Große Deutschland-Studie: Nutzen wir das Internet »typisch deutsch«?

Wie wichtig sind uns Facebook-Freunde? Darf man im Sozialen Netzwerk lügen? Oder sind wir gar Technik-Muffel? Die Studie »Wie wir Deutschen ticken« zeigt, wie unser Land im Netz agiert - und was uns sonst so umtreibt.

Zärtliche Weintrinker statt rohe Bierliebhaber

Wie sieht es eigentlich mit den Klischees über Deutsche ganz allgemein aus? Sind wir wirklich die kühlen, ordnungswütenden, autonarrischen Biertrinker, als die wir im Ausland gerne wahrgenommen werden?

Des Deutschen liebstes Kind

Nicht ganz. Wie immer steckt zwar ein bisschen Wahrheit in solchen Rollenzuschreibungen. So schätzen sich die Deutschen selbst mehrheitlich als pünktlich, pflichtbewusst und fleißig ein. Auch halten sich zum Beispiel fast alle Deutschen für gute Autofahrer (89%) und lieben ihr Auto (69%). Andererseits ist das Auto für 71 Prozent ein reiner Gebrauchsgegenstand. Immerhin hat fast jedes fünfte Gefährt einen Kosenamen.

Biernation Deutschland?

Auch an diesem Vorurteil rütteln die Autoren. Fast 30 Prozent aller Deutschen trinken überhaupt keinen Alkohol. Zwar dominiert Bier den Alkoholkonsum in absoluten Zahlen, doch vor die Wahl gestellt, würden die meisten einen guten Wein vorziehen (43:57 Prozent). Auch auffällig: Das berühmte Volksfest ist den Deutschen nicht der wichtigste Grund zum Feiern - sie nehmen sogar lieber an Betriebsfeiern teil als an Volksfesten. Immerhin freuen sich 77 Prozent der Deutschen über heimischen Besuch. Der wird dann auch gerne per Umarmung begrüßt. Generell gilt, dass Deutschland viel zärtlicher und verschmuster ist, als angenommen. Körperliche Nähe wie etwa Streicheln, Massieren oder Schmusen mögen jeweils mindestens 80 Prozent der Befragten.

Und wir sind auch fröhlicher als man meinen könnte: Knapp 80 Prozent stimmten der Aussage zu, meist gut gelaunt und positiv gestimmt zu sein. Beim Thema Sex ist es allerdings vorbei mit der guten Laune: Lediglich 54% der Frauen und 45% der Männer sind mit ihrem derzeitigen Sexualleben zufrieden. Während 29 Prozent es gerne mehr als zehn Mal im Monat tun würden, erreichen dieses Ziel nur 13 Prozent aller Deutschen. Wenig Überraschungen gibt es bei den Lieblingsstellungen: Die Missionarsstellung liegt mit riesigem Abstand auf Platz eins, gefolgt von Reiter- und Hündchenstellung.

Die Gesetzestreuen und die Alltagssünden

Während wir einerseits recht gesetzeskonform leben und drei Viertel aller Deutschen beispielsweise noch nie verbotene Substanzen zu sich genommen haben oder 86 Prozent gute Tischsitten pflegen, genehmigen wir uns auch gern mal einen Kavaliersdelikt. So überqueren 71 Prozent der Fußgänger eine rote Ampel, wenn der Verkehr es zulässt. 15 Prozent haben bereits Erfahrungen mit illegalen Downloads und stolze 39 Prozent sind schonmal schwarz gefahren.

Abergläubische Gernschläfer

Die Zipfelmütze repräsentiert Deutschland nach wie vor gut: Nur jeder Siebte geht abends häufig aus dem Haus und 89 Prozent freuen sich auf ihr Bett. Doch wer hätte gedacht, dass wir auch ein abergläubisches Volk sind? 46 Prozent glauben an hellseherische Fähigkeiten, fast ein Drittel an heilende Steine und 23 Prozent sogar daran, früher schon einmal gelebt zu haben. Positiv ausgelegt könnte man zusammenfassen: Wir haben viel Fantasie.

Insgesamt sind die Deutschen recht zufrieden mit ihrem Leben. Auch wenn es fast alle (86%) als schneller empfinden, möchte doch die Mehrheit (52%) am liebsten in der Gegenwart leben und findet, dass es noch keiner Generation so gut ging wie jetzt (60%).

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