Huawei in Deutschland: Huawei wehrt sich gegen »Steinzeit-Ökonomie«

Wer das Rad der Globalisierung zurückdrehen will, muss wissen, wer den Schaden hat und vor allem: wo er entsteht. Mit überholten Rezepten aus dem Frühkapitalismus schadet man vor allem der eigenen Volkswirtschaft.

Huawei zu boykottieren, würde jeder Volkswirtschaft schaden
(Foto: AdobeStock/made_by_nana)

Abschottung des Binnenmarkts gegen Importe, Exportförderung der heimischen Wirtschaft: So lernen 7.Klässler heute einen wirtschaftspolitischen Aspekt des Absolutismus im Schulunterricht kennen. Der Grundbegriff dazu: Merkantilismus. Die damit verbundene Person in Frankreich des 17.Jahrhunderts: Colbert, der Finanzministers des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Schüler erfahren so, was Ökonomen schon längst bewiesen haben, dass nämlich protektionistische Wirtschaftspolitik im Frühkapitalismus nicht funktioniert hat. Auch in früheren Jahrhunderten brauchten volkswirtschaftliche Prosperität und wachsender Wohlstand für immer mehr Teile der Bevölkerung vor allem eins: freie Märkte (ohne Zunftzwang) und freien Handel.

Man muss einer grenzenlosen Globalisierung und einer gänzlich deregulierten Wirtschaft freilich nicht das Wort reden, aber klar ist auch, dass jeder, der das Rad der Geschichte um 300 Jahre zurückdrehen will, wie das US-Präsident Donald Trump mit seinem neomerkantilistischen Denken versucht, großen Schaden in jeder Volkswirtschaft anrichten würde. Ungeachtet dessen zeigt sich Trump indes wenig beindruckt, wenn der von ihm gebannte Techologiehersteller Huawei seine Leistungsbilanz außerhalb seines Heimatlandes China herausstreicht. Huawei ist in einer eng verzahnten ITK-Branche ein wichtiger Technologie- und Geschäftspartner. Es regt sich denn auch zunehmend Widerstand gegen Trumps Protektionismus in der Causa Huawei.

Denn US-Zölle auf den Import chinesische IT-Komponenten und, andersherum, Lieferverbote an Huawei, von denen hauptsächlich große Chipkonzerne wie Intel, Broadcom, Micron und Qualcomm in Milliarden Höhe betroffen sind, schwächen neben Huawei auch viele Technologieriesen in den USA. Sie schlagen nun Alarm und fordern Ausnahmeregelungen bei Zöllen und eine Lockerung der Exportbeschränkungen. Der Huawei-Boykott wird zum Bumerang für die US-Wirtschaft – und er könnte es für andere Länder werden, wenn sie sich den US-Sanktionen anschließen würden.

In anderen europäischen Ländern und Deutschland will man so weit nicht gehen, sich dem Druck des US-Präsidenten vorschnell zu beugen. In Washington wird man die Reise der deutschen Wirtschaftsministers Peter Altmaier vergangene Woche nach China mit großem Interesse verfolgt haben. Nach dem Gespräch des Ministers mit Huawei-CEO Ren Zhengfei in Shanghai am Rande seines Chinabesuchs stellte Altmaier klar: »Wir diskriminieren niemanden, nur weil er ein bestimmter Anbieter ist«. Neomerkantilismus ist mit Altmaier also nicht zu machen, mit seinem chinesischen Amtskollegen Miao, Xiao & Zhong verständigte er sich auf multilateralen Welthandel, der aber China und Europa als gleichberechtigte Partner begreifen müsse.

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