Falsche Verträge, hohe Kosten: Kritik an Beratung im Handyladen

45 Euro soll der Handyvertrag höchstens kosten, in Wirklichkeit wird er doppelt so teuer. Und das »superschnelle Internet« bleibt ein Wunschtraum. Viele Verbraucher beklagen solche Erfahrungen. Politik und Verbraucherschützer wollen jetzt mehr Transparenz durchsetzen.

(Foto: F-Stop Boy - AdobeStock)

Die NRW-Verbraucherzentrale hat Kritik an der Beratung in vielen Handyläden in Nordrhein-Westfalen geübt. »Stationäre Händler kommen ihren gesetzlichen Informations- und Transparenzpflichten meist nicht nach. In den Verträgen finden sich oft ungewollte und zuvor nicht genannte Konditionen«, kritisierte die Verbraucherzentrale am Donnerstag. Von Kunden bemängelt würden etwa zu teure Tarife und unpassende Verträge.

Das Problem dabei: Anders als bei Online-Abschlüssen können im Laden abgeschlossene Verträge in den allermeisten Fällen nicht widerrufen werden. Es bleibe oft nur eine gerichtliche Anfechtung des Vertrages oder eine Klage auf Schadenersatz, wenn der unterschriebene Vertrag wesentlich teurer sei als gedacht, erklärte die Verbraucherzentrale.

Seit einer Verordnung von Mitte 2017 müssen Shopbetreiber ihre Kunden vor dem Abschluss auf einem Produktinformationsblatt über die wichtigsten Rahmendaten des angebotenen Tarifs informieren. Dies unterbleibe noch viel zu oft, sagte eine Sprecherin der Verbraucherzentrale.

Kaum Interesse an Infoblättern

Der Branchenverband der Telekommunikationsunternehmen VATM warb um Verständnis. »Unsere Mobilfunkanbieter erfüllen die Vorgaben der Transparenzverordnung, aber bei mehreren tausend stationären Shops und Partner-Shops deutschlandweit lässt sich leider nicht völlig ausschließen, dass es auch zu Versäumnissen kommt«, sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner der Deutschen Presse-Agentur. Die Produktinformationsblätter seien online jederzeit verfügbar, würden dort aber nur sehr wenig abgerufen.

Den Zorn der Verbraucher erregt regelmäßig auch die Tatsache, dass viele Anschlüsse die gebuchten Übertragungsgeschwindigkeiten in der Praxis bei weitem nicht einhalten. Nach einem Bericht der Bundesnetzagentur in Bonn halten nur rund 12,8 Prozent der Festnetzanschlüsse die versprochene Maximalgeschwindigkeit ein oder übertreffen sie sogar. Im Mobilfunk sind die Abstände noch größer. Kunden kamen nur bei 16,1 Prozent der Messungen über die Hälfte der vereinbarten Maximalgeschwindigkeit. Gemessen wurden zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 rund 1,3 Millionen Anschlüsse.

Der VATM verwies auf die vielfach 100 Jahre alten Kupferkabel in Deutschland. Sie schränkten bei längeren Leitungen die Bandbreite dramatisch ein. Hinzu kämen in vielen Fällen veraltete Hardware und schlechte Verkabelungen im Haus, die die Unternehmen nicht beeinflussen könnten. »Wir setzen auf den Ausbau von Glasfaser bis ins Haus, da dann Bandbreiten oberhalb der Gigabitgrenze zuverlässig erreicht werden und nicht irgendwas abhängig von der trivialen Länge eines 100 Jahre alten Kupferdrahtes«, sagte Grützner.