Surfen wie in der Karibik: So lahm sind die deutschen Datennetze

Trotz aller politischen Beschwörungen des Breitbandausbaus hängt Deutschland im internationalen Vergleich der typischen Downloadraten über das Mobilfunk- und Festnetz weiterhin im Mittelfeld fest.

DSL: lange Leitung

(Foto: rugercm - AdobeStock)

Ganz ähnlich ist die Lage im Festnetzbereich. Hier schafft es Deutschland zwar mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 72,58 Mbit pro Sekunde auf den 30. Platz und liegt damit auch etwas deutlicher über dem globalen Durchschnitt von 58,66 Mbit pro Sekunde. Das ist allerdings mehr der Tatsache geschuldet, dass einige aufstrebende Länder eher ihre mobilen Netze ausbauen, als das völlig veraltete oder komplett fehlende Festnetz. Tatsächlich reiht sich Deutschland damit hinter Kandidaten wie Israel (73,13), Panama (75,64) sowie Thailand (76,00) und nur knapp vor dem karibischen Inselstaat Barbados (67,64) und Chile (66,71) ein. Selbst hinter der großen chinesischen Firewall wird noch eine durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit von 89,56 Mbit pro Sekunde geboten.

So richtig deutlich werden die deutschen Versäumnisse beim Breitbandausbau allerdings vor allem wieder im Vergleich mit den europäischen Spitzenreitern. Hier surfen beispielsweise die Dänen durchschnittlich mit 97,79, die Norweger mit 108,53, die Spanier mit 110,04, die Franzosen mit 113,13 und die Rumänen sogar mit 130,44 Mbit pro Sekunde. Ist schon das fast doppelt so schnell wie in Deutschland, legt der Spitzenreiter Singapur die Messlatte hier noch einmal ein gutes Stück höher. 197,50 Mbit pro Sekunde im Durchschnitt sind mehr als man selbst in einigen größeren deutschen Städten als Spitzenwert erreicht.

Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie dringend es wäre, die ewigen Versprechen in die Tat umzusetzen, um die Voraussetzungen für die digitale Zukunftssicherheit des Industriestandorts zu schaffen. Denn die Digitalisierung zu fordern hilft wenig, wenn gerade der starke und innovative deutsche Mittelstand aufgrund seiner Lage in der Fläche oft gar keine Chance hat, die Vorteile neuer Technologien wie Industrie 4.0 und der Cloud überhaupt für sich zu nutzen. Bei der wichtigen Infrastruktur ist eine Politik der digitalen Entschleunigung und Verzögerung definitiv fehl am Platz.

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