Abschiedsreise über den Königssee: Die letzte gelbe Telefonzelle ist abgebaut

Rund 50.000 gelbe Telefonzellen gab es noch in den 90er Jahren in Deutschland. Nun musste auch die letzte weichen. Sie stand am Wallfahrtsort St. Bartholomä am Königssee.

Die letzte gelbe Telefonzelle Deutschlands bei ihrer Abschiedsfahrt über den Königssee
(Foto: Deutsche Telekom)

Gestern ging am Ufer des bayerischen Königssees eine Ära zu Ende: Die Deutsche Telekom baute die im Bootshaus am Wallfahrtsort St. Bartholomä eingelassen gelbe Telefonzelle ab – es war die letzte ihrer Art in Deutschland. Noch in den 90er Jahren gab es hierzulande rund 50.000 gelbe Telefonzellen, die ersten der Kunststoffhäuschen wurden 1978 aufgestellt. Allerdings waren schon die Telefonzellen der späten 40er Jahre in einem gelben Farbton gehalten. Erst Mitte der 90er wurde das Gelb von den Telekom-Farben Weiß-Grau-Magenta abgelöst.

Zu Hochzeiten gab es in Deutschland über 100.000 öffentliche Telefone – etwa die Hälfte im typisch-gelben Kunststoffdesign, Modellname »TelH78«. Doch mit dem Aufkommen von Mobiltelefonen begann der Rückbau. Sinkt der Umsatz pro Monat dauerhaft unter 50 Euro, muss eine Telefonzelle weichen. So nun auch die bei St. Bartholomä, die immerhin zum Abschied noch eine schöne Fahrt über den idyllischen Köningssee bekam, über den sie per Fähre abtransportiert wurde.

Rentabel waren die Telefonzellen übrigens für die Deutsche Bundespost, aus der 1995 die Deutsche Telekom hervorging, auch früher nicht. Die Betriebskosten, unter anderem für Strom, Reinigung und die Beseitigung von Schäden, überstiegen schon damals die Einnahmen, obwohl eine Gesprächseinheit bis zum 1. Oktober 1984 immerhin 20 Pfennig und danach sogar 30 Pfennig kostete.