5G-Aussichten: Ferngesteuerte Lastwagen und Chirurgie per Funk

Von Vorzügen der künftigen 5G-Netze schwärmt die Mobilfunk-Industrie schon seit Jahren. Nun gibt es erste Anwendungen zumindest im Test-Betrieb zu sehen. Sie reichen von ferngesteuerten Fahrzeugen bis zur Hilfe im OP-Saal.

(Foto: Einride)

Es wirkt wie der perfekte Aufbau für ein Rennspiel: Lenkrad, Pedale, eine Wand aus sechs Monitoren zeigt die Fahrbahn. Gemessen daran fehlt es der Aufgabe etwas an Action - man muss bei Schrittgeschwindigkeit an einem Stoppschild halten und auf einem Testgelände die Spur halten. Doch für den Nervenkitzel sorgt etwas anderes: Es ist ein echter Lastwagen, der hier in Echtzeit gesteuert wird. Der Fahrer sitzt in Barcelona, das Fahrzeug ist rund 2.000 Kilometer entfernt bei Göteborg in Schweden unterwegs.

Der Lastwagen der Firma Einride, den man dabei lenkt, ist eine Klasse für sich. In dem Fahrzeug ist gar kein Platz für einen Menschen vorgesehen. Seine bullige Front ist eine betongraue Fläche ohne Frontscheibe oder Kühlergrill. Ob man sich schnell an diesen Anblick im Rückspiegel gewöhnen kann? Die futuristischen T-Pod-Lastwagen sollen eigentlich autonom fahren. Aber in schwierigen Situationen - das könnte anfangs zum Beispiel ein Baustellen-Bereich sein - soll ein Mensch die Kontrolle per Fernsteuerung übernehmen können. Hier kommt 5G mit seinen extrem kurzen Datenlaufzeiten - der sogenannten Latenz - ins Spiel. Damit können Steuerbefehle praktisch ohne Verzögerung an das Fahrzeug übertragen werden.

Von den Vorzügen der neuen Netze schwärmen Ausrüster und Netzbetreiber schon seit Jahren, diesmal gab es beim Mobile World Congress so viel 5G »zum Anfassen« wie noch nie. Wenige Meter von der Lastwagen-Demo am Stand des Netzwerk-Ausrüsters Ericsson spielt eine Band. Genauer gesagt, die Hälfte der Band, der Bassist und der Schlagzeuger. Der Gitarrist und der singende Keyboarder musizieren in einer anderen Halle am Stand des Netzbetreibers Vodafone, die Verbindung läuft über ein 5G-Netz. Die geringe Latenz macht es möglich, dass sie einen Song gemeinsam spielen können als wären sie an einem Ort.

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