Verlagerung der Produktion nach Deutschland: Gigaset baut wieder Smartphones in Deutschland

Rund 15 Jahre nachdem die letzen Siemens-Handys vom Band gelaufen sind, will Gigaset im Werk in Bocholt jetzt wieder Smartphones bauen.

Gigasets neues »GS 185« wird in Deutschland gefertigt
(Foto: Gigaset)

Nur wenige Jahre nach der Jahrtausendwende hatte Siemens die Produktion von Handys in Deutschland wieder eingestellt. Jetzt will der Nachfolger der einstigen Siemens-Telefonsparte im Werk in Bocholt wieder Mobiltelefone bauen. Als erstes Gigaset-Smartphone aus Deutschland wird dort ab sofort das neue Mittelklassegerät »GS 185« hergestellt.

Das Pilotprojekt erstreckt sich vorerst auf das eine Modell. Dafür wurde ein Produktionssystem im Werk in Betrieb genommen, dass skalierbar mit zwei bis acht Mitarbeitern betrieben werden kann. Ziel sei es, auch kleine Losgrößen flexibel und zu konkurrenzfähigen Preisen herzustellen, wie ein Konzernsprecher betont. Es gehe nicht darum, »eine Massenfertigung à la Foxconn nach Deutschland zu verlagern«. Die Kunden würden zunehmend Interesse an Produkten »made in germany« zeigen. Weitere Verkaufsargumente seien die nachhaltige Produktion, recyclefähige Verpackungen und Reparaturen und Service vor Ort. Wegen des hohen Automatisierungsgrades sei die Smartphone-Produktion in Bocholt zudem nicht teurer als in Asien.

Das Unternehmen sieht sich nach fast 170 Jahren Firmengeschichte in Deutschland fest verwurzelt und eng verbunden mit der Produktion in Bocholt. Ziel sei es daher, auch Arbeitsplätze am Standort zu sichern und wenn das Projekt aufgehe, auch neue zu schaffen.

Gigaset ist in Europa Marktführer bei DECT-Telefonen. Das Unternehmen beschäftigt rund 900 Mitarbeiter und vertreibt seine Produkte in rund 70 Ländern. Da das DECT-Kerngeschäft seit Jahren rückläufig ist, hat der aus der ehemaligen Siemens Gigaset hervorgegangene Anbieter in den letzten Jahren seine Aktivitäten kontinuierlich ausgebaut. 2012 erfolgte der Einstieg in den Smart-Home-Bereich, seit 2016 produziert Gigaset auch Smartphones. Heute umfasst das Portfolio neben den DECT-Telefonen, Smartphones, Cloud-basierte Smart-Home-Sicherheitslösungen sowie Geschäftstelefonie-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).

Vor kurzem hatte der Aufsichtsrat der Gigaset AG zudem seine Zustimmung zur Finanzierung von Investitionen in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro erteilt (CRN berichtete). Die Finanzspritze soll dazu dienen, in neue Geschäftsbereiche zu investieren und deren Vermarktung zu beginnen.