Deutsche Umwelthilfe kritisiert: Handel boykottiert Rücknahme alter Elektrogeräte

Die Sammelquote für Elektroschrott bleibt in Deutschland niedrig. Verantwortlich dafür ist nach Meinung der Deutschen Umwelthilfe der Handel, der die Rücknahmepflichten vielfach boykottiere. Der Verein fordert Sanktionen – und wünscht sich ein Pfandsystem für Smartphone & Co.

(Foto: mekcar - Fotolia)

65 Prozent des Elektroschrotts soll in diesem Jahr eigentlich gesammelt und erfasst werden – das ist eine Vorgabe der EU, die Deutschland aber aller Voraussicht nach verfehlen wird. Wie die Deutsche Umwelthilfe unter Verweis auf Zahlen aus dem Bundesumweltministerium vermeldet, lag die Sammelquote 2017 bei gerade mal 45 Prozent. Es werde hierzulande mehr Elektroschrott illegal entsorgt und exportiert als ordnungsgemäß gesammelt, so der Verein.

Dass die Quote in diesem Jahr die noch notwendigen 20 Prozentpunkte steigt, hält die DUH für unwahrscheinlich. Dafür müsste sich das Bundesumweltministerium »endlich vom gescheiterten Prinzip der ›freiwilligen Vereinbarungen‹ verabschieden«, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Es sei »inakzeptabel und geradezu fahrlässig, dass Discounter, die in großer Menge Elektrogeräte verkaufen, nicht zur Rücknahme von Elektroschrott verpflichtet werden.«

Die DUH hat den Handel als Hauptverantwortlichen für die niedrigen Sammelquoten ausgemacht. Testbesuche hätten gezeigt, dass viele Händler die Rücknahme von Elektrogeräten verweigern oder erschweren und nicht darüber informieren. Deshalb plädiert der Verein für eine Ausweitung der Rücknahmepflicht: Verbraucher sollten beim Kauf eines Gerätes ein ähnliches Altgerät kostenfrei zurückgeben dürfen. Zudem sollten Händler mit einer Gesamtverkaufsfläche sowie Online-Händler mit einer Lager- und Versandfläche von mehr als 100 Quadratmetern Elektroaltgeräte unter 50 Zentimetern auch unabhängig vom Kauf eines neuen Geräts zurücknehmen müssen. Damit sich Händler und Hersteller aktiv um die Rücknahme bemühen, ist es nach Einschätzung der DUH notwendig, dass diese ihre Sammelquoten veröffentlichen müssen.

Um eine bessere Information der Verbraucher zur Rücknahme von Elektroschrott zu erreichen, sollten Händler am Regal und auf der Website aktiv auf die kostenlosen Entsorgungsmöglichkeiten hinweisen müssen – und sanktioniert werden, wenn sie das nicht tun. »Die viel zu laschen Vorgaben für Handel und Industrie zur Sammlung von Elektroaltgeräten müssen dringend verschärft werden«, sagt Resch. Er hält sogar ein Pfandsystem für umweltrelevante und kurzlebige Elektrogeräte wie Smartphones für »zwingend notwendig, um die Rückgabequote gerade dieser ressourcenintensiven Geräte zu erhöhen«.

Kommentare (3) Alle Kommentare

Antwort von Volker Mitlacher , 13:54 Uhr

Ich verstehe die Diskussion nicht.

Der Hersteller bzw. Importeur wird schon längst zur Kasse gebeten. Er muss sich registrieren lassen, meldet seine Importe und bekommt regelmäßig Rechnungen für seine Entsorgungspflicht.

Das ist vereinfacht ausgedrückt.

Unser Gesetzgeber hat sich natürlich für die tatsächliche Umsetzung schon was ganz besonderes einfallen lassen.

Die Geräte können kostenlos am kommunalen Wertstoffhof abgegeben werden.

Warum jetzt der Handel die Informationspflicht zugeschoben bekommt ? Liegt wohl daran, dass ARD und ZDF nicht mehr eingeschaltet wird.

Antwort von Herbi13 , 07:06 Uhr

Die Deutsche Umwelthilfe kannalles, weiß alles und ist inallen Gebieten der Experte!

Dieser "Verein " knebelt eine ganze Nation - Umweltschutz ja, aber nicht alles muss überwacht und reglementiert werden!

Nur echte Umweltsünder müssen bestraft werden. Wenn es nach der DHU geht muss alles überwacht werden!

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Antwort von Marko , 08:21 Uhr

Wenn die Rücknahmeziele in Deutschland nachweisbar und haushoch verfehlt werden, müssen Maßnahmen eingeleitet werden, die diesen Trend umkehren!

"Umweltschutz ja, aber bitte nicht bei mir und vor allem nicht auf meine Kosten!" wird nicht funktionieren - das haben die vergangenen Jahre in vielen Bereichen mit nicht erreichten teilweise selbst gesteckten Zielen gezeigt - siehe auch CO2-Ausstoß.

Also muss offenbar stärker reglementiert bzw. bestehende Regelungen auch durchgesetzt werden!

Dabei sollte vor allem der für Elektrogeräte sehr relevante Online-Handel stärker in die Pflicht genommen werden, da man in Deutschland davon ausgehen kann, dass fast jedem Online-Neukauf bereits ein Altgerät gegenübersteht.

Ein Hin- und Herschicken von Elektroschrott wäre wiederum umwelttechnisch wenig sinnvoll, besser wäre eine Entsorgungspauschale pro verkauftem Elektrogerät für Hersteller, Händler und Online-Händler, die den Städten und Gemeinden zugute kommt, bei denen der Elektroschrott schließlich landet.

Lokale Händler, die ihrer Rücknahmepflicht in ausreichender Form nachkommen, könnten von dieser Abgabe befreit werden.

Nicht eingehaltener Umweltschutz MUSS in unserem Wirschaftssystem den Verursacher massiv Geld kosten - sonst ändert sich gar nichts…