japanische Firma Access und damit verbunden das Einfrieren der Weiterentwicklung der Software. Der Versuch, mittels Windows-Mobile-Geräten zu punkten, misslang angesichts der übermächtigen Konkurrenz.

Erst mit Web OS brachte Palm wieder ein Betriebssystem heraus, das es durchaus mit iPhone OS, Android und Windows Mobile aufnehmen kann. Vermutlich war das jedoch zu spät.