Die Autonation droht die Zukunft zu verschlafen: Das E-Auto ersetzt keine ­Mobilitätsvision

Vom Benzin zum Diesel und über das Benzin zum E-Auto? Das politische Geschaukel von einem Antriebskonzept zum nächsten ist kein Konzept und peinlich. Wo bleibt die Mobilitätsvision von morgen?

(Foto: Daniel Krasoń - Fotolia)

Die Geschichte des Dieselmotors im Auto ist noch gar nicht so alt. Ende der 1970er Jahre kamen mit Modellen wie dem Mercedes 300SD die ersten Vertreter seiner Art, doch erst die Hochdruck-Einspritzung verhalf dem Diesel Mitte der 90er Jahre zu deutlichen Effizienzvorteilen gegenüber Benzinern. Zeitgleich änderte die Politik Anfang der 90er Jahre schrittweise die Steuersätze der Mineralölsteuer zugunsten des Dieselkraftstoffes, der seitdem mit etwa 18 Cent weniger »subventioniert« wird. Zusammen mit den Verbrauchsvorteilen ergaben sich so auch finanzielle Vorteile für Vielfahrer.

Da die Anzahl der Pendler durch die steigenden Immobilienpreise in Ballungsräumen weiter zunimmt, haben sich immer mehr Autofahrer in Deutschland für ein Dieselauto entschieden – und dürfen sich jetzt über die inkonsequente Mobilitätspolitik und die Schummel-Leidenschaft der Industrie »freuen«. Wertverlust, Nachrüstungsungewissheit oder Fahrzeugtausch – der Draufzahler ist natürlich nicht die Politik oder die Industrie, sondern der Auto-besitzer. Möglicherweise könnte das E-Auto einen Teil der Probleme von morgen lösen. Doch für ein funktionierendes Mobilitätskonzept bräuchte es viel weitreichendere Entscheidungen.

Wie unterschiedlich man mit fehlerhaften Produkten umgehen kann, zeigt der Blick in die USA. Dort sammeln sich hundertausendfach Dieselautos mit Schummelsoftware auf »Autofriedhöfen«, die die Hersteller von den Autobesitzern zurückkaufen mussten. In Deutschland geht es den Autoherstellern viel besser: Die Politik hat dafür Verständnis, dass jahrzehntelang entwickelte Antriebskonzepte nicht einfach zur Seite gelegt werden können – schließlich seien die Hersteller mit der Nachrüstung ja genug bestraft.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Jens7441 , 16:00 Uhr

Das E-Auto ist nur als Brückentechnologie zu Umdenken zu betrachten. Menschen sind zurecht zurückhaltend die Fahrzeugprämie für ein E-Auto in Anspruch zu nehmen. Die Industrie braucht Zeit, um qualifizierte H2 Strategien auf den Markt zu bringen. Dank neuer druckloser H2 Speichersysteme wird der aktuelle Stand in der Reichweite von Wasserstoffautos vom 400-500 Km von Toyota, Mercedes GLC F-Cell oder gar dem neuen X5 von BMW schon wieder disruptiert. Und genau da liegt das Problem. Mit dem aktuellen Patent für H2 Speicher können 2x4 Kartuschen im Kofferraum, wie beim Wechsel der Propangasflasche an jedem x-beliebigen Ort getauscht werden, für jene die ihren Wasserstoff zukünftig nicht selbst produzieren werden. Die Reichweitenerhöhung für Auto und Bus sind somit problemlos auf 4000Km Reichweite möglich. Wo liegt da aber nun das Problem? Unsere Gesellschaft basiert auf Steuereinnahmen zur Sicherstellung der Daseinsvorsorge und die wäre bei zu schnellen Schritten mit der Erschließung von neuen Technologien (ohne Elektrolyseur) das Problem. Die Ölindustrie wäre mit Ihren Wertschöpfungsketten inklusive der Staat mit der Mineralölsteuer mit seinen jetzigen Erlös-Modellen schnell am Ende. Wasserstoff könnte jeder vor Ort selbst ohne Explosionsgefahr produzieren. Der Transport über Gasleitung, der ohnehin bis heute nur auf 2% Seitens der Gasindustrie bis heute beschränkt ist könnte bis max. 10% problemlos erhöht werden. Die Gasindustrie wollte für die Einführung von Wasserstofflösungen auf der Suche nach neuen Einnahmen und Geschäftsmodellen ohnehin nur auf Zeit spielen und hat nicht wirklich darüber nachgedacht weil Sie den Ernst der technologischen Lage komplett unterschätzt haben. Der Staat hat an einer zu schnellen Disruption zu Wasserstoff kein wirkliches Interesse, müsste er sich doch sonst neue Steuerbegriffe (Sonnensteuer, Energie-autark Steuer etc.) einfallen lassen. Da liegt das eigentliche Problem, wir wissen nicht, wie wir in 5 Jahren bei all dem anstehenden Technologiewandel unsere heuteigen Werte der Daseinsvorsorge in der Zukunft finanzieren sollten. Stellen Sie sich vor, die Stadtwerke, Gasversorger, Energieversorger, wie E.ON und RWE (innogy) gerade im Wandel auf der Suche nach neuen Antworten/Geschäftsfeldern gerne auch in der Zukunft wieder größere Beträge an Steueraufkommen an den Staat abführen zu wollen, stehen defakto mit H2 Strategien vor dem aus. Während wir heute für 1MW 3 x 40 Fuß Container zur Wasserstoffgewinnung benötigen plus zusätzlich weitere zur Speicherung mit 700-900bar gibt es eine Lösung mit nur wenigen Containern für bis zu 500 MW. Das löst zwar unser Energie und Transportproblem, aber die Gesellschaft muss sich in den Wertschöpfungsketten und Steuermodellen zum Erhalt unserer Gesellschaft völlig neu definieren. Wir könnten, was die Freisetzung an Menschen angeht auch von Effekten der „Digitalisierung des Wassers“ sprechen.

Die Technik dafür ist da und das Wissen zur Umsetzung ist auf wenige führende Köpfe aktuell beschränkt.

Und die wissen, warum Sie aktuell untergetauscht sind. Die Brisanz um die Energie der Zukunft schlägt auch ein neues Kapitel unserer Überlebensstrategie im Kampf um den Erhalt unserer Werte auf. Es wird zu einer völligen Umverteilung von Ressourcen und Kapital kommen.